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Schwellenländer-Aktien : Liquidität ist nicht nur positiv

Bild: Reuters

Wenn Unternehmen in Geld schwimmen, gilt das gemeinhin als sehr positiv. Doch es kommt auch darauf an, was dem als Schulden gegenübersteht.

          Wenn am Devisenmarkt der Dollar aufwertet, schauen Anleger am Aktienmarkt gerne auf Unternehmen außerhalb Amerikas, darunter auf Unternehmen aus Schwellenländern. Außerdem werden an der Börse in Zeiten eines nicht dynamischen Wirtschaftswachstums Unternehmen mit hohen Beständen an Geld und kurzfristigen Wertpapieren meist hoch geschätzt, weil mit diesen Reserven Schulden getilgt werden können. Daher sollten eigentlich Aktien von Unternehmen aus Schwellenländern, die hohe Liquiditätsreserven aufweisen, besonders aussichtsreich sein, wenn der Dollar aufwertet.

          Name Kurs %
          USD/CNY -- --
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          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Doch Vorsicht! Wie die Ökonomen Valentina Bruno und Hyun Song Shin nachweisen, kann das Gegenteil der Fall sein. Dies gilt vor allem, wenn Unternehmen aus Schwellenländern auf Dollar lautende Schulden in ihren Büchern haben. Dann sind hohe Liquiditätsreserven nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke, sondern ein Beleg dafür, dass ein Unternehmen auf Zinsgewinne spekuliert, aber sein Geld nicht produktiv investiert. Bruno und Shin zeigen für den Zeitraum von Mitte 2014 bis Anfang 2016, dass sich die Aktienkurse solcher Unternehmen besonders schwach entwickelt haben.

          Jeder fünft Anleihe-Dollar dient zur Spekulation

          Die in Zeiten eines schwachen Dollars von Schwellenland-Unternehmen aufgebaute Verschuldung in amerikanischer Währung betrug nach Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Sommer 2016 immerhin 3,3 Billionen Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Jahre 2010. Solche Dollaranleihen befinden sich in Fonds, an denen auch deutsche Anleger beteiligt sind.

          Nach Schätzungen von Bruno und Shin haben die Unternehmen aus den Schwellenländern dieses Geld aber keineswegs allein für Investitionen und die Tilgung von Altschulden verwendet. Zwischen 19 und 24 Prozent wurden verwendet, um in den meist höher verzinslichen Heimatwährungen der Unternehmen Bankguthaben oder kurzfristige Wertpapiere zu halten. Da die Dollaranleihen zu sehr niedrigen Zinsen ausgegeben werden konnten, hoffen die Unternehmen auf Zinsgewinne.

          Großer Unterschied zu Industrienationen

          Diese Rechnung geht aber nur so lange auf, wie die Währungsverluste aus einer Dollaraufwertung die Zinsgewinne nicht überschreiten. Doch der Dollar wertet seit einiger Zeit deutlich gegenüber den Währungen aus den Schwellenländern auf. Ein hoher Bestand an liquiden finanziellen Reserven ist damit keineswegs automatisch positiv zu werten. Er kann auch Ausdruck von Finanzspekulationen sein, die auch schiefgehen können.

          Wie Bruno und Shin schreiben, finden sich solche Spekulationen vor allem bei Unternehmen aus Schwellenländern. Die finanziellen Reserven von Unternehmen aus Industrienationen sind, gemessen an der Bilanz der Unternehmen, gewöhnlich geringer, und werden hier vor allem tatsächlich als Reserve für schlechte Zeiten gehalten.

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