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Veröffentlicht: 05.05.2015, 09:46 Uhr

Negativzins in der Schweiz Großanleger wollen ins Bargeld flüchten

Schweizer Pensionskassen würden wegen der Negativzinsen gerne Bargeld in Milliardenbeträgen horten. Das geht der Nationalbank gegen den Strich, doch tun kann sie wenig.

von , Zürich
© Reuters Nur Bares ist Wahres: Anleger halten Frankennoten lieber im Tresor als auf der Bank.

Es ist nicht so, dass Thomas Jordan kein Verständnis hätte für den Ärger der Großanleger in der Schweiz. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) will verhindern, dass der ohnehin überbewertete Franken noch stärker wird. Daher verlangt er von Banken, die über gewisse Freibeträge hinaus Geld auf den SNB-Girokonten parken, einen Strafzins von 0,75 Prozent.

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So soll der sichere Hafen Schweiz an Anziehungskraft verlieren und der Aufwertungsdruck vermindert werden. Auf der jüngsten Hauptversammlung der SNB gab Jordan unumwunden zu, dass seine Politik auch Schattenseiten hat: Für Investoren, und hier insbesondere für Pensionskassen, sei das Zinsumfeld sehr anspruchsvoll, sagte der Notenbank-Präsident.

In der Tat. Den Pensionskassen, die in dem dreisäuligen System der Altersvorsorge in der Schweiz eine tragende Rolle spielen, gehen die Negativzinsen enorm gegen den Strich. Sie haben ein Vermögen von insgesamt 730 Milliarden Franken zu verwalten. Davon werden 5 bis 6 Prozent liquide vorgehalten, unter anderem, um die Renten auszahlen zu können. In absoluten Zahlen sind das mehr als 40 Milliarden Franken – das ist nach Lesart der Pensionskassen die Summe, die mit Negativzinsen belastet werden könnte.

Lagerung günstiger als Negativzinsen

Kein Pappenstiel. „Daher prüfen einzelne Pensionskassen die Möglichkeit, das Geld ihrer Versicherten vor dem Zugriff der Nationalbank zu schützen“, sagt Hanspeter Konrad, Direktor des Schweizerischen Pensionskassenverbands (Asip). Gegenüber dieser Zeitung benennt er offen, wie der Negativzins möglicherweise umgangen werden könnte: durch die Flucht ins Bargeld.

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Rein organisatorisch und technisch ist es kein Problem, größere Mengen Bargeld zu horten. Dafür gibt es Dienstleister, die Hochsicherheitstresore besitzen, in denen Kunden Gold, Silber oder eben auch Bargeld lagern können. Einer von diesen Anbietern ist die Swiss Gold Safe AG. Das Unternehmen aus dem Kanton Uri erlebt infolge der Negativzinsen gerade einen ungeahnten Nachfrageschub: „Wir haben zahlreiche Anfragen von institutionellen Anlegern aus der Schweiz. Vor allem Pensionskassen und Versicherer zeigen großes Interesse an der Einlagerung von Bargeld“, sagt Swiss-Gold-Sprecher Ludwig Karl.

Nach seinen Angaben rechnet sich das Ganze: „Die Kosten für die Lagerung großer Bargeldbeträge liegen bei rund einem Drittel der Negativzinsen.“ Demnach wären für zwei- bis dreistellige Millionenbeträge Lagergebühren von knapp 0,3 Prozent fällig. Darin ist die Vollversicherung der Gelder (unter anderem gegen Diebstahl und Brand) enthalten. Die Transportkosten kommen noch dazu, diese fallen aber offenbar nicht stark ins Gewicht.

Bargeld-Depots nicht im Interesse der Schweiz

Gleichwohl geht Verbandschef Konrad nicht davon aus, dass derzeit schon viele Pensionskassen Bargeld horten. Das deckt sich mit dem Eingeständnis von Swiss Gold, dass zwar viele Anfragen, aber bisher kaum konkrete Aufträge für die Bargeldlagerung eingegangen seien. Was ist der Grund? „Es gibt da noch Hürden zu nehmen, die jenseits unseres Einflussbereichs liegen. Die Nationalbank ist sehr restriktiv bei der Ausgabe von Bargeld“, sagt der Sprecher Ludwig Karl.

Behindert oder verweigert die Schweizer Notenbank die Bargeldausgabe? Der SNB-Präsident Jordan hat bereits offen davor gewarnt, die Negativzinsen zu umgehen. Denn dies diene nicht dem allgemeinen Interesse der Schweiz und laufe den Absichten der Geldpolitik zuwider. Aber kann Jordan dem Kunden einer Bank, und sei es ein Pensionsfonds, der Milliarden verwaltet, den Wunsch verweigern, sein eigenes Geld nicht mehr auf einem Konto, sondern in bar zu halten? „Nein“, sagt Hanspeter Konrad vom Pensionskassenverband, „unseres Erachtens besteht dafür keine Rechtsgrundlage“.

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