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Schwankende Rohstoffpreise Die Wette auf das Schiefergas

Der amerikanische Erdgasmarkt hat sich durch die Fördermethode Fracking stark gewandelt. Die Produktion steigt, die Preise fallen. Kurzfristig bestimmt aber immer noch das Wetter den Trend.

© REUTERS Vergrößern Tag und Nacht: Erdgasförderung in Pennsylvania in den Vereinigten Staaten

Hochfrequenzhändler in Amerika entdecken die Rohstoffmärkte - und sorgen dort für ungewöhnlich starke Schwankungen. Die amerikanische Terminbörsenaufsicht CFTC prüft in diesem Zusammenhang Kursausschläge bei Erdgaskontrakten, die kurz vor der Veröffentlichung von Lagerbestandsdaten durch die Energieinformationsbehörde EIA auftraten. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat die CFTC bereits herausgefunden, dass ein großer Teil des Handelsvolumens um diese Termine auf das Konto von Wertpapierhäusern geht, die Kontrakte mit leistungsfähigen Computern im Millisekundentakt handeln.

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Andere Akteure im Terminmarkt, zu denen Energieproduzenten und Verbraucher gehören, vermeiden mittlerweile den Handel kurz vor oder nach der Bekanntgabe der Daten, um gegen die Handelscomputer nicht ins Hintertreffen zu geraten. „Das ist ein großes Problem“, sagt Eric Hunsader, der Vorstandsvorsitzende des Datenspezialisten Nanex. Der Vorsitzende der CFTC, Gary Gensler, hatte vor einem Jahr angekündigt, dass die Behörde mit Blick auf den Hochfrequenzhandel die Überwachung der Terminmärkte verstärken wollte.

Sinkende Preise durch mildes Wetter

Das scheint allerdings leichter gesagt als getan. CFTC-Kommissionsmitglied Scott O’Malia forderte jedenfalls mehr finanzielle Mittel, um die Überwachungssysteme zu verbessern. Die Behörde müsse ihre Fähigkeiten „beträchtlich“ erhöhen, um Hochfrequenzhändler kontrollieren zu können. Deren Präsenz an den Rohstoff-Terminmärkten ist im Vergleich zu den Aktienbörsen ein relativ neues Phänomen. Fachleute schätzen, dass mittlerweile zwei Drittel des Handelsvolumens an den amerikanischen Aktienmärkten auf superschnelle Computerhändler zurückgehen.

Die im Wochentakt veröffentlichten Lagerbestände sind ein wichtiger Faktor für den Trend am Erdgas-Terminmarkt, an dem deutsche Privatanleger unter anderem mit Zertifikaten auf die an der New Yorker Nymex gehandelten Henry Hub Natural Gas Futures teilnehmen können. Dazu kommt das Wetter. „Der Markt für Erdgas ist stark saisonal geprägt“, sagt Martin Arnold, der die Analyseabteilung bei ETF Securities leitet. „Da die meisten Haushalte in den Vereinigten Staaten mit Erdgas heizen, hängt die Preisentwicklung davon ab, wie sich die Witterung entwickelt.“ Arnold rechnet aktuell mit einem vergleichsweise milden Ende des Winters und mit entsprechend sinkenden Erdgaspreisen.

Auf längere Sicht wurde der Markt von der Entdeckung neuer Vorkommen und der stärkeren Nutzung unkonventioneller Fördertechniken wie „Fracking“ geprägt. Das führte seit 2008 zu erhöhter Produktion und fallenden Preisen. Mit Fracking wurde die Förderung von Schiefergas möglich, auf das mittlerweile 32 Prozent der amerikanischen Produktion entfallen. Beim Fracking wird mit Sand und Chemikalien vermischtes Wasser unter hohem Druck in die Bohrstelle gepresst, um den Schiefer aufzubrechen und das eingeschlossene Gas freizusetzen.

Streit um unbegrenzten Export

Die Preise befinden sich trotz der jüngsten Erholung weiter deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Im vergangenen April war der Preis für den jeweils nächsten Kontraktmonat an der Nymex unter 2 Dollar für eine Million British Thermal Units gefallen - btu ist eine Einheit für Wärmeenergie. Nach einem Spitzenwert von 3,90 Dollar im November 2012 notierte der März-Kontrakt in der vergangenen Woche um 3,30 Dollar. Die Preise für Erdgas sind weltweit sehr unterschiedlich, weil es teuer ist, Erdgas über lange Strecken zu transportieren.

In Asien und Europa ist Erdgas deutlich teurer. Es gibt in Nordamerika Projekte für den Bau von Verflüssigungsanlagen, die den Transport in Tankern erlauben und die Nachfrage nach amerikanischem Gas erhöhen dürfte. Es wird allerdings einige Jahre dauern, bis die Projekte abgeschlossen sind.

Zudem zeichnet sich in Amerika ein Streit um einen unbegrenzten Export ab. Befürworter von Ausfuhrbeschränkungen wie der Chemiekonzern Dow Chemical sorgen sich um einen Anstieg der heimischen Gaspreise und eine Gefährdung von Investitionen im verarbeitenden Gewerbe der Vereinigten Staaten, das Erdgas als Energiequelle nutzt.

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Wegen der niedrigen Preise ist die Nachfrage von Unternehmen nach Erdgas gestiegen - allerdings nicht stark genug, um den Angebotsüberhang auszugleichen. Stromversorger nutzen Erdgas stärker als billigere Alternative zu Kohle für den Betrieb von Kraftwerken. Stahlproduzenten wechseln von Kohle zu Gas, um Hochöfen zu befeuern.

Die deutschen Chemieunternehmen BASF und Lanxess sowie andere Unternehmen der Branche erwägen wegen der niedrigen Energiekosten den Bau neuer Fabriken in den Vereinigten Staaten. Analysten rechnen damit, dass die steigende Nachfrage irgendwann zu einer deutlichen Erholung der Preise führen wird. Erdgas bleibt ein spannender Markt, was das Interesse der Hochfrequenzhändler erklärt.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 22.02.2013, 17:56 Uhr


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