28.10.2010 · Die Preissteigerungen für Mais und Weizen richten den Blick nach Osteuropa und Russland: Trotz großer landwirtschaftlicher Flächen sind die Ernteerträge schwach. Die Vereinigten Staaten, Europa und Australien beherrschen einen Großteil der Weltexportmärkte.
Von Bettina Schulz, LondonDie hohe Nachfrage nach Mais, Weizen und Sojabohnen hat die Preise dieser Agrarrohstoffe in diesem Herbst wieder auf den höchsten Stand seit zwei Jahren steigen lassen. Damals hatten das knappe Angebot und die extrem hohen Preis in zahlreichen Schwellenländern Unruhen ausgelöst. Diese Erfahrung im Hinterkopf, steigt mittlerweile der Druck zu höheren Investitionen in der Agrarwirtschaft. Dies betrifft vor allem Osteuropa und Russland, wo die Ernteerträge wegen ineffizienter Bewirtschaftung immer noch deutlich unter westlichen Werten liegen.
Nach Angaben der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) erbringt die Ernte in der Ukraine mit 3 Tonnen Getreide je Hektar deutlich weniger ein als in Westeuropa mit 5,3 Tonnen je Hektar. In Russland sind es gar nur 2,2 Tonnen und in Kasachstan nur 1,1 Tonnen. „Länder wie Russland, die Ukraine und Kasachstan haben ein enormes Potential als künftige Agrar- und Nahrungsmittelexporteure, aber dieses Ziel können die Länder nur erreichen, wenn die Rahmenbedingungen für entsprechende Investitionen stimmen“, sagt Thomas Mirow, Präsident der Osteuropabank.
Rohstoffanalysten erwarten weitere Steigerungen
Das Institut, das mit Hilfe günstiger Finanzierungen und eigenen Investments Anlagen von privatwirtschaftlicher Seite forciert, fordert gemeinsam mit der Agrarorganisation der Vereinten Nationen (FAO), dass Regierungen Reformen einleiten, damit Osteuropa als Agrarmacht von Weltrang aufsteigen und seine Produktionskapazitäten ausweiten kann.
Zu diesen Reformen gehöre, dass Eigentums- und Landrechte geklärt und gesichert werden, Ernteerträge für eine Kreditaufnahme besichert werden können und auch bessere Versicherungsmöglichkeiten. Zudem dürfen die Kalkulationen der Agrarwirtschaft durch plötzlich erlassene Exportverbote oder Quoten nicht über den Haufen geworfen werden.
Trotz sehr großer landwirtschaftlicher Flächen in Osteuropa und Russland beherrschen die Vereinigten Staaten, Europa und Australien einen Großteil der Weltexportmärkte für Getreide und Mais. Angesichts der hohen Nachfrage nach Mais sind die Lagerbestände in den Vereinigten Staaten trotz der guten Ernte auf das niedrigste Niveau seit 15 Jahren gefallen. Der Preis für Mais ist an der Rohstoffbörse CBOT seit Anfang Oktober um 30 Prozent auf 6 Dollar je Scheffel (27,2 Kilogramm) gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit 2 Jahren. China importiert trotz eigener Rekordernte Mais, in den Vereinigten Staaten steigt die Nachfrage nach Mais für Bioethanol. Für den Export steht daher weniger Mais zur Verfügung, obwohl die Vereinigten Staaten mit 50 Prozent der mit Abstand wichtigste Exporteur von Mais in der Welt sind. Die Rohstoffanalysten der Commerzbank erwartet deshalb, dass der Preis in den kommenden Monaten weiter steigen wird.
Russland wird weiter unter Weizenknappheit leiden
Nach Missernten in Russland, Deutschland und Kanada ist auch der Preis für Weizen im Zuge der Verknappung von Mais auf mehr als 7 Dollar je Scheffel und 200 Euro je Tonne gestiegen. Angesichts der Knappheit exportiert Russland bis zur nächsten Ernte im Herbst 2011 keinen Weizen und die Ukraine wird ihren Export möglicherweise ab Ende des Jahres auf 2 Millionen Tonnen begrenzen. Gerade dies wird jedoch von der Osteuropabank kritisiert, da Exportbeschränkungen oder Quoten eine so hohe Unsicherheit für die Agrarwirtschaft bedeuteten, dass diese politischen Entscheidungen Privatinvestitionen in die Agrarwirtschaft unterminierten. Russland hat bisher 23 Prozent weniger Flächen mit Winterweizen bestellt als im Vorjahr, wird also voraussichtlich auch im kommenden Jahr unter Weizenknappheit leiden.
Die Osteuropabank ist mittlerweile 59 Projekte im Agrargeschäft eingegangen, über die 639 Millionen Euro in Zentraleuropa und Zentralasien investiert werden sollen. Das Gesamtportfolio von Agrarprojekten der Bank beläuft sich mittlerweile auf 2 Milliarden Euro. So erhält die Gesellschaft Kazexportastyk in Kasachstan von der Osteuropabank einen Kredit in Höhe von 35 Millionen Dollar, um in moderne Anbautechniken investieren und damit die Ernteerträge steigern zu können.
Der Agrarhändler Louis Dreyfus erhielt im vergangenen Jahr eine Kreditlinie in Höhe von 53,5 Millionen Euro, um dem Konzern in der Ukraine und Russland den Bau von Silos und Lagerstätten für die Vorratshaltung von Getreide bauen zu können und damit das ganze Jahr über exportieren zu können. Die russische Gesellschaft Sodrugestvo erhielt 40 Millionen Dollar, um in der Region um Kaliningrad mit Hilfe der Bauern die Produktion von Raps zu steigern und den Export zu fördern.
Biosprit und Bioenergie
Horst Trummler (Vandale6906)
- 28.10.2010, 10:08 Uhr
Von der Elbe bis zur Oder - rechts uns links der Autobahn nur noch Maisfelder,
Hans-Ulrich Pietz (Ulrich2310)
- 28.10.2010, 15:37 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |