Die Aussicht auf eine geringere Ölnachfrage sowie die Belastungen der europäischen Schuldenkrise drücken die Preise für Rohöl - so tief wie seit sieben Wochen nicht mehr. „Die Zuspitzung der Schuldenkrise in der Eurozone mit gewalttätigen Protesten in Spanien gegen die geplanten neuen Sparmaßnahmen hat zu einer Eintrübung der Stimmung auf den Finanzmärkten geführt und setzt die Ölpreise unter Druck“, heißt es in einem Bericht der Rohstoffanalysten der Commerzbank. Europäisches Rohöl der Nordseesorte Brent kostete am Mittwoch 109 Dollar je Barrel (je 159 Liter), für amerikanisches WTI-Öl waren es bisweilen weniger als 90 Dollar.
Seit dem Frühjahr schwanken die Ölpreise stark: Von März bis Juni gab der Brent-Preis um 30 Prozent nach, stieg dann aber wieder bis Mitte September um mehr als 30 Prozent. Die lockere Geldpolitik der Notenbanken gab den Ölpreisen Auftrieb, ebenso Produktionsausfälle in der Nordsee. Auch Spekulationen um eine Eskalation im Nahen Osten trugen dazu bei. Immer wieder verschärft sich der Ton zwischen Iran und Israel und schürt die Sorgen um Lieferunterbrechungen im Ölgeschäft.
90 Millionen Barrel am Tag
Iran ist der drittgrößte Anbieter innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Wegen des Atomstreits zwischen Iran und dem Westen gibt es nicht nur Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen Iran, sondern auch einen Importstopp der Europäischen Union (EU) für iranisches Öl. Seitdem hat Iran erhebliche Probleme, sein Öl zu exportieren.
Saudi-Arabien hat derweil die Förderung stark ausgeweitet und produziert so viel Öl wie seit 30 Jahren nicht mehr. Der Irak hat im Juni Iran als zweitgrößten Opec-Anbieter (hinter Saudi-Arabien) abgelöst und produziert mit 3,3 Millionen Barrel Öl am Tag so viel wie seit dem Jahr 1979 nicht mehr. Zum Vergleich: Der Weltölverbrauch auf der Welt liegt bei rund 90 Millionen Barrel am Tag.
Zwar hat Iran zunehmend Probleme, sein Öl zu verkaufen, das Embargo zeigt Wirkung. Wichtige Ölkunden Irans wie China, Indien, Japan und Südkorea haben ebenfalls ihre Ölimporte aus Iran reduziert. Doch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass der größte Ölhändler der Welt, Vitol, die Sanktionspolitik des Westens untergrabe. Vitol habe mit iranischem Öl gehandelt - dabei geht es um 2 Millionen Barrel Schweröl, das chinesischen Kunden angeboten worden sei.
Reuters bezieht sich auf mehrere Informanten aus dem Ölhandel sowie der Schifffahrtsbranche. Das iranische Öl sei zudem mit Öl aus Europa gemischt worden. Mit diesem Verfahren kann die Herkunft des Öls verschleiert werden.
Über einen Zwischenhändler Öl erworben
Vitol hat seinen Sitz in der Schweiz und ist nicht an den Ölimportstopp der EU gebunden. Vitol bestätigte am Mittwoch, eine Tochtergesellschaft aus Bahrein habe im Juli iranisches Öl über einen Zwischenhändler erworben. Vitol kaufe mittlerweile aber kein iranisches Öl mehr, internationale Vorschriften bezüglich Iran würden eingehalten.
Zuletzt hatte es immer wieder Berichte gegeben, wie Iran versucht, die Sanktionen zu umgehen. Ein Beispiel ist, dass iranische Öltanker statt unter Irans Flagge unter der Flagge eines anderen Staates den Rohstoff transportieren. Auch seien die Transponder der Öltanker ausgeschaltet worden, damit sie unentdeckt blieben. Normalerweise können Schifffahrtsbehörden anhand dieser Transponder die Fahrten der Öltanker verfolgen.