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Veröffentlicht: 06.03.2012, 08:17 Uhr

Schuldenkrise „China wird sich wohl an der Eurorettung beteiligen“

Michael Spencer, Deutsche-Bank-Chefökonom für Asien, gibt nur selten Interviews. Doch was er sagt, ist von Gewicht. Im F.A.Z.-Interview spricht er unter anderem über die Zugkraft des EU-Rettungsplans und die Furcht vor einer Inflation.

© Deutsche Bank Michael Spencer, Deutsche-Bank-Chefökonom für Asien

Als Voraussetzung für Hilfen an Europa fordern die reichen Schwellenländer verlässliche Rettungspläne und ein größeres Engagement der EU. Jetzt liegen solche Pläne vor, und auch die Griechen spielen mit. Öffnen die Chinesen endlich ihre Geldbörsen?

Ja, ich denke, dass sie das für einen glaubhaften, einen unterstützenswerten Plan halten. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sie uns sagen, ob sie wirklich Anleihen kaufen. Falls der Weltwährungsfonds IWF jetzt ankündigt, Kredite aufzunehmen, um sie an Europa weiter zu verleihen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass China und Japan eine sehr positive Antwort geben. Das würde mich keineswegs überraschen.

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Sie steigen also über den IWF ein?

Die BRICS-Länder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika bevorzugen diesen Weg. Das drückt kein Misstrauen gegenüber den europäischen Mechanismen aus, sondern sie wollen die Rolle des IWF und ihr eigenes Prestige im IWF stärken.

Aber die Chinesen werden kaum Schulden der Wackelländer kaufen, oder?

Es würde mich nicht überraschen, wenn sie in den vergangenen Jahren sogar griechische Anleihen gekauft hätten. Sie können Verluste zum Marktwert in gewisser Höhe verkraften und sich leisten, länger abzuwarten als die meisten Geldgeber. Möglicherweise stellt es sich ja als fabelhafte Investition heraus! Wir sollten nicht vergessen, dass Asien über Devisenreserven von 5000 Milliarden Dollar verfügt. Da bietet ein solider Rettungsplan gute Anlagemöglichkeiten.

In China steht ein Machtwechsel an. Kann sich die neue Führung solche Risiken aufladen?

Das ist kein Hinderungsgrund, die Devisenverwaltung ist nicht politisiert.

In der Öffentlichkeit schon. Chinas Bevölkerung spürt die Krise und fordert, das Geld lieber im Inland einzusetzen.

Die Öffentlichkeit hat ziemlich falsche Vorstellungen davon, was Devisenreserven sind, wie sie akkumuliert werden und wie sie gut anzulegen sind. Es ist nicht gerade ideal, Billionen von Dollar im Inland auszugeben, denn das könnte die Geldmenge und die Inflation drastisch in die Höhe treiben.

Was hätten die Schwellenländer davon, Europa zu retten?

Zum einen winken im besten Fall hohe Renditen. Zum anderen steckt die Krise Asien an: Europa ist der wichtigste Handelspartner, die Hälfte der Länder hängt vom Export ab. Asiatische Märkte wie Hongkong, Singapur und Taiwan sind schon in die Rezession gerutscht. Außerdem leidet Asien unter dem sinkenden Investoreninteresse. Wegen der Schwierigkeiten in Amerika und Europa gab es eine erhebliche Kapitalflucht.

Sie sprechen in der Vergangenheit. Ist die Krise für Asien vorbei?

Ja, wir denken das. Immerhin erwarten wir für Europa zum Jahresende ein Wachstum von einem Prozent und für die Vereinigten Staaten von nahe 3 Prozent. Nach der Umstrukturierung der griechischen Schulden wird sich die Stimmung der Investoren jetzt hoffentlich wieder aufhellen. Das alles dürfte Asien beflügeln.

In China und anderswo denkt man zur Belebung der Wirtschaft an eine laxere Geldpolitik. Lässt die Inflation das zu?

Die Gesamtinflation ist gesunken. Das liegt an den zurückgehenden Preisen für Nahrung und an den stabilen Preisen für Öl, jedenfalls bis vor kurzem. Deswegen erwarten Investoren Zinssenkungen. Die Kerninflation hingegen ist gestiegen, etwa in Südkorea, Taiwan, Malaysia und Singapur. Meine Befürchtung ist, dass der nächste Schock hoher Lebensmittelpreise schneller kommt als gewöhnlich, schon vor Ende des Sommers. Das hat mit dem kalten, trockenen Wetter zu tun. Dieser Preisanstieg träfe dann auf eine bereits sehr hohe Kerninflation. Das ist riskant.

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