Nach Einschätzung von Devisenfachleuten wird die europäische Gemeinschaftswährung in den kommenden Wochen weiter unter Druck stehen: „Mit Blick auf den Kursverlauf sind weitere Abwärtsrisiken für den Euro vorhanden“, sagt Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. „Euro-Kurse unter der Marke von 1,20 Dollar sind kurzfristig nicht auszuschließen.“ Am Montag kostete der Euro rund 1,23 Dollar. In der Nacht zum Montag war der Euro mit 1,2255 Dollar auf ein Zweijahrestief gesunken. Seit Anfang des Jahres hat der Euro zum Dollar um 5 Prozent verloren. Gegenüber vielen anderen Währungen sieht die Entwicklung nicht besser aus: Seit Januar verbucht der Euro zum mexikanischen Peso ein Minus von 8 Prozent, zum australischen Dollar liegt der Euro 5 Prozent zurück.
Sinkende Euro-Kurse haben verschiedene Effekte: Für Verbraucher aus dem Euroraum wird zum Bespiel der Amerika-Urlaub teurer. Hingegen profitieren Exportunternehmen hierzulande von einer Euroschwäche, weil ihre Waren außerhalb des Euroraums günstiger werden.
Devisenhändler blicken nun auf wichtige Marken auf der Euro-Kursgrafik: „Markante Punkte sind Werte von 1,2150 Dollar sowie die Marke von 1,1875 Dollar - das entspricht dem niedrigsten Stand des Jahres 2010“, sagt Analyst Wortberg. Solche Marken geben Anlegern am Devisenmarkt Anhaltspunkte für ihre Investitionsentscheidungen. Werden diese Marken gerissen, kommt es in der Regel zu weiteren Verkäufen, der Kursabschwung setzt sich fort. „Aus Sicht der Charttechnik ist der Euro-Abwärtstrend intakt“, sagt Wortberg. „Es gibt auch keine Anzeichen, dass der Markt überverkauft ist.“
„Japan bietet niedrige Zinsen“
Den Euro belastet allem voran die europäische Schuldenkrise. Die Folge ist, dass Anleger am Devisenmarkt kein höheres Risiko eingehen wollen und den Euro meiden. Nach dem EU-Gipfel vor zwei Wochen hatte die Gemeinschaftswährung allerdings noch profitieren können und war bis auf knapp 1,27 Dollar geklettert. „Die Hoffnung, dass es eine Lösung der europäischen Schuldenkrise gibt, hat zu einer Euro-Rally geführt“, sagt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. „Mittlerweile merken viele Anleger aber, dass es keine nachhaltige Lösung gibt; die Zinskosten von Ländern wie Spanien steigen. Zudem nimmt die Kapitalflucht aus Ländern wie Italien weiter zu. Das drückt auf den Wert des Euro.“ Auch die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche, den Leitzins auf das Rekordtief von 0,75 Prozent zu senken, brachte den Eurokurs unter Druck.
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Der Wechselkurs zum Dollar nähert sich seinem Tiefstand vom Juni 2010
In Zeiten wachsender Unsicherheiten steuern Investoren an den Devisenmärkten daher klassische sichere Häfen an: Das ist nicht nur der amerikanische Dollar, die Währung des mit Abstand wichtigsten Finanzmarktes auf der Welt. „Auch der Yen ist stets gefragt, obwohl das Land auch sehr hoch verschuldet ist“, sagt Analyst Karpowitz. „Doch Japan bietet niedrige Zinsen und kann sich langfristig stets gut finanzieren.“
Der Yen kann zudem gewinnen, weil Carry-Trade-Geschäfte in Zeiten wachsender Unsicherheit zurückgefahren werden. Bei diesen Geschäften verschulden sich Anleger in einer niedrig verzinsten Währung wie zum Beispiel dem Yen und kaufen höher verzinste Währungen wie den australischen Dollar. Werden Carry-Trade-Geschäfte aufgelöst, gewinnen die Finanzierungswährungen wie in diesem Fall der Yen.
Schuldenkrise im Blick
Mit Blick auf Theorien wie der Kaufkraftparitätentheorie zur Untersuchung von Wechselkursen wäre der Euro mit rund 1,25 Dollar fair bewertet. Doch sowohl Analyst Karpowitz als auch Helaba-Fachmann Wortberg halten von dieser Theorie nur wenig: „Sie ist für die mittelfristige Prognose nicht wirklich aussagekräftig“, urteilt Karpowitz. Vielmehr haben Anleger die Schuldenkrise im Blick. Am Montag konnte der Euro etwas zulegen, weil Händler abermals auf eine Verbesserung der Lage setzten.
So kamen am Montagabend die europäischen Finanzminister zusammen, um über die jüngsten Gipfelbeschlüsse zu verhandeln. Am Dienstag wird zudem in Deutschland das Bundesverfassungsgericht über Eilanträge gegen den Euro-Rettungsfonds ESM und den europäischen Fiskalpakt für Haushaltsdisziplin verhandeln. „Wir gehen davon aus, dass der Euro bis Ende des Jahres bei 1,20 Dollar notiert“, sagt Commerzbank-Analyst Karpowitz.
Reine Vermutung von mir
Julius Franzot (JFranzot)
- 10.07.2012, 09:28 Uhr
Der Euro leidet vor allem unter seiner andauernden Krise.
Hans Edelmann (aktienfluechtling)
- 10.07.2012, 00:20 Uhr
Entscheidung Bundesverfassungsgericht hat Auswirkungen
Ulrich Fielitz (seniorbanker)
- 09.07.2012, 20:12 Uhr