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Sachwerte Eine Anlage mit Tücken

27.10.2009 ·  Institutionen, Stiftungen und andere Gruppen von Anlegern interessieren sich für die Anlage in physischen Rohstoffen. Es stellt sich aber heraus, dass die Wette auf geringe Korrelation zu anderen Anlagekategorien nicht so einfach ist, wie es klingt.

Von David Bogoslaw
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Man kann die steigende Nachfrage von Anlegern nach Rohstoffen und anderen natürlichen Ressourcen durchaus gelassen sehen. Die Erholung der Wirtschaft wird den Verbrauch von Öl und anderen Brennstoffen schon kräftig ankurbeln. Das gleiche gilt für Industriemetalle, Stahl und Bauholz, wenn die Industrieproduktion erst einmal wieder das alte Niveau erreicht hat.

Dann gibt es noch das Langzeit-Argument, dass eine wachsende Bevölkerungszahl und das Streben nach einem höheren Lebensstandard in den Schwellenländern eine steigende Nachfrage nach Agrarprodukten und die Verwendung natürlicher Ressourcen beim Bau von Straßen, Brücken und Stromnetzen auf Jahrzehnte hinaus garantiert.

Keine neue Idee

Kluge Anlageberater empfehlen ihren Kunden schon seit langem, einen gewissen Rohstoffanteil im Portfolio zu haben, um sich von der Kursentwicklung von Aktien und Anleihen etwas unabhängiger zu machen. Heute spricht ein weiteres Argument für Rohstoffe und Sachwerte: der Schutz. Der Gedanke, sich mit Rohstoffen vor steigender Inflation zu schützen, ist nicht neu. Doch jetzt steht dahinter die wachsende Sorge über das Risiko ungeordneter Abwertungen des Dollars und anderer Währungen und eine ausufernde Inflation in den kommenden Jahren. Diese Sorgen entspringen der Furcht vor den Folgen der Unmengen von Geld, das die Zentralbanken drucken lassen, um die gewaltigen Konjunkturprogramme zu bezahlen.

So erklärt sich der Sprung von 9,8 Prozent, den der Goldpreis seit Anfang September gemacht hat. Der SPDR Gold Shares ETF hält derzeit Barrengold im Wert von fast 40 Milliarden Dollar in Londoner Tresoren. Das macht ihn zum sechstgrößten Goldbesitzer der Welt, „auf Augenhöhe mit China oder der Schweiz“, weiß Paul Justice, ETF-Stratege bei Morningstar.

Der Kauf von Sachwerten ist schwieriger als gemeinhin angenommen

„Es herrscht ein viel größeres Interesse von Institutionen, Stiftungen - sämtlichen Gruppen von Anlegern - am Schutz vor Inflation und [Schwellenmarkt]-Anlagen“, berichtet Derek van Eck, Chief Investment Officer bei Van Eck Global und Co-Manager des Van Eck Global Hard Assets Fund. „Ein Großteil davon ist den geldpolitischen Entscheidungen geschuldet, die weltweit von den Zentralbankern getroffen werden.“

Es stellt sich jedoch heraus, dass der Kauf von Sachwerten mit geringer Korrelation zu anderen Anlagekategorien nicht so einfach ist, wie es klingt. Obgleich eine große Anzahl recht neuer börsengehandelter Produkte auf Rohstoffbasis angeboten wird, sind Edelmetall-ETFs die einzigen, die tatsächlich physisch unterlegt sind.

Das Interesse an physischem Metall erklärt sich schlicht aus seiner einfachen Lagerung, meint Paul Justice von Morningstar. „Bei anderen Rohstoffkategorien ist es wenig sinnvoll, sich diese physisch zuzulegen. Erdgas verdampft, und Mais und Weizen erfordern Silos und bergen zusätzlich das Risiko, zu verderben“.

Rohstoff-Terminkontrakte sind für die meisten Privatanleger die bevorzugte Anlageform, weil sie keine Lagerkosten verursachen und relativ einfach liquidierbar sind. Weil der volle Preis erst fällig wird, wenn er nach Vertragsablauf die physische Lieferung erfolgt, steht mehr verzinsliches Geld zur Verfügung, selbst wenn man es zur Absicherung derTransaktion auf die Seite gelegt hat, so Justice.

Eine aufmerksamere Überwachung durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) und eine drohende strengere Begrenzung von Positionen, um sie für Spekulanten weniger interessant zu machen, haben den auf Terminkontrakten basierenden ETFs einen Teil ihrer früheren Attraktivität genommen. Doch die Regulierer, so Justice, sollten sich weniger Gedanken um Rohstoffspekulationen durch ETFs als durch einzelne Anleger machen. Denn „ein ETF ist ein Pool aus Anlegern, [und] es ist unwahrscheinlich, dass eine Masse von Menschen alle in der gleichen Weise spekuliert“.

Fonds besitzen Anteile an Sachwerte-Produzenten

Der Gedanke hinter dem aktiv verwalteten Investmentfonds und den ETFs, die Van Eck Global anbietet, liegt darin, Anlegern Zugang zu Sachwerten über Fonds zu verschaffen, die Aktien an Produzenten natürlicher Ressourcen besitzen. Oder anders ausgedrückt: die Unternehmen besitzen, welche die Rohstoffe aus dem Boden holen, anstatt Lieferverträge für diese.

Aber würde der Besitz von mehr „Papiergütern“ Sie wirklich nachts ruhiger schlafen lassen, wenn Sie lieber etwas Anfassbares Ihr eigen nennen wollen?

Jim Rogers, der gefeierte Anlageexperte und langjährige Verfechter von Investitionen in Sachwerte, scheint dieser Ansicht zu sein. Er half bei der Entwicklung des Rogers-Van Eck Hard Assets Producers-Index, auf dem der RVE Hard Assets Producers ETF von Van Eck basiert. Zu den Top 10-Beständen des ETF gehören die Saatgutanbieter Monsanto und Syngenta, der Düngemittelproduzent Potash Corporation of Saskatchewan, integrierte Ölproduzenten wie Exxon-Mobil, Chevron und BP und die Agrarriesen Archer Daniels Midland und Deere. Aber der Fonds engagiert sich auch zu 4 Prozent in erneuerbaren Ressourcen mit Namen wie den Windstromerzeugern Vestas und First Solar.

Die übrigen sieben ETFs von Van Eck konzentrieren sich auf Unternehmen, die Stahl, Kernkraft, Kohle oder sonstige Produkte erzeugen. Der Market Vectors Coal ETF enthält Unternehmen wie Peabody Energy und Consol Energy, während der Market Vectors Gold Miners ETF Namen wie Barrick Gold und die südafrikanische AngloGold Ashanti anbietet.

Sie böten zwar nicht dieselbe Diversifizierung wie die zugrunde liegenden Rohstoffe, aber es gebe durchaus gute Gründe für den Besitz von Produzenten-Aktien, findet van Eck. Vor sechs Monaten seien sie ein Schnäppchen gewesen; ihre heutige Attraktivität ergebe sich vor allem aus der Ertragskraft, die sie höheren Rohstoffpreisen zu verdanken hätten, erklärt er.

Vieles spricht für Aktien

„Aktien belohnen das Risiko mit höheren Erträgen als Rohstoffe“, sagt van Eck. Ein Anleger zahle derzeit 82 Dollar pro Barrel für Rohöl-Terminkontrakte, während für Energieaktien bei derzeitigen Bewertungen ein Preis von 70 Dollar pro Barrel zu Grunde gelegt werde, wodurch sie 15 bis 20 Prozent billiger seien. Seiner Ansicht nach seien Energieaktien momentan unter Wert zu haben.

Damit es zu einer deutlichen Erhöhung der Rohstoffpreise selbst kommen könne, müsse erst eine spürbare wirtschaftliche Erholung einsetzen. Bis jetzt habe man nur zögerliche Anzeichen einer zunehmenden Nachfrage aus den höher entwickelten Volkswirtschaften gesehen.

Van Ecks Lieblingsthema ist derzeit die Förderung von Energieträgern und die Produktion von Energie. Nicht nur, dass die Umsatzerlöse den Rohstoffpreisen praktisch auf dem Fuß folgten. Diese Unternehmen böten überdies den Vorzug wachsender Gewinnspannen dank eines Überangebotes an Bohrplattformen, was die Preise von Plattformen und Druckförderdienstleistungen nach unten treibe.

Weil Produzenten-Aktien eine viel geringere Korrelation zu Agrarprodukten aufweisen, „muss man in Düngemittel- und Saatgutunternehmen investieren, weil sie im allgemeinen eher Verarbeiter als Produzenten von Rohstoffen sind“, meint er.

Er beginne einen akzeptablen Wert in Düngemittelaktien zu erblicken, die seiner Ansicht nach Frühindikatoren für steigende Einkommen der Farmer seien, sobald die Preise für Mais und Weizen wieder anzögen.

ETFs auf der Basis von physischem Gold

Letztlich erweist sich die Suche nach echten Sachwerten, die sich einem neuen wirtschaftlichen Abschwung besser entgegenstemmen könnten, als illusorisch. Selbst die physisch unterlegten Gold-ETFs halten möglicherweise nicht ganz, was sie zu versprechen scheinen. Auf einer Veranstaltung von ETF Securities am 8. Oktober in Manhattan kam aus dem Publikum die Frage nach Zusicherungen, dass das in London ansässige Unternehmen seine eigenen Goldbestände tatsächlich besitze und überprüfe, anstatt sich nur auf Unterberater zu verlassen, die Bestände nicht überprüfen und sogar ausleihen, wie es der SPDR Gold Shares ETF angeblich tut.

Kipley Lytel, Managing Partner bei Montecito Capital Management in Los Angeles, räumt ein, dass Rohstoff-ETFs den einen oder anderen Schönheitsfehler haben - selbst diejenigen, hinter denen physisches Gold steht. Zum Beispiel sei in diese Fonds viel mehr investiert, als Gold eingelagert sei, das den Anlegern sofort zur Verfügung stehe, erklärt er.

Das hindert ihn nicht daran, sich im SPDR Gold Shares ETF und im iShares Silver Trust zu engagieren - wenn auch nur als Ergänzung zu den Edelmetallen, die er für Kunden durch die in Jersey City ansässigen Templar Integrity Partners kauft. Dieses Unternehmen liefert Gold- und Silberbarren entweder an seine Kunden oder lagert sie gegen eine geringe Gebühr in einer Verwahrstelle.

Am Ende stehen wirklich lohnende Möglichkeiten des Besitzes von Sachwerten wohl nur den reichsten Anlegern zur Verfügung. Das heißt, wenn Sie nicht gerade ein kleines Fort Knox oder ein riesiges Silo hinter dem Haus stehen haben ...

David Bogoslaw ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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