23.11.2007 · Die rumänische Landeswährung hat seit Anfang 2006 gegenüber dem Euro in der Spitze um 15 Prozent zugelegt. Doch seit Juli ist es vorbei mit der Herrlichkeit. In den vergangenen Tagen ist der Leu sogar förmlich eingebrochen.
Seit Anfang 2006 kannte die rumänische Landeswährung lange Zeit nur eine Richtung: nach oben. Im Verhältnis zum Euro reichte es bis Anfang Juli bei einem damals erreichten Stand von 3,1122 Leu zu einem Anstieg von gut 15 Prozent. Damals sah sich die Notenbank sogar zu Interventionen veranlasst, um eine noch stärkere Aufwertung zu verhindern. Doch seitdem hat die Stimmung eindeutig umgeschlagen und von Stärke kann inzwischen keine Rede mehr sein. Vielmehr muss neuerdings von einer ausgeprägten Schwäche gesprochen werden.
Seit dem erwähnten Jahreshoch hat der Leu gegenüber dem Euro mehr als 14 Prozent an Wert verloren. Und alleine seit Anfang Oktober steht ein Rückgang von 8,5 Prozent zu Buche. Mit einer aktuellen Notiz von 3,6377 Leu kostet Rumäniens Währung nun fast wieder so viel wie Anfang 2006. Angesichts dieser kräftigen Ausschläge sah sich auch schon Zentralbankchef Mugur Isarescu veranlasst zu betonen, dass man sich mit den heftigen Kursbewegungen des Leu nicht wohl fühle, weil das letztlich nicht gut sei für die Wirtschaft.
Angst vor Überhitzung in Rumänien
Verantwortlich für den Stimmungsumschwung sind Ängste vor einer Überhitzung der rumänischen Wirtschaft. Die weltweite Kreditkrise hat anders als zuvor dazu geführt, dass sich die Marktteilnehmer jetzt stärker auf die volkswirtschaftlichen Schwächen des Landes als auf die Stärken konzentrieren. Die Stärken bestehen dabei in einem robusten Wirtschaftswachstum (seit 2000 ist das Bruttoinlandsprodukt jährlich im Schnitt um mehr als fünf Prozent gewachsen) und einem regen Zufluss an ausländischen Investitionen.
Es gibt aber auch ausgeprägte Schwächen, wozu unter anderem das viel zu hohe Leistungsbilanzdefizit gehört (es betrug von Januar bis September 11,8 Milliarden Euro, und nur 40 Prozent des Defizits sind durch ausländische Investitionen gedeckt). Probleme bereitet aber auch die im Oktober auf 6,84 Prozent gestiegene Inflationsrate sowie die Diskrepanz zwischen den hohen Lohnsteigerungen von rund 20 Prozent jährlich und dem Produktivitätswachstum von geschätzt zehn Prozent.
Die Konstellation hat dazu geführt, dass zuletzt vermehrt Institutionen wie der Internationale Währungsfonds vor einer Überhitzung der rumänischen Wirtschaft gewarnt haben. Nicht einfacher wird die Ausgangslage durch eine verzwickte politische Konstellation (Minderheitsregierung), die auch deutliche Bremsspuren bei den Reformanstrengungen hinterlässt. Die Ratingagentur Standard & Poor´s hat wegen der Schwierigkeiten unlängst den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes von stabil auf negativ zurückgestuft, nachdem die Einstufung schon im April von positiv auf stabil gesenkt worden war. Zur Begründung wurde auf die fehlenden Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen die wachsenden volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte verwiesen. Kritik wird dabei insbesondere an der prozyklischen Fiskalpolitik geübt.
Leitzins 7,5 Prozent - Vorsprung als Stütze
Sollte sich keine Besserung einstellen, schließen den Analysten von Standard & Poor´s eine Abstufung der Kreditwürdigkeit in den kommenden 18 bis 24 Monaten nicht aus. Da 2008 aber Wahlen anstehen, stehen die Chancen auf eine restriktivere Fiskalpolitik aber nicht gerade gut. Schließlich werden es die Politiker nicht riskieren wollen, potentielle Wähler mit Steuererhöhungen oder ähnlichen Maßnahmen zu verärgern. Vor diesem Hintergrund könnte der Abwertungsdruck auf den Leu anhalten. Insbesondere dann, wenn die Kreditkrise ein Thema an den Märkten bleiben sollte, weil dann die Risikoaversion der Anleger hoch bleiben wird.
Als eine gewisse Stütze dürfte sich auch der Zinsvorsprung erweisen, den Rumänien bei einem aktuellen Leitzins von 7,5 Prozent gegenüber der Eurozone zu bieten hat. Zumal wegen der gestiegenen Inflationsraten eine baldige Anhebung des Leitzinses auf acht Prozent möglich erscheint. Simon Quijano-Evans von Unicredit hält sogar eine Zinsanhebung von 150 bis 200 Basispunkten für wünschenswert, weil nur so der notwendige Stützungseffekt für den Leu resultieren würde.
Charttechnisch gesehen bewegt sich der Leu in einem intakten mittelfristigen Abwärtstrend. Ob dieser noch weiter ausgebaut wird, hängt davon ab, ob die wichtige Chartmarke bei 3,7 Leu hält oder nicht. Ionut Dumitru, Analyst bei der österreichischen Raiffeisenbank, ist in dieser Hinsicht noch optimistih, veranschlagt er den Kurs gegenüber dem Euro im ersten Quartal 2008 doch auf 3,6 Leu und damit in etwa auf dem aktuellen Niveau.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |