Für Anleger fällt die Bilanz des Rohstoffjahres 2012 bislang gar nicht so schlecht aus. Nach einem guten Start haben die Rohstoffpreise zwar wieder nachgegeben, aber viele Notierungen liegen seit Jahresbeginn noch immer deutlich im Plus. Es waren die gleichen Faktoren, die schon im vergangenen Jahr den Rohstoffmarkt immer wieder belastet haben: Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere in China, dem größten Rohstoffnachfrager der Welt, und die Schuldenkrise in Europa.
Diese Gemengelage führte im Jahr 2011 zu großen Kursverlierern wie dem Industriemetall Kupfer (minus 20 Prozent), da zeitweise sogar Rezessionsängste im Spiel waren. Auch viele Rohstoffindizes beschlossen das Jahr im Minus. Gold hingegen war angesichts der Suche der Anleger nach Sicherheit mit einem Plus von 10 Prozent einer der wenigen Gewinner.
Hoffnung auf ein besseres Rohstoffjahr
Die Rohstoffmärkte gönnten sich derzeit eine Verschnaufpause, sagen die Analysten der Deka Bank. Dabei sei gerade in der ersten Jahreshälfte durchaus noch mit Preisrückschlägen zu rechnen. Denn die Lösung der europäischen Schuldenkrise berge noch beträchtliche Risiken und Unsicherheiten. Zudem stelle sich weiterhin die Frage nach der zukünftigen wirtschaftlichen Dynamik. Doch es scheint Hoffnung auf ein besseres Rohstoffjahr zu geben, als es das vergangene war: Sowohl die moderat anziehende Weltkonjunktur als auch die zurückkehrende Risikofreude der Investoren könnten im weiteren Jahresverlauf für steigende Rohstoffpreise sorgen, heißt es von der Deka Bank.
Trotz der chinesischen Wachstumssorgen bleibt der Ausblick auch nach Ansicht der Experten der Schweizer Bank Credit Suisse positiv. Die wirtschaftlichen Frühindikatoren sendeten relativ starke Signale. Die Einkaufsmanagerindizes - auch die chinesischen - deuteten auf eine Stabilisierung und in einigen Ländern sogar schon auf eine Wachstumsbelebung hin. Insgesamt habe sich der Mix aus Bewertungen, zyklischen Faktoren und technischer Analyse weiter verbessert. Folglich dürften die Rohstoffpreise in den nächsten Monaten weiter steigen.
Bei Zertifikaten auf Rohstoffe gibt es einiges zu beachten
Die Analysten der Landesbank Baden Württemberg äußern sich ebenfalls positiv. Insgesamt hätten die Rohstoffmärkte noch viel Luft nach oben und seien vor allem im Vergleich zu Aktien deutlich unterbewertet. Dem stehe jedoch das Risiko einer unerwartet starken Abschwächung der Konjunktur in China entgegen, weshalb sich viele Akteure vorerst nur zögerlich am Markt positionierten.
Die Aussichten scheinen also nicht so schlecht zu sein. Privatanlegern, die sich für Rohstoffe als Anlageklasse interessieren, bieten sich viel mehr Möglichkeiten als noch vor ein paar Jahren. Da der physische Kauf - mit Ausnahme vielleicht von Münzen oder Barren aus Gold und Silber - keine wirkliche Option ist, dürfte der Kauf von Zertifikaten oder Fonds auf Rohstoffe leichter zu handhaben sein. Doch auch dabei gilt es, einiges zu beachten, was nicht nur an den Eigenheiten des Rohstoffmarktes selbst liegt.
Von „A“ wie Aluminium bis „Z“ wie Zucker
Zertifikate oder spekulative Hebelprodukte (Optionsscheine und Knock-Out-Papiere) auf Rohstoffe finden sich inzwischen bei vielen Banken. Grundsätzlich zeichnen sie die Preisentwicklung des zugrundeliegenden Rohstoffes (Basiswertes) nach. Manche bewegen sich in die gleiche Richtung, andere entwickeln sich gegenläufig zum Rohstoffpreis. Im Fall der Hebelpapiere reicht ein vergleichsweise geringer Einsatz, um viel gewinnen zu können. Das liegt an dem ihnen eigenen Hebel. Durch ihn vollziehen die Wertpapiere die Kursentwicklung des Basiswertes überproportional nach. Es gibt sie für die Spekulation auf steigende (Calls) oder auf fallende Kurse (Puts). Auch die Bezeichnungen „Long“ oder „Short“ sind üblich. Anleger können mit Hebelpapieren jedoch auch schnell alles verlieren.
Das Derivateangebot umfasst zahllose Indizes, die sich aus verschiedenen Rohstoffen zusammensetzen, aber auch einzelne Rohstoffe. Die Palette reicht von „A“ wie Aluminium bis „Z“ wie Zucker. Mit am gefragtesten unter Anlegern sind neben den Indizes Öl oder Gold. Für die Liebhaber von Agrarprodukten gibt es derivative Wertpapiere unter anderem auf die Preise von Baumwolle, Kakao, Kaffee, Milch und Orangensaft. Auch auf Industriemetalle wie Kupfer und Zink oder andere Edelmetalle wie Silber, Platin und Rhodium können Privatanleger setzen.
Anlage für Risikofreudige
Doch angesichts dieser Vielfalt ist es kaum möglich, den Überblick zu bewahren. Fast jede Bank kocht ihr eigenes Süppchen beziehungsweise kreiert ihren eigenen Index. Mal sind die Rohstoffkörbe bunt gemischt, mal sind sie fokussierter beispielsweise auf Industriemetalle oder Agrarprodukte. Auch an einer Börse wie der Stuttgarter ist die Auswahl für Anleger nicht leicht. Dort sind im Internet unter der Rubrik „Rohstoffe/Waren“ derzeit fast 5400 Zertifikate zu finden. Es gibt aber noch weit mehr. Denn auch unter dem Suchkriterium „Index“ würden Anleger fündig werden. Es gibt schon allein mehr als 17.000 verschiedene Optionsscheine unter der Rohstoff-Rubrik. Bei Knock-Out-Papieren sind es ähnlich viele. Zu den größten Emittenten zählen je nach Typ Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bank, Goldman Sachs, Société Générale und Royal Bank of Scotland.
Rohstoffanlagen gehören insgesamt zu den riskanteren Investments. Die Märkte sind oft nicht besonders liquide und schwer zu überblicken, die Einflussfaktoren zahlreich. Die Informationen sind vor allem für Privatanleger schlechter verfügbar als beispielsweise diejenigen über Aktiengesellschaften. Und selbst hier gibt es erhebliche Unterschiede zwischen kleineren und größeren Gesellschaften.
Den Dollar im Blick
Anleger sollten zudem bedenken, dass Rohstoffe meist in Dollar gehandelt werden. Insofern ist auch dessen Entwicklung zum Euro für die Rendite wichtig. Wertet der Dollar auf, dann ist dies für Anleger aus dem Euroraum von Vorteil. Sie gewinnen zusätzlich - und umgekehrt. Als Schutz gegen Währungsrisiken gibt es „Quanto“-Zertifikate. Hier spielen Wechselkursveränderungen unter dem Strich keine Rolle mehr, was wiederum Kosten mit sich bringt. Dies kann vorteilhaft, aber auch von Nachteil sein. Zudem entwickeln sich selbst Zertifikate, die Preisverläufe nur nachzeichnen sollten, nicht immer so wie der Basiswert selbst. Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Höhe der Rohstoffpreise auf Termin.
Nach Ansicht von Experten sind die meisten Rohstoffanlagen sicherlich nicht für unerfahrene Investoren geeignet. Sie raten Privatanlegern - außer zur Spekulation - ohnehin eher zu Investments in Rohstoffindizes denn in einzelne Rohstoffe und unter den Derivaten zu der konservativeren Variante, den Zertifikaten.