31.07.2009 · Die Chinesen nutzen Kongo schon lange als Rohstoffquelle. Mit dem Übernahmeangebot von Randgold Resources für Moto Goldmines rückt das zentralafrikanische Land nun auch als Goldlager in den Blickpunkt. Die Reserven sind vermutlich enorm, die Risiken aber auch.
Von Thomas Scheen, Claudia Bröll und Gerald BraunbergerDie beiden Pakistaner waren guter Dinge, als sie im Juni 2005 das kleine Flugzeug von Kampala nach Bunia bestiegen. Sie wollten Gold kaufen in der nordostkongolesischen Region Ituri, Gold aus den Minen von Kilo und Moto, die damals noch in den Händen irgendwelcher Rebellen waren. Die beiden Jungunternehmer hatten Dollar in den Taschen und planten, das Gold illegal über Uganda nach Pakistan zu schmuggeln. Sie sagten, das sei ein „Kinderspiel“. Zwei Monate später waren die Pakistaner immer noch in Bunia. Ihr Geld war weg, Gold hatten sie keines. Immerhin hatten sie Glück gehabt, zumindest einen Job in einer Kneipe gefunden zu haben, die von UN-Personal und durchreisenden Journalisten lebte. „Wir haben die Typen hier wohl unterschätzt“, gestand einer von ihnen damals.
Der schier unglaubliche Reichtum Kongos an Bodenschätzen zieht seit jeher Glücksritter und Schmuggler an. Während des Krieges in Kongo von 1994 bis 2000 verkaufte das Nachbarland Ruanda bis zu drei Tonnen Gold jährlich, obwohl Ruanda über keine eigenen Vorkommen verfügt. Und in der ugandischen Hauptstadt Kampala stand eine ganze Flotte kleiner Cessna-Flugzeuge bereit, um Goldkäufer in die Minen von Kilo und Moto zu fliegen - so lange, bis sich dort eine andere Rebellenfraktion einnistete und die Flugzeuge der Konkurrenz beschoss. In den Goldminen von Twangiza weiter südlich wurden derweil neugierige Journalisten von Selbstverteidigungskommandos der örtlichen Dorfgemeinschaften festgenommen: Man hielt sie für Vertreter jener kanadischen Firma, die offiziell die Konzession für die Mine hatte, deren Ingenieure aber keinen Fuß dorthin setzen konnten. Viel geändert hat sich seither nicht.
Ihre Konzessionen vergolden lassen
Gold findet sich in zahlreichen afrikanischen Ländern. Die mutmaßlich ertragreichsten Vorkommen aber finden sich im Nordosten und Osten Kongos, also der Region, die seit 1994 nahezu ununterbrochen Schauplatz von Kriegen, Rebellionen und ethnischen Auseinandersetzungen ist. Entsprechend heikel ist die Förderung. Dabei werden die Goldvorkommen alleine in der Moto-Region auf 22 Millionen Unzen geschätzt. Schon die belgischen Kolonialherren verdienten daran sehr gut. Bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1960 holten sie 11 Millionen Unzen aus den Bergwerken in Ituri.
Die schiere Größe der Vorkommen lockte Investoren aus aller Herren Ländern nach Kongo, als dort 2001 der Krieg offiziell beendet wurde. Ein neues Bergbaugesetz wurde verabschiedet, das Investoren steuerliche Erleichterungen und freien Gewinntransfer garantierte im Gegenzug für marktgerechte Tantiemen. Knapp 5000 Konzessionen wurden vergeben, doch damit fingen die Probleme erst an. Jeder konnte sich eine Konzession sichern. Die Preise reichten von 5000 bis 10 000 Dollar pro Quadratkilometer zuzüglich einer monatlichen Gebühr von 500 Dollar. Mit den geologischen Gegebenheiten Vertraute wurden so zu Großgrundbesitzern, die nichts weiter tun mussten, als auf die Bergbaukonzerne zu warten und sich ihre Konzessionen im wahrsten Sinne des Wortes vergolden zu lassen.
Die wenigen seriösen Investoren sahen sich im Osten und Nordosten Kongos zusätzlich mit einem anderen Problem konfrontiert. Denn obwohl dort eigentlich Frieden herrschte, ging der Krieg schon deshalb weiter, weil sich die Parteien die Goldminen streitig machten. Die Regierung in Kinshasa hatte so gut wie keine Gewalt über die Region, denn ihre Armee war lausig und wurde zudem schlecht bezahlt - was dazu führte, dass jeder, der sich etwa in Kilo und Moto engagieren wollte, ein Arrangement mit den entsprechenden Lokalfürsten treffen musste. Der südafrikanische Minenkonzern Anglogold Ashanti stellte der kongolesischen Armee bei einem ihrer Versuche, die Region von Rebellen zu säubern, Lastwagen zum Transport der Soldaten. Die gingen prompt auf Zivilisten los, ein Massaker folgte dem nächsten, und Anglogold stand weltweit am Pranger. Dass die Gesellschaft nie eine Wahl gehabt hatte, wurde unterschlagen.
Einer der größten unangetasteten Goldschätze der Welt
Immerhin versuchte die Regierung im Juni 2007, den Wildwuchs im Bergbau zu bereinigen, indem alle bis dahin vergebenen Konzessionen auf ihre Werthaltigkeit überprüft werden sollten. Die Idee hinter der Neubewertung aller Verträge war zwar gut, nämlich die Glücksritter, die nicht investierten, auszusieben, deren Konzessionen anschließend seriösen Bietern zu übertragen und damit das Steueraufkommen des kongolesischen Staates zu heben.
Dabei wurde aber gleichsam das Kind mit dem Bad ausgeschüttet. Selbst ein Weltkonzern wie Phelbs Dodge, der damals schon mehr als eine Milliarde Dollar in die Kupferförderung in der südkongolesischen Provinz Katanga investiert hatte, sah sich plötzlich seiner Lizenz beraubt. Die Neubewertung aller Bergbaukonzessionen hinterließ den Eindruck, dass es den entsprechenden Ministerien nur darum gegangen war, Schmiergeld zu kassieren.
In der Folge konnten sich internationale Rohstoffunternehmen zwar trotzdem Minenrechte sichern. Derzeit befinden sich jedoch viele Projekte noch in der Erkundung. Aus Sicht von Analysten könnte sich das bald ändern. „Jetzt ist für größere Goldförderer der richtige Zeitpunkt gekommen, sich in Kongo zu engagieren“, sagt Heye Daun, Edelmetallspezialist des Investmenthauses Bright Resources in Kapstadt. Der Übernahmekampf um das australische Explorationsunternehmen Moto sei nur der Anfang. Das Tauziehen um einen der größten unangetasteten Goldschätze der Welt hat begonnen.
Drei erfolgreiche Bergwerke in Tansania
Heute sind vier Goldunternehmen nennenswert in Kongo vertreten: die in Johannesburg notierte Anglogold Ashanti, der größte südafrikanische Goldproduzent, sowie die Nummer zwei unter den Südafrikanern, Gold Fields. Der in Kanada notierte Konzern Banro hat im Osten vier Projekte gestartet, die bisher auf Vorkommen von mehr als 11 Millionen Unzen hindeuten. Banros australischer Konkurrent Moto ist im Nordosten aktiv, wo 20 Millionen Unzen Gold vermutet werden. Das ist das Zehnfache der Jahresproduktion von Anglogold. Moto kündigte vor kurzem an, bis 2012 die größte Goldmine des Landes eröffnen zu wollen.
„Für Rohstoffkonzerne ist es wichtig, die abgebauten Ressourcen kontinuierlich durch neue Reserven zu ersetzen - entweder durch organisches Wachstum oder durch den Zukauf von Explorationsfirmen“, sagt Daun. Denn in den klassischen Abbauländern gehen die Goldschätze zur Neige. In Südafrika beispielsweise wird die Förderung immer schwieriger und teurer, weil die Bergbauunternehmen in Tiefen von 4 Kilometern und mehr vordringen müssen. In Kongo dagegen liegt das Gold relativ nah an der Erdoberfläche. In dem von Banro bearbeiteten Gebiet wäre ein Abbau sogar im Tagebau möglich.
Allerdings schlagen nicht nur Investitionen in die Minen zu Buche. Die Infrastruktur ist so desolat, dass die Unternehmen selbst für Straßen und die Energieversorgung sorgen müssen. „Eine Mine in Kongo zu eröffnen ist eine ganz andere Herausforderung als in Südafrika oder in den Vereinigten Staaten“, sagt Alan Fine, Sprecher von Anglogold Ashanti.
Mit dem Übernahmekampf um Moto laufen auch die Spekulationen über die Zukunft von Banro auf Hochtouren. Die Kanadier haben vor kurzem eine Kapitalerhöhung um 100 Millionen kanadische Dollar vollzogen, um eine Mine womöglich auch allein in Betrieb nehmen zu können. Gleichzeitig aber sehe man sich nach einem Partner um, sagt Banro-Chef Mike Prinsloo. Marktbeobachter mutmaßen, dass der kanadische Barrick-Konzern oder die amerikanische Newmont interessiert sein könnten. Barrick, der größte Goldproduzent der Welt, betreibt drei erfolgreiche Bergwerke in Tansania. Newmont ist in Afrika bisher nur mit Goldminen in Ghana vertreten.
Wettbewerb um das kongolesische Gold
Zusätzlich dürften die Südafrikaner das Banro-Geschäft im Blick behalten. Randgold hatte sich schon vor ein paar Jahren um Banro bemüht, war mit seinem Preisangebot jedoch gescheitert. Auch Anglogold Ashanti könnte abermals mit von der Partie sein. „Man fragt sich ohnehin, weshalb Anglogold nicht alleine für Moto geboten hat, sondern ein Gemeinschaftsunternehmen mit Randgold eingegangen ist“, sagt Daun. „Bei Banro haben Anglogold und alle anderen die Chance auf ein Goldprojekt, das womöglich noch attraktiver ist als Moto.“
Mark Bristow, der aus Südafrika stammende Vorstandsvorsitzende von Randgold Resources, schickt sich mit dem gemeinsam mit Anglogold Ashanti abgegebenen Gebot für Moto Goldmines an, die Basis seines Unternehmens zu verbreitern. Randgold, dessen Unternehmenssitz in Großbritannien liegt, ist derzeit in Mali, Senegal und der Elfenbeinküste tätig und zählt mit einem Börsenwert von 3,3 Milliarden Euro zu den mittelgroßen Goldunternehmen. Die Aktie ist Bestandteil des für die Branche repräsentativen HUI-Index. Im ersten Halbjahr 2009 förderte Randgold gut 158 000 Unzen Gold; der Gewinn nach Steuern betrug 32 Millionen Dollar. Zur Finanzierung seiner Projekte hat Randgold gerade eine Kapitalerhöhung um 5 Millionen Aktien angekündigt.
Moto Goldmines ist ein australisches Unternehmen mit Börsennotierung in Kanada, dessen wichtigstes Vermögen das Goldfeld in Kongo bildet. Das Angebot von Randgold und Ashanti besteht aus Aktien und Geld und bewertet eine Aktie von Moto mit 5 kanadischen Dollar, was einem Wert von rund 350 Millionen Euro entspricht und ein vorliegendes Konkurrenzangebot übertrifft. Das schließt nicht aus, dass sich weitere Produzenten in den Wettbewerb um das kongolesische Gold einschalten.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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