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Veröffentlicht: 22.01.2013, 19:43 Uhr

Rohstoffpreise Indien erhöht abermals die Goldsteuer

Kein Land der Welt fragt so viel Gold nach wie Indien – nun wird die Einfuhrsteuer zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten erhöht. Das kann die Preise nachhaltig beeinflussen.

© REUTERS Begehrt in Indien: Gerade zu Hochzeiten wird viel Gold verschenkt.

Der größte Goldimporteur der Welt hat seine Ankündigung wahr gemacht und die Einfuhrsteuer auf Gold und Platin zum zweiten Mal innerhalb von nur zehn Monaten nach oben geschraubt. Statt bislang 4 Prozent beträgt sie nun 6 Prozent.

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Die indische Regierung will auf diese Weise die Nachfrage nach dem Edelmetall aus dem Ausland bremsen und das Leistungsbilanzdefizit der drittgrößten Volkswirtschaft Asiens bändigen (F.A.Z. vom 3. Januar). Zwischen April 2012, dem Beginn des indischen Fiskaljahres, und Ende Dezember 2012 hat Indien Gold im Wert von 38 Milliarden Dollar eingeführt.

Die Inder kaufen Gold und Goldschmuck, um etwa bei Hochzeiten langfristig Werte zu schaffen. Sie versuchen damit zugleich, die Inflation, die in den vergangenen Jahren zweistellig war, aufzufangen. Da der Subkontinent aber praktisch kein eigenes Gold schürft, sind die Inder auf die Einfuhr angewiesen. Gold ist – nach Öl – der zweitgrößte Posten auf der Liste der importierten Güter.

Furcht vor steigendem Defizit

Im vergangenen Fiskaljahr (31. März) lag der Goldimport bei einem Volumen von 56,6 Milliarden Dollar. Damit trägt das Edelmetall zu einem Defizit der Leistungsbilanz bei, das im zweiten Quartal des Fiskaljahres auf den Rekordwert von 22,3 Milliarden Dollar oder 5,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes anstieg.

Dadurch aber fällt der Außenwert der indischen Rupie, was die Einfuhr weiter verteuert. Die indische Zentralbank schätzt, dass 80 Prozent des Defizits auf den Einkauf von Gold im Ausland zurückgingen. Die Regierung will Goldfonds nun auch erlauben, Teile ihres physischen Besitzes bei den Banken zu hinterlegen – so kann es zur Schmuck- und Edelsteinherstellung zur Verfügung gestellt und der Druck auf die Einfuhren gemindert werden.

Schon im März vergangenen Jahres hatte Neu-Delhi die Einfuhrsteuer auf 4 Prozent verdoppelt. Die Inder blicken auf eine schmachvolle Erfahrung mit ihrem eigenen Goldschatz zurück: Während der Zahlungsbilanzkrise 1991 war die Regierung in Neu-Delhi gezwungen, 47 Tonnen Gold nach London fliegen zu lassen, um sie als Gegenwert für weitere Kredite zu hinterlegen. Auch deshalb fürchten sie das steigende Defizit.

Möglicher Einfuhrrückgang von 25 Prozent

Ob die Preiserhöhung durch die stärkere Besteuerung die Inder aber nun bremst, ist noch völlig offen. Im vergangenen Jahr stieg der Goldpreis trotz der ersten Steuererhöhung in Indien um 13 Prozent. Der Nachfrage hat das freilich nicht geschadet.

Auch nach der jetzigen Ankündigung der Regierung legte der Goldpreis in Bombay (Mumbai) sogar um 0,9 Prozent auf 30847 Rupien (431 Euro) für zehn Gramm zu. Die Bank Nomura erwartet, dass die indische Nachfrage im nächsten Fiskaljahr um 12 Prozent auf 750 Tonnen fallen werde. In diesem Fiskaljahr sollte der Import bei 855 Tonnen liegen.

Die Vereinigung der Juweliere in Indien, welche gegen die Steueranhebung gekämpft hatte, rechnet mit einem Rückgang der Einfuhr um bis zu 25 Prozent. Auch Tom Kendall, Analyst bei der Credit Suisse, rechnet mit zehn Prozent weniger Goldimporten als noch 2012. Dagegen sieht Mohit Kamboj, Präsident der Bombay-Bullion-Vereinigung, es anders: „Die Einnahmen der Regierung werden steigen, die Einfuhr wird sich aber nicht verringern.“ Zuletzt wurde die Goldsteuer im März 2012 von zwei auf vier Prozent verdoppelt – damals ging der Import um ein Viertel zurück.

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Die Käufe der Inder gelten als wichtiger Faktor für die Preisbildung auf dem weltweiten Goldmarkt. Sie stellen mehr als ein Viertel der Nachfrage auf der Welt dar. Wird weniger Gold nachgefragt, kann das den Preis des Edelmetalls stark belasten. Aktuell notiert der Preis einer Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) bei etwa 1.690 Dollar.

Im Moment setzen viele Anleger auf eine Erholung der Weltwirtschaft und auf eine Lösung der Schuldenkrise in Europa sowie den Vereinigten Staaten. Da Gold sonst eine klassische Krisenwährung ist, die gekauft wird, um sich vor Geldentwertung zu schützen, belastet dies die Preise ebenfalls. Unterstützung erhält der Goldpreis im Moment noch von der lockeren Geldpolitik der Notenbanken – erst am Dienstag kündigte die japanische Notenbank unbegrenzte Anleihenkäufe an.

Offen ist allerdings, über welche Kanäle der Import künftig abgewickelt werden wird. Händler gehen aufgrund der steigenden Preise für Endverbraucher von einer starken Zunahme des Schmuggels aus. „Dieses Mal wurde viel mehr über den Auftrieb für Schmuggel gesprochen“, bemerkte David Jollie, Analyst bei Mitsui Precious Metals in London, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Quelle: F.A.Z.

 

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