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Rohstoffpreise Der Wendepunkt?

01.07.2008 ·  So mancher Marktteilnehmer mag denken, der Boom bei Energie, Metall und Lebensmitteln schreibe die Investmentregeln neu. Doch darauf sollte man sein Portfolio lieber nicht verwetten.

Von Ben Steverman
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Während der Ölpreis auf über 140 Dollar pro Fass ansteigt, wird der heiße - manche meinen überhitzte - Rohstoffmarkt an der Wall Street und für jedermann zum Gesprächsthema.

Der Gesetzgeber befürchtet Manipulation und übermäßige Spekulation. Die Marktteilnehmer diskutieren über die Vor- und Nachteile der Gesetzesvorschriften und sorgen sich darüber, dass sich bei den wichtigsten Rohstoffen wie Öl eine spekulative Blase bilden könnte. In der Zwischenzeit bekommen die Verbraucher den Druck zu spüren, indem sie viel mehr für Lebensmittel und Energie zahlen müssen.

Die Investoren hingegen haben ihr eigenes Rohstoff-Dilemma

Im vergangenen Jahr warfen Investitionen in Rohstoffen ordentliche Erträge ab, wohingegen die Preise von Aktien, Anleihen und anderen Investments stagnierten oder im Wert fielen.

Viele Anlageberater haben die letzten Jahre damit verbracht, kleine Portfolio-Anteile - oftmals 3 bis 5 Prozent - in Fonds des Rohstoffindex zu lenken. Ihr Argument dafür lautete, dass Rohstoffe gut geeignet wären, dass Risiko eines Portfolios zu reduzieren. Rohstoffe können vor Inflation schützen und sich unabhängig von anderen Investments bewegen, wobei sie oft an Wert gewinnen, wenn Aktien oder Anleihen fallen (oder umgekehrt).

Daher begannen Pensionsfonds, Hedgefonds und Privatanleger damit, ihr Geld in den Rohstoffmarkt fließen zu lassen; zuerst als Rinnsal, dann als gleichmäßig fließenden Bach und nun als reißenden Strom. Ein beliebtes Mittel: Exchange-Traded Funds (ETF), die ein breites Feld an Rohstoffen abdecken. Laut Trim Tabs Investment Research befinden sich derzeit über 38 Milliarden amerikanischen Dollar in Rohstoff-ETFs, eine Steigerung von mehr als 30 Prozent in den letzten fünf Monaten.

Die Investoren bemerken jedoch langsam auch, dass die Beliebtheit der Rohstoffe ihre Nachteile hat.

„Rohstoffe sind ein eine sehr unbeständige Investmentgattung geworden, um nur einen Nachteil zu nennen“, sagt Susan Elser von Elser Financial Planning in Indianapolis.

Die meisten von Elsers Kunden sind Ende 50 oder älter, und sie möchte deren Rentenersparnisse nicht in einer Investmentklasse anlegen, die jeden Monat großen Schwankungen unterliegt. Uneins sind sich die Marktteilnehmer darüber, ob Spekulanten für die derzeitige Unberechenbarkeit verantwortlich sind. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass ein Ölpreis, der in den ersten sieben Monaten des Jahres 2008 um 40 Prozent steigen kann, irgendwann in der Zukunft genauso leicht um einen ähnlichen Prozentsatz wieder fallen kann.

Rohstoffe sind für langfristige Anlagen ungeeignet

Ein Nachteil dabei ist, dass die Rohstoffe nach oben treibenden Kräfte ihre Richtung wechseln können. Keith Hembre, Chefökonom bei First American Funds sagt, der Fluss der investierenden Dollars erhöhe die Preise zwar etwas, aber die „zu Grunde liegende Kraft“ des Öls und anderer Rohstoffe liege im schnellen Wirtschaftswachstum der Schwellenländer. Niedrige Zinssätze in diesen ausländischen Märkten haben die Nachfrage erhöht und weltweit Inflationssorgen ausgelöst.

„Was die Preise letztendlich stoppen könnte, wäre eine weltweite Verschärfung der Geldpolitik, vor allem in den Schwellenmärkten, wo die ursprüngliche Quelle der Nachfrage liegt.“, sagt Hembre. Wenn die ausländischen Zentralbanken ihre Zinssätze nicht erhöhen, wird die amerikanische Notenbank an ihrer Stelle dazu gezwungen sein, den Zinssatz zu erhöhen, was die Vereinigten Staaten in eine tiefe Rezession führen und somit das Wachstum weltweit sowie die Nachfrage nach Rohstoffen bremsen würde.

Langfristig beträgt der Ertrag eines Rohstoffes null Prozent

An irgendeinem Punkt wird der Rohstoff-Boom enden, was einen weiteren Nachteil des Investments in Rohstoffen aufzeigt: Die ordentlichen Erträge von Rohstoffen in den vergangenen Jahren waren ungewöhnlich. Rohstoffe bieten ihren Investoren oftmals jahre- oder jahrzehntelang nur schwache oder negative Erträge.

Langfristig gesehen „beträgt der erwartete Ertrag eines Rohstoffes in Wirklichkeit null Prozent“, sagt Avani Ramnani von Athena Wealth Advisors in Jersey City, New Jersey. Und das noch bevor der Investor seine Transaktionskosten abzieht.

Im Gegensatz zu Anteilen an einem Unternehmen, die steigen und steigen können, oder Anleihen, die jedes Jahr Zinsen auszahlen, sind Rohstoffe dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterworfen: die Rohstoff-Booms der Vergangenheit haben stets dazu geführt, dass die hohen Preise schließlich die Nachfrage senkten oder das Angebot erhöhten. Die Preise sind nicht ewig gestiegen - letztlich stabilisierten sie sich oder fielen sogar.

Für langfristige Investoren ergeben Rohstoffanlagen keinen Sinn

„Dieser ganze Trend, das Geld in den Rohstoffmarkt zu pumpen, ist meiner Ansicht nach nicht gut für Einzelinvestoren“, sagt Ramnani. Eine Verteilung auf Rohstoffe „minimiert zwar das Risiko“ eines Portfolios, meint sie, „aber sie minimiert auch den Ertrag“. Für Investoren, die ihr Geld langfristig anlegen „ergibt das gar keinen Sinn“, sagt sie.

Eine weitere Gefahr für Rohstoff-Investoren ist die am schlechtesten vorhersehbare: Ihnen steht ein politischer Rückschlag bevor, der den Markt zerstören könnte. Eine Anhörung des amerikanischen Senats am 24. Juni zeigte, dass der Gesetzgeber ernsthaft über ein Eingreifen nachdenkt, um die Spekulation zu stoppen oder abzuschwächen. Das Thema war „Beendigung der übermäßigen Spekulation auf den Rohstoffmärkten: Möglichkeiten der Legislative“.

Irrglaube an Warentermingeschäfte als gute Anlageklasse

Michael Masters von Masters Capital Management sagte den Senatoren, dass die Rohstoffpreise durch Spekulation künstlich erhöht würden und unterstützte Vorschläge, die direkten Investitionen am Markt für institutionelle Anleger einzuschränken oder ganz zu unterbinden. „In den letzten fünf Jahren sind institutionelle Anleger dem Irrglauben verfallen, dass Warentermingeschäfte eine gute Anlageklasse für Investitionen darstellen, ähnlich der Investitionen am Kapitalmarkt“, sagt Masters (vgl. Argumente für eine stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte).

Unter den institutionellen Anlegen befinden sich natürlich auch die offenen Investmentfonds, die in Rohstoffe investieren. Die Commodity Futures Trading Commission untersucht, ob Indexfonds die Marktpreise künstlich überhöhen. Die Ergebnisse will die Regierungsbehörde am 15. September dem Kongress vortragen.

Es ist also unmöglich, vorauszusagen, wie lange der Rohstoff-Boom noch anhalten wird. Für Investoren jedoch wird diese überhitzte Investmentgattung vielleicht zu heiß werden.

Ben Steverman ist Redakteur bei BusinessWeek

Quelle: Business Week Online
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