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Veröffentlicht: 30.07.2013, 17:59 Uhr

Rohstoffmarkt Manipulationen häufen sich

Strom, Aluminium, Öl, Gold – nahezu überall gibt es den Verdacht, dass Banken und Unternehmen die Preise künstlich in die Höhe treiben. JP Morgan, Barclays und Goldman Sachs sind nur einige Beispiele.

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© REUTERS Aluminium Produktion in Sibirien

Der Markt ist groß, er ist unübersichtlich, wenig transparent und er hat ein gigantisches Volumen: Die Rede ist vom Rohstoffsektor. Damit ist er ein ideales Spielfeld für Banken, Hedgefonds und Unternehmen, um ihn zu manipulieren. Das jüngste bekannt gewordene Beispiel dreht sich um den Energiemarkt der Vereinigten Staaten. Der amerikanischen Großbank JP Morgan Chase wird vorgeworfen, in den Jahren 2010 und 2011 den Strompreis manipuliert zu haben.

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Konkret soll ein höheres Angebot vorgegaukelt worden sein, um den Preis nach unten und die Gewinne nach oben zu treiben. Nun soll JP Morgan einem Vergleich zugestimmt haben, um die Ermittlungen zu einem Abschluss zu bringen. 400 Millionen Dollar muss die nach Bilanzsumme größte Bank zahlen, damit die Aufsichtsbehörden ihre Ermittlungen fallen lassen. JP Morgan wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Auch wurde zu Beschuldigten keine genauen Angaben gemacht.

Die Rohstoffmärkte stagnieren

Erst am Freitagabend hatte JP Morgan überraschend seinen Rückzug aus dem Handel mit physischen Rohstoffen angekündigt. Dazu zählt der Handel mit Öl und Metallen, die sich über Tochterfirmen im Besitz der Großbank befinden, aber auch Kraftwerke, welche JP Morgan kaufte. Sie ist nicht die erste Bank, die wegen Strompreismanipulationen eine Geldstrafe zahlen muss. Diesen Monat musste bereits die britische Großbank Barclays eine Millionenstrafe zahlen. Barclays möchte gegen das Urteil gerichtlich vorgehen und weigert sich, die 470 Millionen Dollar zu zahlen.

Die beiden Fälle sind aber exemplarisch für einen Markt, auf dem sich Manipulationen häufen und große Profite immer schwieriger zu erzielen sind. Vorbei sind die Zeiten, als Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent ohne weiteres möglich waren. Die Rohstoffmärkte stagnieren. Der GSCI Total Return Index, der die Preisentwicklung von 24 Rohstoffen abbildet, legte vergangenes Jahr nur noch um weniger als 0,1 Prozent zu. In früheren Jahren ging es um mehr als 20 Prozent nach oben. Ein zweiter Grund, warum jetzt so viele Manipulationen aufgedeckt werden, ist die wachsende Expertise in den Aufsichtsbehörden.

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Erst vor wenigen Jahren begannen die Banken damit, sich auf den Rohstoffmärkten auszubreiten und zeitweise große Profite zu scheffeln. Dagegen waren die Behörden lange Zeit nur auf Aktien, Anleihen und Devisen spezialisiert. Mit der steigenden Marktmacht der großen Banken auf den Rohstoffmärkten wurden nun aber auch die Regulatoren auf die Probleme aufmerksam. So wurde in den vergangenen Monaten einige aufsehenerregende Fälle aufgedeckt oder Ermittlungen angestrengt. Egal ob bei Edelmetallen, Energierohstoffen oder Industriemetallen – überall gibt es Manipulationen oder Ermittlungen.

Das jüngste Beispiel, das Aufsehen erregt, ist die amerikanische Großbank Goldman Sachs. Der Konzern soll an jeder Getränkedose oder Konservenbüchse geschätzte 0,1 Cent verdienen – bei vielen Billionen Dosen kann ein nicht zu unterschätzender Gewinn entstehen.

Die Goldman-Sachs-Getränkedose

Allein die amerikanischen Verbraucher soll das bis zu fünf Milliarden Euro gekostet haben. Konkret soll die Manipulation laut Recherchen der „New York Times“ folgendermaßen ablaufen: Seit drei Jahren besitzt Goldman Sachs den Lagerhausspezialisten Metro International – durch seine Lager geht etwa ein Viertel des amerikanischen Aluminiums.

Zu Anfang der Übernahme warteten die Kunden ungefähr 6 Wochen auf ihre Ware – heute sollen es mehr als 16 Monate sein. Goldman Sachs kassiert für jeden zusätzlichen Tag Lagergebühren – die Kosten werden dann an die Endverbraucher weitergegeben. Die „New York Times“ spricht von absichtlich verschleppten Lagerfristen.

Auch beim Öl soll es Manipulationen zu Ungunsten der Verbraucher gegeben haben. Allerdings stehen nicht Banken im Visier der Fahnder, sondern die europäischen Ölkonzerne BP, Shell und Statoil.

Der Preismechanismus gilt als intransparent

Sogar zu Razzien ist es bereits gekommen. Der Preismechanismus auf dem Markt gilt gemeinhin als intransparent. Die Europäische Kommission untersucht, ob Referenzpreise auf Öl manipuliert wurden. Bei einigen Ölprodukten findet nur alle paar Tage ein Handelsgeschäft statt. Deshalb sind bei der Preisermittlung auch Schätzungen notwendig.

Der Referenzpreis auf Öl wird bei Platts täglich um 17.30 Uhr bekannt gegeben. Sollten also Ölkonzerne für ihre Geschäfte leicht höhere Preise angegeben haben, könnten sie bis zur nächsten Preisbekanntgabe ihr Öl für einen höheren Preis handeln. 90 Prozent aller Ölgeschäfte basieren auf solchen Referenzpreisen. Im vergangenen Jahr wurden außerdem etwa Finanzkontrakte auf Öl in Höhe von 1,5 Billionen Dollar gehandelt.

Ebenso prüft die amerikanische Terminbörsenaufsicht CFTC beim Edelmetall Gold mögliche Preismanipulationen. Besonders interessiert man sich für die Festsetzung des Fixpreises für eine Feinunze Gold. Der Preis wird von fünf Banken, darunter der Deutschen Bank, zweimal am Tag festgesetzt. Die CFTC kritisiert die Preisfindung als zu intransparent.

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Von Daniel Mohr

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