15.08.2006 · Lieferengpässe, Minenstreiks und Weltkonjunktur treiben den Preis für Zink, Kupfer und Blei in die Höhe. Auch der Goldpreis könnte noch steigen - aber aus anderen Gründen.
Die starke globale Nachfrage nach Rohstoffen, vor allem Basismetallen, dürfte bis weit in das nächste Jahr hinein anhalten. Gekoppelt mit immer wieder auftretenden Streiks, knappen Lagervorräten und Lieferengpässen, dürften die Preise an den Rohstoffmärkten daher vorläufig auf hohem Niveau verharren. Bei einigen Basismetallen wie Zink, Kupfer und Blei sehen Londoner Investmentbanken wie Barclays Capital gar einen weiteren Aufwärtstrend.
„Die Märkte für Basismetalle sind zwar weiterhin sehr volatilen Preisschwankungen unterworfen, aber der Nachfrageüberhang bleibt“, sagt James Gutman, Chef des Rohstoff-Research bei Goldman Sachs in London. Die Sorge, die Vereinigten Staaten könnten durch die Zinserhöhungen der Notenbank Federal Reserve in eine Rezession gedrängt werden, empfindet Gutman als übertrieben. Auch die Furcht, das rasante Wirtschaftswachstum in China könne über eine „harte“ Landung abgebremst werden, teilt Gutman nicht. Vielmehr werde die chinesische Regierung alles versuchen, die Nachfrage nur moderat zu drosseln. Mit Infrastrukturprojekten hingegen werde das Wirtschaftswachstum weiter in das Innere des Landes getragen, und dies wiederum sporne die Nachfrage - auch nach Rohstoffen - weiter an.
„Preis wird sich nicht halten können“
Angesichts dieser hohen anhaltenden Nachfrage und der Lieferengpässe sind die Gewerkschaften freilich geneigt, ihre Macht im Rahmen von Streiks zu demonstrieren. Streiks - wie sie bei der Escondida-Mine im Kupfermarkt und der Voisey's-Bay-Nickelmine derzeit anhalten - führen damit um so mehr zu Lieferengpässen, Volatilität an den Märkten und hohen Preisen.
Während Anfang des Jahres die Preise am Kupfermarkt explodierten und diese Entwicklung zu der plötzlichen Korrektur an den Finanzmärkten im Mai beitrug, ist der Nickelpreis in der vergangenen Woche weiter auf 27.300 Dollar die Tonne geschnellt. Am Dienstag kletterte der Preis im Handel fast auf 30.000 Dollar. Im Londoner Fixing lag der Preis für Lieferung in drei Monaten bei 27.200 Dollar die Tonne. „Das ist ein Preis, der sich auf Dauer kaum halten wird, und ich würde mich nicht wundern, wenn der Preis wieder auf 20.000 Dollar sinken würde“, warnt Gutman. Der starke Nachfrageüberhang am Nickelmarkt erkläre jedoch den starken Preisauftrieb.
Nickelpreis verdoppelte sich
Bis in das vergangene Jahr hinein lastete die chinesische Überproduktion von rostfreiem Stahl auf dem Markt. Die Drosselung der Produktion führte automatisch auch zu einer Senkung der Nickelnachfrage. Die Lagervorräte für Nickel wurden angesichts dieser Entwicklung nicht ausreichend aufgefüllt. In den von der Londoner Metallbörse kontrollierten Warenhäusern sanken die Nickelvorräte Anfang dieser Woche um 132 Tonnen auf nur noch 5808 Tonnen. Davon waren 3600 Tonnen schon für die Lieferung vorgesehen. Der tägliche Nickelverbrauch in der Welt liegt etwa bei 3500 Tonnen.
Als Anfang des Jahres die Stahlproduktion in China wieder ausgeweitet wurde und im Rahmen dessen auch die Nickel-nachfrage wieder anzog, rächten sich die niedrigen Lagervorräte und Lieferengpässe: Der Preis für Nickel verdoppelte sich seit Anfang des Jahres. Wie auch bei Kupfer hat sich am Nickelmarkt gezeigt, daß die Minengesellschaften die Produktion nicht rechtzeitig und ausreichend ausweiten konnten, um die Nachfrage zu befriedigen.
Goldpreis hängt von Dollarkurs ab
„Der Markt erwartet seit sechs Monaten, daß nun das gleiche am Markt für Zink geschieht“, sagt Gutman. Auch dort steigt die Nachfrage, sinken die Lagervorräte und besteht die Notwendigkeit, die Produktion auszuweiten. Dies haben Minengesellschaften in den Vereinigten Staaten und Australien erkannt. „Ich gehe davon aus, daß die geplante Produktionsausweitung ausreicht und nicht ähnliche Engpässe auftreten werden, wie dies bei Kupfer bereits geschah“, meint der Rohstoff-Fachmann von Goldman Sachs. Der Kupferpreis zog am Dienstag um 70 Dollar auf 7730 Dollar die Tonne an. Der Zinkpreis legte um 45 Dollar auf 3305 Dollar die Tonne zu.
Preissteigerungen sieht Gutman zudem nicht nur am Markt für Basismetalle, sondern vor allem am Goldmarkt - freilich aus anderen Gründen. Am Dienstag gab der Goldpreis nach dem Waffenstillstand zwischen dem Libanon und Israel auf 624,50 Dollar die Feinunze nach. „Aber die Märkte überschätzen die Rolle, die Gold bei geopolitischen Spannungen spielt. Marktteilnehmer messen Gold auch einen zu hohen Wert als Absicherung gegen Inflation bei“, kritisiert Gutman. Für ihn hängt die Entwicklung des Goldpreises vor allem von der Entwicklung des Wechselkurses des Dollar ab. Der wird nach Einschätzung von Gutman nach Ende der Zinserhöhungen durch die Federal Reserve sinken. Ein sinkender Dollar ist in der Regel gut für den Goldpreis, da der niedrigere Wechselkurs die weltweite Nachfrage nach Gold ankurbelt. Gutman erwartet daher, daß der Goldpreis in den kommenden zwölf bis 18 Monaten auf 800 Dollar die Feinunze steigen wird.
Ähnlich kalkuliert Barclays Capital. Die Investmentbank betont zwar, daß Investoren ihre spekulativen Positionen am Goldmarkt deutlich zurückgefahren hätten. Dies werde die Nachfrage nach dem Edelmetall vor allem in der zweiten Jahreshälfte dämpfen. Auch werde die Wiederaufnahme der Zinserhöhungen durch die Federal Reserve am 20. September kurzfristig zu einer Stärkung des Dollar führen, was sich zunächst negativ auf den Goldpreis auswirken werde. Aber die Investmentbank ist optimistisch: „Wir glauben, daß die makroökonomischen Faktoren auf Dauer sehr günstig für den Goldmarkt sind.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |