Home
http://www.faz.net/-gvz-11xn9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rohstoffmärkte Spekulation erreicht neue Höhen

20.10.2009 ·  Ein Barrel Rohöl kostet wieder nahezu 80 Dollar, so viel wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Europäische Union gibt Spekulanten die Schuld und erwägt Beschränkungen für den Terminhandel.

Von Bettina Schulz, London
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die Europäische Kommission plant, Positionen, die Händler an außerbörslichen Terminmärkten einnehmen, zu begrenzen. Ähnliche Vorschläge gibt es bereits in den Vereinigten Staaten. Da amerikanische und europäische Regulierer einen einheitlichen Ansatz durchsetzen wollen, erwägt die Kommission ebenfalls Beschränkungen im außerbörslichen Handel mit Derivaten.

Angesichts massiver Spekulationen an den außerbörslichen Terminmärkten und des Risikos, dem Marktteilnehmer bei Zahlungsunfähigkeit ihrer Vertragspartner ausgesetzt sind, wollen Regulierungsbehörden diesen Handel standardisieren, über Clearinghäuser schleusen, möglicherweise auf Börsen verlagern und das Ausmaß der Spekulation begrenzen.

Industrie fürchtet um Absicherungsgeschäfte

Industrieunternehmen indessen fürchten, dass eine zu strenge Standardisierung und Beschränkung des außerbörslichen Handels mit Derivaten ihre Möglichkeit beschränkt, Risiken aus ihrem operativen Geschäft exakt abzusichern. Dies ist allerdings notwendig, wollen die Unternehmen buchhalterische Vorschriften zu Absicherungsgeschäften einhalten.

Industrieunternehmen kämpfen daher gegen Vorschriften, die mit Blick auf das Verhalten von Spekulanten formuliert werden, jedoch auch die Industrie treffen. Die Industrie fürchtet auch, dass Handel, der über Clearinghäuser oder gar Börsen geschleust wird, mit Sicherheiten unterfüttert werden muss. Dies würde die Liquidität von Industrieunternehmen zusätzlich belasten.

Ölpreis steigt gegen den Markt

Wie stark jedoch Spekulationsgeschäfte die Terminmärkte wieder anheizen, zeigt die Entwicklung an den Rohstoffmärkten, vor allem dem Ölmarkt. Zwar haben die stetige Abwertung des Dollar und die Aussicht auf eine volkswirtschaftliche Erholung der Weltkonjunktur entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Notierungen seit dem Höhepunkt der Finanzkrise wieder erholt haben. Aber auch die spekulativen Positionen sind wieder extrem hoch.

Zu Wochenbeginn brach der Ölpreis aus seiner Pendelbewegung um 75 Dollar je Barrel aus und stieg während des Handels auf mehr als 80 Dollar. Der Ölpreis hat damit in diesem Jahr um 78 Prozent zugelegt. Der Generalsekretär der Vereinigung Öl exportierender Länder (Opec), Abdalla El-Badri, warnte am Dienstag in London, ein Ölpreis von mehr als 80 Dollar schade der Weltwirtschaft.

Er erwarte nicht, dass der Preis 100 Dollar erreiche, weil es keinen Mangel an Angebot gebe. Im Gegenteil: die 125 Millionen Barrel Rohöl, die derzeit in Tankern lagerten, seien für die Opec ein Grund zur Sorge. Erst wenn diese Vorratshaltung abgebaut sei, zeige sich, dass die Nachfrage nach Öl wirklich gestiegen sei. Erst dann könne die Opec über Produktionsausweitungen nachdenken. Meldungen eines angeblich bevorstehenden harten Winters in den Vereinigten Staaten beunruhigen den Markt derzeit nicht. Im langjährigen Vergleich sind die amerikanischen Lagervorräte von Rohöl und Ölprodukten auf hohem Niveau.

Spekulation erreicht neue Höhen

Die spekulativen Netto-Longpositionen, also Handelspositionen von Marktteilnehmern, die angesichts des schwachen Dollar und der Konjunkturerholung auf einen weiter steigenden Ölpreis setzen, sind in der Woche vom 13. Oktober um 19.000 auf 68.836 Kontrakte gestiegen. Dies ist der höchste Stand seit neun Monaten. Die Commerzbank vermutet, dass diese Longpositionen angesichts des immer höheren Ölpreises nun einen sogar noch größeren Umfang erreicht haben.

Ähnliches ist am Goldmarkt zu beobachten, wo die Netto-Longpositionen vergangene Woche nach Angaben der Commodity Futures Trading Commission auf einen Rekordwert von 253.955 Kontrakten gestiegen sind, die spekulativen Short-Positionen aber auch zulegen. Der Goldpreis hatte vor wenigen Tagen mit 1071 Dollar je Feinunze einen Rekordwert erreicht.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wirtschaftskorrespondentin in London.

Jüngste Beiträge

  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach