01.02.2010 · Das Geschäft mit sogenannten ETCs, die Privatanleger den Einstieg in Rohstoffinvestments erleichtern sollen, boomt. Die Finanzintrumente konnten von hohen Rohstoffpreisen profitieren. Doch die besten Zeiten könnten vorbei sein.
Wer als Kleinanleger den Mut aufbrachte, in Zucker zu investieren, konnte in den vergangenen 12 Monaten konnten mehr als 70 Prozent Gewinn verbuchen, wenn er mit Wertpapieren auf steigende Zuckerpreise spekuliert hatten, mit börsengehandelten Rohstoffpapieren.
Diese ETCs, „Exchanged Traded Commodities“, hat die Anlagebranche eigens für Investments in Rohstoffe entwickelt. Mit ihnen können sich Anleger im übertragenen Sinn nicht nur Zucker ins Depot holen, sondern auch Weizen, Soja, Mais, Kupfer, Platin oder Gold.
Selten physisch unterlegt
ETCs funktionieren ähnlich wie die bekannteren Indexfonds: ETFs, also „Exchange Traded Funds“. Genau wie diese bilden sie in der Regel den Verlauf von Indizes ab, in diesem Fall von Rohstoffindizes wie dem Dow Jones-UBS Sugar Sub-Index. In diesen enthalten sind börsengehandelten Rohstoff-Terminkontrakte. Die ETCs entsprechen damit der kontinuierlichen Anlage in Rohstoff-Terminkontrakten.
Ähnlich denjenigen ETFs auf Aktien, die nicht in die Aktien investieren, sondern die Wertentwicklung durch die Anlage in „übertragbare Wertpapiere“ und den Einsatz von Derivativen simulieren.
Eine Ausnahme sind physische ETCs, die in der Regel auch als solche gekennzeichnet sind und die durch physisches Metall gedeckt sind, so dass die Anleger sogar nachlesen können, in welchen Barren sie investiert sind.
Hohe Gewinne, hohe Verluste
ETCs sind aber nicht einfach ETFs für Rohstoffe. Für Anleger gibt es einen entscheidenden Unterschied: Wenn der Herausgeber der Papiere, der Emittent, pleite geht, dann ist das Vermögen des Anlegers bei einem ETF vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters geschützt. Es zählt wie ein Fonds als geschütztes Sondervermögen. Bei ETCs dagegen gilt das nicht. Sie zählen als Inhaberschuldverschreibungen.
„Größer als das Emittentenrisiko aber ist das Risiko für Privatanleger bei den ETCs durch die starken Kursschwankungen“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Sie können deutlich extremer sein als bei Aktien. Von einem „stark spekulativen Element“ spricht auch Frank Naab vom Bankhaus Metzler.
Wer im vergangenen Februar etwa zu physischem Palladium griff, der hat seinen Einsatz mittlerweile verdoppeln können. Wer indes an Erdgas glaubte, hat rund die Hälfte verloren. Wer noch mutiger war und sich an gehebelte ETCs traute, der konnte mit einem Kupfer-ETC mehr als das Dreifache nach Hause tragen - wenn er nicht gleichzeitig mit Erdgas 79 oder Weizen knapp 60 Prozent verlor.
Vor allem Öl und Gold
Auf Sicht der vergangenen 12 Monate waren insgesamt vor allem diejenigen Anleger im Nachteil, die auf fallende Rohstoffpreise setzten. Wer dies bei Industriemetallen versuchte, büßte meist mehr als die Hälfte ein, bei Edlemetallen etwas weniger. Eher bescheiden nahmen sich die Gewinne aus - neben Erdgas brachte nur noch Weizen mehr als 10 Prozent Bruttorendite ein.
Wer sich dennoch nicht schrecken lässt, bekommt zusehends mehr Auswahl. Mehr als 100 werden mittlerweile an der Deutschen Börse gehandelt, größtenteils die des Platzhirsches ETFS. Viele der ETCs beziehen sich auf Rohstoffkörbe aus Energieträgern, Industriemetallen oder Getreide.
Geht man nach den durchschnittlichen Handelsvolumina der Fonds auf einzelne Rohstoffe, so sind die Vorleiben klar verteilt. Fast die Hälfte entfiel auf Rohöl, mehr als ein Drittel des Volumens auf Gold, knapp 18 Prozent auf die verbleibenden 22 Rohstoffe, von denen wiederum drei, nämlich Erdgas, Silber und Platin 80 Prozent des Volumens stellen. Lange Rede, kurzer Sinn: die übrigen Rohstoffe sind Exoten. Lebendrind, Heizöl, Zinn und Zink vereinen noch nicht einmal 1 Prozent auf sich.
Neugeschäft nimmt zu
Doch das Geschäft wächst, sind ETCs doch kostengünstig. Neuemissionen gibt es täglich. Die Deutsche Bank hat gerade angekündigt, im Frühjahr auch in das Geschäft einsteigen zu wollen. „Unsere ETCs werden zunächst Gold und Silber, Öl und Industriemetalle abbilden“, kündigte Deutsche-Bank-Manager Thorsten Michalik an. Ordern kann man diese Papiere dann ganz normal über seine Bank, in der Regel zu Kursen zwischen einem und mehr als 100 Euro.
Mehr verlieren als das eingesetzte Geld kann man nicht. „Eine wie auch immer geartete Nachschusspflicht gibt es nicht“, sagt Weinberg. Das macht die ETCs auch gegenüber den klassischen Terminkontrakten verbraucherfreundlicher und ist vielleicht ein Grund für ihren derzeitigen Erfolg.
Die besten Zeit könnte vorbei sein
Allerdings könnten die besten Zeiten für die Rohstoffpreise schon wieder vorbei sein. Die Preise der Industriemetalle setzen ihre war verliehen am Freitag besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus den USA (vor allem das BIP für das vierte Quartal) Unterstützung, diese hielt jedoch nur kurzfristig an.
Die meisten Industriemetallpreise befinden sich seit Jahresbeginn auf dem Weg nach unten. Neben dem stärkeren Dollar belasten sie die Bemühungen der chinesischen Regierung, die überhitzte lokale Wirtschaft abzukühlen. Auch die Tatsache, dass etwa die Netto-Kauf-Positionen in Kupfer nochmals leicht gestiegen sind, ist für die Analysten der Commerzbank kein beleg für eine Trendwende. Sie gehen vielmehr davon aus, dass der jüngste Kursrückgang auch durch die Glattstellung dieser Positionen ausgelöst wurde. Industriemetalle seien in einem mittelfristigen Abwärtstrend. Gold und Silber leiden unter Gewinnmitnahmen.
Lediglich bei Agrarrohstoffen könnte der Preisdruck nachlassen. Der Weizenpreis etwa befindet sich nahe eines dreijährigen Tiefs. Doch der Blick auf die längere Frist kann ins Grübeln bringen. So befindet sich der Weizenpreis noch immer über der Marke von 400 Cents, die er 2006 überwunden hatte und über der in den vergangenen 40 Jahren stets nur in Haussephasen notierte. Ähnliches gilt für Mais oder Soja.
Zwar lag die magische Marke für Weizen zwischen 1959 und Mitte der siebziger Jahre einmal bei 200 Dollar, bevor eine Aufwärtsverschiebung eintrat. Doch das Ausrufen neuer Zeitabschnitte hat sich an den Börsen selten bewährt. Wer darauf setzt, geht nicht unerhebliche Risiken ein.
Fehler bei Einheiten
Andreas Senckenberg (ase1980)
- 02.02.2010, 13:42 Uhr
Gold und Silber leiden unter Gewinnmitnahmen.
Konrad Fit (Einstein-1)
- 02.02.2010, 20:20 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |