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Rohstoffhändler : Die Pfennigfuchser aus der Schweiz

  • -Aktualisiert am

Rohstoffhändler in der Schweiz dirigieren ganze Flotten von Öltankern Bild: dapd

Von Genf und Zug aus dirigieren Unternehmen wie Gunvor, Vitol oder Glencore per Computer ganze Flotten von Öltankern über die Ozeane. Ein Einblick in die Schaltzentralen der größten Rohstoffhändler der Welt.

          Der Mittelpunkt des globalen Rohstoffhandels liegt am Boulevard du Pont d’Arve 28 in Genf. Am eher hässlichen Glasbau spiegelt sich eine hübsche Kapelle, im Parterre reiht sich ein Fitnessstudio an die „Disco Bomba Latina“, wo morgens Angestellte Säcke mit leeren Alkoholika-Flaschen hinaustragen. Die Angestellten der fünften Etage verschieben zu dieser Zeit bereits Fässer voller dickflüssigen und stinkenden Rohöls - von Usbekistan in die Türkei oder von Nigeria nach Rotterdam. Jeden Tag gehen Millionen davon im Auftrag der Händler von Vitol, dem größten privaten Ölhandelsunternehmen, um die Welt.

          Physischer Ölhandel ist optisch eine gemächliche Angelegenheit. In dem Großraumbüro hört man keine hektischen Kauf- und Verkaufsorders, keiner schießt aus dem Bürostuhl und schreit in den Telefonhörer. „So gesehen ist unser Geschäft recht langweilig“, sagt David Fransen, geschäftsführender Direktor von Vitol, und schmunzelt. Der 55 Jahre alte, schlanke große Manager kokettiert natürlich. Sein Arbeitgeber zählt zu den Unternehmen, die weltumspannende Ölströme zwischen Produzenten und Verbrauchern lenken. Vor kurzem, als es Razzien wegen einer etwaigen Manipulation des Ölpreises bei Shell, BP & Co. gab, wurden auch die Rohstoffhändler dazu befragt. Nicht ohne Grund: Immer wieder geraten sie negativ in die Schlagzeilen, weil sie UN-Sanktionen missachten und mit despotischen Staaten Geschäfte machen.

          Die klassische Arbitrage funktioniert noch immer

          Noch wichtiger jedoch: Vitol, Gunvor und Glencore sind die drei größten Ölhändler der Welt. Sie und viele weitere kleinere Konkurrenten haben sich in der Schweiz niedergelassen, weit weg von Raffinerien und Bohrinseln. Allein über Genf werde inzwischen ein Drittel des weltweiten Ölhandels abgewickelt, schätzt die französische Großbank BNP Paribas. Längst hat Genf den ewigen Rivalen London als wichtigste Drehscheibe überflügelt. Die Welt des Ölhandels ist zweigeteilt. Hier in Genf und in Zug die Händler, die echten Rohstoff kaufen und verkaufen. Und dort die Spekulanten an der New Yorker Rohstoffbörse, die mit Futures Wetten auf künftige Ölpreise abschließen. Wer wie stark den Preis beeinflusst, weiß keiner genau, auch einer wie Fransen nicht, der 25 Jahre praktische Erfahrung im Ölhandel aufweist. „Ich würde lieber auf Pferde wetten als auf den morgigen Ölpreis spekulieren“, sagt er.

          Beim 1966 in Rotterdam gegründeten Unternehmen sorgten 2011 900 Händler für einen Umsatz von 297 Milliarden Dollar. Seit 1972 ist Vitol auch in Genf vertreten. Zu Zeiten von Marc Rich, Pionier des Rohstoffhandels, Gründer von Glencore und umstrittener Geschäftsmann, der vor kurzer Zeit im Alter von 78 Jahren starb, machte derjenige das große Geschäft, der es schaffte, einen neuen Markt zu kreieren, also vor allen anderen zu wissen, welche Rohstoffe in naher Zukunft besonders stark gefragt sein würden. Heute profitieren die Händler von Preisunterschieden zwischen verschiedenen Regionen, Sorten oder Qualitäten einzelner Rohstoffe. Welcher Rohstoff ist wann wo günstig zu bekommen? Was wird wann besonders stark nachgefragt?

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