17.08.2007 · Die Weizenpreise erreichen immer neue Hochs. Dies führt aller Welt vor Augen, dass dieses wichtigste Nahrungsgetreide knapper zu werden droht. Händler blicken jetzt verstärkt auf die neuen Ernten auf der südlichen Halbkugel.
Die Weizenpreise erreichen besonders an den amerikanischen Märkten in kurzen Abständen immer neue, seit elf Jahren nicht mehr verzeichnete zyklische Hochs. Dies führt aller Welt vor Augen, dass dieses wichtigste Nahrungsgetreide knapp ist und noch knapper zu werden droht. Der Umstand, dass die Knappheit nun in die Schlagzeilen gelangt und damit einer breiten Öffentlichkeit bewusst wird, steigert zwangsläufig das spekulative Interesse. Noch lassen die geordnet, wenn auch unter zunehmenden Schwankungen verlaufenden Preissteigerungen vermuten, dass die spekulative Kaufbereitschaft nicht überhandgenommen hat, doch argwöhnen vor allem technisch orientierte Analysten, dass die Phase noch bevorsteht.
Auch fundamental orientierte Analysten erwarten steigende Preise. Sie weisen darauf hin, dass die vor elf Jahren verzeichneten Rekordpreise von rund 7,20 Dollar je Bushel (27,2 Kilogramm) in einer statistischen Lage entstanden sind, die weit weniger angespannt war als die gegenwärtige. Damit bestehe noch Raum für weitere Preissteigerungen, die exponentiell verlaufen könnten, wenn eine verknappungsbedingte Kaufpanik aufkommen sollte, heißt es. Als besonders anfällig für dieses Phänomen gilt der Markt in Kansas City, wo Winterweizen gehandelt wird. Er macht gewöhnlich zwei Drittel bis drei Viertel der gesamten amerikanischen Weizenernte eines Jahres aus und ist ein begehrter Exportartikel.
Maispreise sinken
Auch die Preisentwicklung bei Mais wird unverändert aufmerksam verfolgt. Hier sind die Notierungen in Chikago seit Ende Februar in zwei Phasen von jahrelang nicht verzeichneten Höchstständen aus stark gesunken. Als Gründe werden eine spektakulär ausgeweitete Anbaufläche in Amerika und ein fast idealer Verlauf der Bestäubungsphase dort genannt. Das Land ist ein bedeutender Produzent und Exporteur von Mais. Das Futtergetreide konkurriert mit Futterweizen, wenn die Preisdifferenzen gering sind. Letzterer ist 2007/08 (Juli/Juni) auf dem Weltmarkt wegen allgemeiner Knappheit nur begrenzt vorhanden, während das Angebot an Mais in der nahenden neuen Saison 2007/08 (Oktober/September) dank der stark steigenden amerikanischen Ernte hoch ausfallen dürfte. Der Wettbewerb zwischen dem Nahrungs- und dem Futtergetreide wird von daher bis weit ins nächste Jahr hinein mild bleiben.
Die jüngsten statistischen Angaben zur Lage am Weltmarkt für Weizen hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) am 10. August vorgelegt. Die Weltproduktion soll 2007/08 gegenüber der vergangenen Saison von 592,98 Millionen Tonnen auf 610,4 Millionen Tonnen steigen. Der Weltverbrauch wächst nach den Erkenntnissen des Ministeriums hingegen von 617,3 Millionen auf 620,5 Millionen Tonnen, von denen 120,7 Millionen Tonnen auf Futterweizen entfallen. Das USDA errechnet aus diesen Zahlen für 2007/08 einen Rückgang des Weltvorrats an Weizen von 124,9 Millionen auf 114,8 Millionen Tonnen. Die Menge gilt im Verhältnis zum Verbrauch als kritisch gering.
Reismarkt angespannt
Angespannt ist auch die Lage am Markt für Reis, denn auch er konkurriert besonders in Asien zunehmend mit Weizen. Hier erwartet das amerikanische Landwirtschaftsministerium 2007/08 eine Weltproduktion von 421,2 Millionen Tonnen (Basis Mühlenreis), verglichen mit 418,1 Millionen Tonnen in der vergangenen Saison. Der Reisverbrauch soll von 418,2 Millionen auf 424,8 Millionen Tonnen steigen. Das Ministerium sagt für die laufende Saison einen Rückgang des Weltvorrats von 77,4 Millionen Tonnen auf 73,8 Millionen Tonnen voraus. Auch ergibt sich im Verhältnis zum Verbrauch eine extrem angespannte Situation.
Mit Blick auf Weizen gilt die Aufmerksamkeit jetzt verstärkt den neuen Ernten 2007/08 auf der südlichen Halbkugel. Hier stehen Australien und Argentinien im Mittelpunkt. Gerade wurde aus Australien berichtet, dass die Produktion dort wegen ungünstiger Wuchsbedingungen hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben wird. Auch in Argentinien dürfte die Ernte geringer ausfallen als 2006/07.
Unterdessen beginnen die Farmer im amerikanischen Südwesten mit den Vorbereitungen für den Anbau des neuen Winterweizens, der von der zweiten Maihälfte des nächsten Jahres an eingebracht wird. Die in Kansas City derzeit zu erzielenden Preise sind so hoch, dass die Produzenten wohl trotz stark gestiegener Kosten die gesamte verfügbare Fläche mit dem Getreide bebauen. Dies gilt auch in anderen Erzeugerländern von Winterweizen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre bleibt jedoch offen, ob die Produktionssteigerungen 2008/09 ausreichen werden, um wieder einen hohen Überschuss und damit einen Wiederaufbau der extrem niedrigen Vorräte zu gewährleisten.
weizenpreis
Peter Felten (moviegoer)
- 17.08.2007, 20:07 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |