26.05.2006 · Der Weizenpreis hat in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Hintergrund sind „Wetterbedenken“. Mittelfristig dürften aber auch abnehmende Reserven eine Rolle spielen können.
Die Rohstoffpreise sorgten in den vergangenen Monaten aufgrund der hohen Preisdynamik für Furore. Aufgrund der Berichterstattung und der in einer Vielzahl neu auf den Markt gekommenen Anlage- und Spekulationsprodukte sind die Erwartungen der Anleger an die weitere Entwicklung hoch.
Aus diesem Grund dürfte es ratsam sein, die Situation kritisch zu betrachten. Denn in manchem Bereichen - beispielsweise bei den Edelmetallen - hat nicht unbedingt die fundamentale denn die spekulative Nachfrage für steigende Preise gesorgt. Hier dürfte die weitere Entwicklung in erster Linie davon abhängen, ob noch mehr Gelder in den Markt fließen oder nicht.
Weizenpreis geht real seit Jahrzehnten zurück
Auf der anderen Seite gibt es Rohstoffe wie Kupfer, Nickel oder auch Zink, bei denen die Nachfrage tatsächlich auf ein relativ knappes und zumindest kurzfristig unelastisches Angebot zu treffen scheint. Mittel- und langfristig dürfte sich diese Situation aufgrund eines zunehmenden Angebots und von Substitutionseffekten entspannen.
Etwas anderes sind die so genannten „Soft-Commodities“, also die Agrarrohstoffe. Dort nimmt die Nachfrage aufgrund einer wachsenden Weltbevölkerung und zunehmendem Wohlstand und der sich damit verändernden Verbrauchsgewohnheiten zu. Sie kann im Prinzip mit einer Veränderung der Anbauflächen und neuer Technologien - sprich neue Sorten, verbesserte Anbautechniken et cetera - befriedigt werden. Es sei denn, es wird aufgrund zu schlechter Preise zu wenig investiert. Ähnlich wie bei den irdenen Rohstoffen scheint das bei manchen Agrargütern in den vergangenen Jahren der Fall gewesen zu sein.
Das dürfte kaum verwundern. Denn der Weizenpreis tendiert zumindest real betrachtet schon seit Jahrzehnten nach unten. Das heißt, die Weizenanbauer befinden sich in einem deflationären Umfeld und können diese Entwicklung nur durch eine steigende Produktivität kompensieren. Das heißt, sie müssen immer größere Flächen mit immer weniger Aufwand pro geernteter Einheit bestellen und ernten. Dazu kommen in diesem Bereich zusätzliche Faktoren, die die Preisentwicklung beeinflussen können zum Beispiel das Wetter.
So hat der Weizenpreis in den vergangenen Monaten deutlich angezogen, da der Markt eine Minderernte in den amerikanischen Bundesstaaten Kansas bis Montana aufgrund zu trockenen Wetters befürchtete. Kostete das Bushel Weizen an der Terminbörse in Chicago im November des vergangenen Jahres noch 297 Cents, so war es zu Beginn der Woche 426 Cents oder etwa 44 Prozent mehr wert. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, da die Vereinigten Staaten hinter China und Indien die drittgrößten Weizenanbauer und der größte Exporteur weltweit sind.
Welt-Lagerbestände nehmen im Trend ab
Die Winterweizenernte werde um zwölf Prozent auf 1,32 Milliarden Bushel fallen, prognostizierte die amerikanische Landwirtschaftsbehörde Mitte Mai. Die Reserven würden im kommenden Jahr um 18 Prozent auf 447 Millionen Bushel zurückgehen, hieß es weiter. Das ist der tiefste Stand seit dem Jahr 1997.
Mag das noch nicht kritisch genug sein, so kann ein Blick auf den Weltmarkt zu denken geben. Denn nach der am Donnerstag publizierten Prognose des International Grains Councils wird die Weltweizenproduktion im Jahr 2006 mit 601 Millionen Tonnen 2,6 Prozent unter der des Vorjahres liegen. Die Nachfrage dagegen dürfte sich auf 612 Millionen Tonnen belaufen.
Das heißt, die Lagerbestände würden um 12 Millionen Tonnen auf 118 Millionen Tonnen fallen. Das wäreder tiefste Stand seit den Jahren 1981/82. Die Lagerbestände lägen damit bei 19 Prozent der Weltnachfrage. Sollten die Reserven in den kommenden Jahren weiter abnehmen, dürften steigende Weizenpreise bei Wetterkapriolen oder sonstigen Turbulenzen kaum überraschen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |