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Rohstoffe Wasser als Investment der Zukunft

24.04.2009 ·  Im Zuge der weltweit steigenden Wasserpreise entwickeln Unternehmen Wege, Wasser zu sparen, zu reinigen und seinen Verbrauch zu messen. In diese vielversprechenden Lösungen können auch Anleger investieren.

Von David Bogoslaw
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Seit fast vierzig Jahren wird jährlich der Tag der Erde gefeiert, und inzwischen scheint es ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen zu sein, dass Wasser zu den Dingen auf unserem Planeten gehört, denen unsere vorrangige Aufmerksamkeit gelten muss. Denn es wird zunehmend deutlicher, dass diese Ressource, für die es keinen Ersatz gibt, sich zum begehrtesten Rohstoff des 21. Jahrhunderts entwickeln könnte - ähnlich, wie Öl es für den größten Teil des vergangenen Jahrhunderts war.

Der höhere Wert, der dem Wasser zugeschrieben wird, hat weniger mit Erschöpfung und Knappheit als vielmehr mit Kosten zu tun. Zwar gibt es heute so viel Wasser auf unserem Planeten wie eh und je, doch preiswertes Wasser ist knapp. „Alle leicht anzuzapfenden Quellen sind bereits angezapft“, sei es durch das Aufstauen von Flüssen und andere Methoden, berichtet Neil Berlant, Konsortialführer des PFW Water Fund, des einzigen offenen Investmentfonds, der ausschließlich wasserbezogene Wertpapiere im Bestand hat. Übrig bleiben teurere Wasserquellen - Ozeane, Grundwasser und aufbereitetes Abwasser -, die entweder Entsalzung, chemische Desinfektion oder andere Prozesse erfordern, um aus Wasser Trinkwasser zu machen.

Es gibt jede Menge Technologien für die Reinigung von Wasser, um die zunehmend strengeren öffentlichen Sicherheitsstandards zu erfüllen. Aber die Verbraucher werden sich daran gewöhnen müssen, höhere Preise an die örtlichen Wasserversorger zu zahlen, um die notwendige Aufbereitung zu finanzieren. Die Menschen in den Entwicklungsländern haben aus Kostengründen seit langem nur begrenzten Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die Privatisierungswelle rollt

Berlant sagt voraus, dass die Wasserpreise in den USA sich in den kommenden Jahren verdoppeln oder verdreifachen werden - auch wenn das nicht so furchterregend ist, wie es sich anhört, weil sich die Erhöhung von einem recht niedrigen Niveau aus vollzieht. Er erwartet, dass die höheren Kosten eine Welle von Geschäftsmöglichkeiten auslösen werden, weil die Menschen Produkte und Dienstleistungen kaufen werden, um die Wasserqualität zu erhöhen. Verstärkt wird dies, so Berlant, durch den Bedarf an Wasser mit viel höherer Reinheit als in der Vergangenheit für empfindliche Fertigungsprozesse wie die Produktion von Halbleitern, deren optimale Leistung von reineren Chips abhängt.

Ein weiterer Trend beim Wasser rund um den Globus ist eine Entwicklung hin zur Privatisierung örtlicher Wasserversorger, da die Kosten des Ausbesserns der Infrastruktur und des Bereitstellens von sauberem Wasser die Finanzkraft der meisten Kommunen übersteigen. Von den fast 60.000 örtlichen Wasserversorgern in den USA beliefert die übergroße Mehrheit weniger als 3.000 Menschen, und nur 15 Prozent gehören Investoren. Ausländische Unternehmen wie beispielsweise Suez Environnement und Veolia Environnement haben über ihre Heimatgebiete hinaus expandiert, um öffentliche Wasserversorger in den USA und in den Entwicklungsländern dieser Welt aufzukaufen.

Der lang anhaltende Abschwung im US-amerikanischen Immobilienmarkt führt in vielen Teilen des Landes zu einem Wegbrechen der Steuerbasis. Das hat wahrscheinlich eine Beschleunigung des Privatisierungsprozesses zur Folge, meint Judd Hill, Managing Partner der in Washington ansässigen Summit Global Management, die sich mit neuen Investitionsideen in der Wasserbranche beschäftigt.

Der Gedanke an das Investieren in private Wasserversorgungsunternehmen wird mit Sicherheit einiges Unbehagen, wenn nicht gar Aufruhr, unter sozial verantwortungsbewusst denkenden Investoren auslösen, die nicht nur die Rendite auf ihr investiertes Kapital im Auge haben, sondern auch die Auswirkungen von Managementpraktiken auf die Beschäftigten und Kunden eines Unternehmens. In Ländern wie Uruguay hat sich bereits eine Gegenbewegung zur Privatisierung gebildet. Dort haben aufgebrachte Massen eine Suez-Tochter zur Aufgabe gezwungen, weil sie nicht die vertraglich vereinbarten Leistungen erbrachte und sich weigerte, Menschen zu beliefern, die sich keine Wasseranschlüsse leisten konnten. Der Druck, den Zugang zu Wasser zu einem Menschenrecht zu erklären, wird sich jetzt wahrscheinlich erhöhen, da der kanadische Wasseraktivist Maude Barlow zum ersten Wasserberater der Vereinten Nationen ernannt wurde.

Auf der Suche nach spezialisierten Wasserunternehmen

Ungeachtet dessen wird in zunehmendem Maße die Notwendigkeit weiterer marktorientierter Lösungen anerkannt, weil die Menschen erst dann genügend motiviert sein werden, mit Wasser effizienter umzugehen, wenn sie mehr dafür bezahlen müssen.

Die Wasserbranche erfährt derzeit eine Umbruchphase, aus der eine klarer definierte Struktur hervorgehen wird. Diese Struktur wird das Entstehen von Ein-Segment-Unternehmen ermöglichen, die sich ausschließlich der Lösung von Wasserproblemen verschreiben, meint Steve Hoffmann, Analyst für die Palisades Water-Indizes und Autor eines neuen Buches: „Planet Water: Investing in the World's Most Valuable Resource“. Bis dahin müssen die Investoren entscheiden, ob große Konglomerate, neben all ihren anderen Geschäftsfeldern, genügend mit Wasser zu tun haben, um eine Investition in sie zu rechtfertigen, so Hoffmann. Trotz ihres Zugewinns an Wasseraufbereitungs-Knowhow in den vergangenen Jahren schließt Hoffmann General Electric, Dow Chemical und ähnliche Unternehmen aus den Palisades-Indizes, an deren Schaffung er mitgewirkt hat, aus, weil ihr Wasser-Engagement einen zu geringen Teil ihrer Gesamttätigkeit ausmacht.

Zwar ist die Branche derzeit extrem zersplittert. Doch die Zahl der Unternehmen, unter denen die Investoren wählen können, wird im Lauf der Zeit mit Sicherheit steigen, da Fusionen und Übernahmen stattfinden werden, meint Hoffmann. „Die Nachfrage der Kunden nach kosteneffektiven Gesamtlösungen wird eine zersplitterte Branchenstruktur vermeiden helfen“, schreibt er in seinem Buch.

Er ist überzeugt, dass Unternehmen, die sich auf Instrumentierung, Überwachung der Einhaltung der regulatorischen Bestimmungen, Membranenfertigung, Pumpen und Umweltsanierung spezialisieren, in den kommenden Jahren die Kandidaten für Konsolidierungsmaßnahmen sein werden.

Einige Städte brauchen immer noch Wasserzähler

Angesichts der Knappheit von preiswertem Wasser sind Unternehmen, die sich auf die Einsparung von Wasser konzentrieren, das logische Anfangsziel für Investoren. Da die Bewässerung den größten Teil des sauberen Wassers unseres Planeten in Anspruch nimmt, sind Lindsay und Valmont Industries Hauptbestandteile von Berlants Fonds und der börsennotierten PowerShares-Fonds, welche die Palisades-Indizes lizenzieren und beobachten. Lindsay und Valmont sind die führenden Hersteller von effizienterer Bewässerungstechnik. Sie kontrollieren mehr als zwei Drittel des US-Marktes.

Das Zählen ist ein weiterer maßgeblicher Weg zur Senkung des Wasserverbrauchs. Nach wie vor sind einige Städte nur zum Teil mit Zählern ausgerüstet. Hoffmann empfiehlt Wasserzählerhersteller wie zum Beispiel Badger Meter und Zählerserviceanbieter wie zum Beispiel Itron für Szenarien, die sich auf den Nutzen direkter Einsparungen stützen.

Der zunehmende Bedarf an Entsalzung macht Consolidated Water zu einem guten Anlageziel, meint Berlant. Das Unternehmen reinigt Meerwasser zur Deckung des gesamten Wasserverbrauchs einer Anzahl karibischer Inseln und weitet seinen Kundenstamm kontinuierlich aus, erklärt er. Ihm gefällt auch Energy Recovery, deren gesamtes Geschäft sich auf die Herstellung von Ausrüstung konzentriert, die den Energieverbrauch in Entsalzungsanlagen drastisch senkt.

Auch die Verbrauchernachfrage nach in Privathaushalten gefiltertem Wasser nimmt zu. Hier befindet sich Calgon Carbon in einer einmalig vorteilhaften Position. Calgon ist ein führender Anbieter von Aktivkohle, dem einzigen Element, das zur Wasseraufbereitung in Filtern für Spülbeckenabflüsse und in Eismaschinen von Kühlschränken sowie in großen Wasseraufbereitungswerken verwendet wird.

Szenarien auf der Grundlage von Entwicklung und Beratung

Ein geschätzter Bedarf von bis zu 1 Billion Dollar an Infrastrukturreparaturen in den USA über die nächsten 20 Jahre nach Jahrzehnten der Vernachlässigung machen Mueller Water Products zu einer guten Investition, meint Berlant. Mueller verkauft verschiedene Komponenten von Wasserhydranten über Zähler bis hin zu Rohren. Von der Notwendigkeit des Austauschens alter und undichter Rohre werden auch Northwest Pipe und Ameron International profitieren. Ausschließlich auf den Pink Sheets handelt derzeit Geospatial Holdings, ein kleines Unternehmen aus Pittsburgh, das die Wi-Fi-Technologie zur Kartografierung der Verlegung von Rohren nutzt, damit die örtlichen Wasserversorgungsunternehmen sie finden können, um Reparaturen an ihnen auszuführen. Hill von Summit vergleicht den Service mit unterirdischen Google-Landkarten.

Hinter den meisten Hochtechnologie-Optionen, die für die Behandlung - und in einigen Fällen Rückgewinnung - von Abwasser entwickelt werden, stehen strengere und erweiterte Vorschriften der US-amerikanischen Environmental Protection Agency. Hoffmann glaubt, dass zu den besten Kandidaten für Investoren einige der Entwicklungs- und Beratungsunternehmen gehören, die bereits gut im Wassersanierungsgeschäft etabliert sind. „Sie kümmern sich um das Management von Wasser in einer sehr umfassenden, integrierten Weise und stehen an vorderster Front wissensspezifischer Anwendungen, wie den Vorschriften für Wassereinzugsgebiete“, erklärt er.

Einige dieser Unternehmen hat er in die Palisades-Indizes aufgenommen, darunter Aecom Technology und das kanadische Unternehmen Stantec, die sich beide auf den Einsatz von Biomembranreaktoren zum Beseitigen verschmutzender Nährstoffe spezialisiert haben. Tetra Tech gefällt ihm ebenfalls, weil es der gleichen integrierten Herangehensweise an das Abwassermanagement folgt.

Eines der vordringlichsten Umweltprobleme betrifft Farmabflüsse von Regenwasser, das mit Stickstoff und anderen Bestandteilen chemischer Dünger belastet ist, sowie städtische Abflüsse von Wasser voller Öl und anderen Verschmutzungsstoffen, das von verschmutzten Straßen und Parkplätzen fortgespült wird. Übermäßige Abflüsse, die nicht zurück ins Grundwasser fließen können, enden in den nächstgelegenen Flüssen, Seen und im Meer, was zu überhöhter Vermehrung von Algen und anderem pflanzlichem Leben führt, das beim Absterben Sauerstoff aufbraucht, wodurch sogenannte tote Zonen entstehen, die Verschmutzungsstoffe nicht mehr neutralisieren können.

Das Artemis Projekt

Ein Füllhorn kreativer Lösungen hat sich in Reaktion auf dieses Problem aufgetan - von Regengärten auf Hausdächern über durchlässigen Asphalt bis hin zu unterirdischen Zellen, in denen sich Baumwurzeln vollständig ausbilden können, um dadurch mehr Regenwasser aufzunehmen. Die meisten dieser Lösungen befinden sich aber im Frühstadium der Entwicklung und stehen für Investitionen noch nicht zur Verfügung.

Das Artemis Projekt, eine Beratungsfirma aus San Diego, die sich auf die Wasserbranche konzentriert, will Private-Equity-Investoren stärker auf die Chancen neuer Technologien aufmerksam machen, die die Lösung komplexer Wasserprobleme zum Ziel haben. In dieser Woche startete Artemis einen jährlichen Wettbewerb, bei dem Preise an Unternehmen vergeben werden, denen das meiste Investitionspotenzial zugesprochen wird. Das beste Urteil ging diesmal an die in Scottsdale ansässige Firma AbTech Industries, ein Privatunternehmen, das einen relativ wenig technologischen Aufwand verkörpernden, intelligenten Schwamm herstellt, der Öl und Fett aus Ablaufwasser entfernt, bevor es große Gewässer schädigen kann.

Zu weiteren Unternehmen, die - von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet - innovative Technologien hervorbringen, gehört die Firma BPL Global, die mittels intelligenter Sensoren elektronische Geräte vernetzt, die den Kohlenstoff- und Wasserverbrauch einer Kommune messen können und ein besseres Management sowohl der Wasserströme als auch des Energieverbrauchs ermöglichen, erklärt Hill von Summit.

Wenn man die 120 internationalen Unternehmen, die laut Befund des Artemis Project als vielversprechende Anbieter von Lösungen für die Wasserproblematik gelten, als ein Omen interpretieren darf, so dürfte die Zahl der Innovationen und Investitionsmöglichkeiten auf viele Jahre hinaus in dem Maße zunehmen, wie die Wassersorgen unseres Planeten stärker ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gebracht werden.

David Bogoslaw ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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