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Rohstoffe Uran-Zertifikate könnten Kursschwung aufnehmen

16.08.2010 ·  Der Uranpreis hat sich zuletzt etwas befestigt und macht nach längerer Talfahrt Anstalten, einen Boden auszubilden. Davon könnten auch Uran-Zertifikate profitieren. Jedermanns Sache dürfte die Produkte aber trotzdem nicht sein.

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Nach einem rasanten Preisanstieg von Mitte 2000 bis Mitte 2007 ging es anschließend mit Verlusten von fast 70 Prozent drastisch abwärts mit den Preisen. Dabei wurden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuss erwischt, weil sie zumeist mit noch weiter steigenden Notierungen gerechnet hatten. Zum Ausdruck kam diese Zuversicht auch in einigen Uran-Zertifikaten, die in dieser Phase auf den Markt kamen.

Doch nachdem es in Sachen Uran als Anlageoption zuletzt wieder ruhiger geworden ist, könnten diese Titel jetzt langsam Fahrt aufnehmen. Zumindest sieht der Uran-Chart danach aus, als ob der Preisverfall ausgestanden sein und es demnächst wieder aufwärts gehen könnte. Zumindest arbeitet die Notiz seit Notiz seit geraumer Zeit an einer Bodenbildung. Und diese könnte demnächst abgeschlossen werden. Der Preis hat jüngst jedenfalls schon von gut 40 auf 46,50 Dollar je Pfund angezogen und davon profitierten auch die Uranaktien, die in einigen Zertifikaten die Bausteine bilden.

Nachfrage zieht deutlich an …

Gestützt wurde die Preisfindung dabei von den erneuten Ankündigungen Chinas und Indiens, die eigenen Uranvorräte in den kommenden Jahren massiv ausbauen zu wollen. Laut Schätzungen wird alleine das Reich der Mitte im laufenden Jahr bis zu 5.000 Tonnen Uran kaufen, was etwa dem Doppelten des jährlichen Verbrauchs im Lande entspricht. Hintergrund ist die erwartete Verneunfachung der Stromproduktion mit Atomkraft auf 85 Gigawatt. Jeder neue Reaktor muss zunächst mit etwa 400 Tonnen Uran als Erstbestückung ausgerüstet werden. Außerdem liegt in China und Indien der Anteil der Nuklearstromproduktion am gesamten Stromangebot erst bei jeweils etwa zwei Prozent. Somit besteht Nachholbedarf, beträgt der Schnitt im weltweiten Vergleich doch gut 15 Prozent.

Aber nicht nur China und Indien sind dabei, ihre Kapazitäten auszubauen. Vielmehr sind nach Angaben des Branchenverbands World Nuclear Association neben den weltweit in Betrieb befindlichen 438 Atomkraftwerken 52 derzeit im Bau, 143 in Genehmigungsverfahren und weitere 344 sind geplant. Das Researchhaus Global Business Investor rechnet auch deshalb damit, dass sich der Uranverbrauch bis 2020 gegenüber 2009 auf rund 42 Milliarden Dollar verdoppeln wird.

Vor diesem Hintergrund rechnen die Experten von RBC Capital Markets am Uranmarkt im kommenden Jahr mit einem Preisanstieg von knapp einem Drittel, was dem stärksten Plus seit 2006 entsprechen würde. Beim Daiwa Institute of Research in Hongkong sieht man den Durchschnittspreis im kommenden Jahr bei 55 Dollar je Pound. Und bei der australischen Macquarie Bank erwartet man 2010 einen Uranpreis von 56,25 Dollar, der in fünf Jahren auf 60 Dollar ansteigen werde.

… aber auch das Angebot wurde ausgebaut

Trotz dieser Zuversicht der Analysten und den genannten Argumenten für steigende Preise bleibt abzuwarten, ob es nun tatsächlich wieder schnurstracks nach oben gehen wird. Denn es gibt auch Faktoren, die eher weiteren Preisdruck sprechen. So ist auch das Angebot deutlich gestiegen, nachdem in den vergangenen zehn Jahren mindestens 27 Uranminen in neun Ländern die Förderung neu aufgenommen und damit 65 Millionen Pound Uran pro Jahr zusätzlich auf den Markt kamen. Weitere sechs Minen sollen im laufenden Jahr noch die Produktion aufnehmen. Die Internationale Atomenergiebehörde behauptet jedenfalls, die weltweite Versorgung der Kernkraftwerke mit
Uran sei für mindestens 100 Jahre gesichert. Und bei der Entwicklung neuer Technologien bei
Reaktoren und Brennstoffkreisläufen könnten die Vorräte sogar für Tausende Jahre reichen. Zudem könnte es auch noch große, bisher nicht bekannte Uranvorkommen geben.

Doch im Tauziehen zwischen den Bullen und den Bären deutet der Chart an, dass demnächst erst wieder einmal die Bullen die Hörner vorne haben könnten. Gegen weiter fallende Preise sprechen auch die Produktionskosten von bis zu 40 Dollar pro Pfund. Sollten die Preise tatsächlich anziehen, dürften davon vor allem jene Zertifikate profitieren, die sich aus Uranaktien zusammensetzen.

Uran-Investments nicht überall gerne gesehen

Ein Uran-Index, der vom Zertifikate-Spezialisten Scope-Analysis gute vier Sterne verliehen bekommen hat, ist der DAXglobal Nuclear Energy Index. Doch auf diese Benchmark sind noch keine Indexprodukte handelbar. Der einzige ETF (Isin DE000A0Q8M37) in diesem Bereich bezieht sich laut Scope auf den Nuclear Energy Index der World Nuclear Association und kommt von ETF Securities. Mit aktuell 66 Werten ist dieses Barometer breiter aufgestellt als der DAXglobal-Index. Die Überprüfung erfolgt vierteljährlich.

Weitere Uran-Zertifikate, die jeweils auf einen Korb von Aktien aus dem Bereich Kernenergie basieren, sind beispielsweise das Goldman Sachs Open End Partizipationszertifikat auf den S&P Global Nuclear Energy TR Index (ISIN: DE000GS0RNU6) oder das Société Générale Open End Index-Zertifikat auf den Urax (Isin DE000SG0URX5). Aber auch wenn der Uranchart bei diesen Produkte derzeit steigende Kurse verspricht, dürfte ein Investment nicht nach dem Geschmack aller Investoren sein. Schließlich hat Atomkraft und damit indirekt auch Uran gerade in Deutschland nicht gerade den besten Ruf.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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