09.10.2009 · Die Öllager sind gut gefüllt, die Preise müssten sinken. Spekulanten halten die Preise hoch. Verbraucher müssen dennoch keine Rally fürchten.
Von Tim HöfinghoffDer Preis für Heizöl hat in den vergangenen Wochen trotz eines hohen Angebots zugelegt. Zu den Tiefständen im März kostete Heizöl 45 Euro je 100 Liter (für eine 3000-Liter-Lieferung). Nun kostet Heizöl je nach Stadt bis zu 58 Euro. Branchenkenner sind verwundert über die Preisentwicklung: "Der Heizölpreis sollte eigentlich fallen", sagt Heiko Harlapp vom Internetportal Esyoil, "er springt aber weiter nach oben." Hintergrund sei, dass "Spekulanten den Preis hoch halten".
Dabei ist die Versorgungslage mit Heizöl gut, es gibt eine Überversorgung. Die Lagerbestände in Amerika zum Beispiel sind auf einem historischen Hoch. "Die Lager sind so voll wie seit 20 Jahren nicht mehr", sagt Harlapp. Generell gilt: Die Entwicklung des Heizölpreises ist abhängig von den Rohölpreisen. Der Ölpreis hat seit dem Sommer kaum zugelegt. Die beiden führenden Ölsorten Brent und WTI notierten um die Marke von 70 Dollar je Barrel (159 Liter). Dies dürfte für stabile Heizölpreise sorgen, zumal der Euro aufgewertet hat. Denn der Ölpreis wird in Dollar gehandelt. In Deutschland zahlen Verbraucher ihre Heizölrechung aber in Euro. Wertet der Euro gegenüber dem Dollar wie in den vergangenen Wochen stark auf, wird die Heizölrechnung für Kunden hierzulande günstiger.
Heizölpreis seit Sommer 2008 halbiert
Dabei profitieren Heizölkunden schon seit einiger Zeit von einem niedrigen Preisniveau, denn die Wirtschaftskrise hat die Preise gedrückt. Seit Sommer 2008 hat sich der Heizölpreis halbiert. Insgesamt sind die Verbraucherpreise gesunken. Im September lagen die Preise um 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert, Heizöl ist um 34 Prozent günstiger geworden, errechnete das Statistische Bundesamt.
In der ersten Jahreshälfte dieses Jahres haben bereits viele Kunden in Deutschland die niedrigen Preise genutzt, um ihre Heizölvorräte aufzufüllen. Sonst kaufen Kunden eher in den Herbstmonaten, um sich für die Heizsaison vorzubereiten. Hierzulande gibt es je nach Region deutliche Preisunterschiede (siehe Grafik). Heizöl war im Norden Deutschlands immer schon günstiger, weil der Rohstoff wegen der Hafennähe preiswerter transportiert werden kann. "Aber ein Preisunterschied von bis zu sechs Euro für eine 100-Liter-Lieferung in München ist relativ viel", sagt Harlapp. Er prognostiziert, dass die Transportkosten für die Binnenschifffahrt noch weiter steigen können und daher die Heizölpreise in manchen Regionen in Deutschland zulegen.
Verbaucherschützer raten zu Sammelbestellungen
Eine rasante Preisrally für Heizöl wird es aber so schnell nicht geben. Zumal viele Fachleute den Verbrauch auch in den kommenden Monaten eher niedrig einschätzen. "Trotzdem steigen die Preise für Heizöl immer wieder nach oben", sagt Harlapp. Denn mit den ständig steigenden Aktienkursen erwarten viele Investoren einen baldigen Wirtschaftsaufschwung. Die Anleger argumentieren: Legt die Wirtschaft zu, dürfte das auch die Rohstoffwerte wie Öl schnell wieder in die Höhe treiben.
Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet bereits, dass die Ölnachfrage wegen des Konjunkturoptimismus im kommenden Jahr schneller wachsen wird, als bisher berechnet. Die IEA erhöhte ihre Wachstumsprognose, die tägliche Nachfrage werde 2010 um 1,42 Millionen Barrel wachsen. Damit wurde die Prognose um 150000 Barrel angehoben. Als Grund für die Änderung der Prognose nannte die Agentur die positiven Konjunkturprognosen und die zuletzt guten Wirtschaftsdaten.
Für Verbraucher, die erwägen, Heizöl in den kommenden Wochen zu kaufen, bedeutet das kurzfristige Auf- und Absinken der Preise, dass sie die Notierungen noch intensiver als sonst prüfen müssen. Verbaucherschützer raten dazu, mit einer Sammelbestellung beim Heizölkauf Geld zu sparen. Dafür gibt es Heizölpools im Internet, über die man in der Region genügend Kunden für eine Sammelbestellung finden kann. Nach der Anmeldung in einer solchen Online-Gemeinschaft können Kunden bis zu fünf Prozent beim Heizölkauf sparen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09 % |
| Silber | 33,55 $ | −0,74 % |
| Platin | 1.648,00 $ | −1,02 % |
| Palladium | 702,00 $ | −1,68 % |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91 % |
| Gas | 0,59 £ | −1,60 % |
| Kaffee | 2,17 $ | +0,72 % |
| Zucker | 0,25 $ | +0,90 % |
| Orangensaft | 1,86 $ | −0,98 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |