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Rohstoffe Stimmung am Rohstoffmarkt schwächt sich ab

13.02.2006 ·  An den Rohstoffmärkten laufen zur Zeit gewisse Kurskorrekturen ab. Die Frage ist, ob es sich um „technische Korrekturen“ handelt oder ob sie eine wirtschaftliche Abschwächung vorwegnehmen. Beides hätte entsprechende Konsequenzen.

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Im Bereich der Rohstoffe kam es in den vergangenen Tagen zu zum Teil deutlichen Gewinnmitnahmen. Das zeigt sich nicht nur bei den verschiedenen Industrie- und auch Edelmetallen, sondern auch beim Öl.

Immerhin liegt der Endloskontrakt des WTI-Futures nicht nur knapp 14 Prozent unter seinem im August des vergangenen Jahres erreichten Mehrjahreshoch, sondern er scheint auch so etwas wie ein „Doppel-Top“ ausgebildet zu haben. Allerdings ist der mittelfristige Aufwärtstrend nach wie vor intakt. Bei Preisen unter 60 Dollar wäre er aber gefährdet, was zumindest kurz- und mittelfristig zu weiteren Kursverlusten führen könnte.

Korrekturen bei Öl und anderen Rohstoffen

Denn langfristig mögen die Argumente von den be- und entstehenden Knappheiten gelten, die die Preise für Öl und andere Rohstoffe in den vergangenen Monaten nach oben getrieben haben. Kurzfristig kann es jedoch zur Zwischenkorrektur spekulativer Übertreibungen kommen. Immerhin wurden vom jüngsten Boom und den dadurch entstehenden Trends auch spekulative Gelder in die Märkte gezogen, die rasch geneigt sein dürften, Kursgewinne zu sichern. Das kann in relativ engen Märkten - dazu zählt der Rohstoffbereich unbedingt, da er im Verhältnis zu den Finanzmärkten klein ist - zu deutlichen Kursbewegungen führen.

Mit Blick auf das Öl können saisonale Faktoren Auslöser mit zu einer Korrekturbewegung beitragen. Denn sobald sich abzeichnet, daß die Wintervorräte gut reichen, kommt es in den ersten Monaten des Jahres in der Regel zu einer gewissen Entspannung. Ähnliches dürfte - zumindest im Moment - auch für andere Rohstoffe gelten. So haben sich nach jüngsten Nachrichten die Lagerbestände von Kupfer und Aluminium in den vergangenen Wochen erhöht. Der Stahlpreis tendiert schon seit Monaten im Trend nach unten (siehe auch: Der Stahlboom ist vorbei).

Rechneten die Anleger noch vor wenigen Wochen mit einem weiterhin deutlich steigenden Ölpreis, so hat sich die Stimmung gedreht. Zumindest dann, wenn man einer Umfrage von Sentix glauben darf. Vor allem bei den Institutionellen scheint das Sentiment deutlich „abgeschmiert“ zu sein. Dieser Stimmungswandel hinterließ auch an den Börsen deutliche Spuren. Denn die Ölwerte - die Gewinner der vergangenen Monate - neigen seit etwa einem Monat zur relativen Schwäche. Insgesamt scheint eine weitergehende Korrektur des Ölpreises möglich zu sein.

Die Wirkung auf die Börsen muß genauer betrachtet werden. Denn einerseits dürften sie bei korrigierenden Preisen beim Öl und im Rohstoffbereich keine Dynamik mehr von diesen Werten erhalten. Auf der anderen Seite sollten die Märkte aber etwas Rückenwind erhalten, da der Kostendruck auf die Unternehmen etwas abflauen würde. Aus diesem Aspekt könnte eine ausgeprägtere Korrekturbewegung bei Energie- und Rohstoffen positiv interpretiert werden.

„Technische Korrektur“ oder Indikation für eine wirtschaftliche Abschwächung?

Gleichzeitig sollten sich Anleger allerdings auch die Frage stellen, ob nicht mehr dahinter stecken könnte. Immerhin wird nun nach Jahren der Vernachlässigung wieder mehr in die Suche und die Förderung von Rohstoffen investiert. Aus diesem Grund dürfte in den kommenden Monaten und Jahren das Angebot zunehmen. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit, daß manche Marktteilnehmer jetzt schon auf eine sich abschwächende Konjunktur in Amerika einstellen. Sie würde sehr wahrscheinlich auch die Entwicklung in Asien dämpfen und auf diese Weise möglicherweise die Nachfrage nach Rohstoffen bremsen. Das kann eine denkbare Korrektur bei Rohstoffen zumindest zeitweise verstärken.

Gleichzeitig besteht ein gewisses Risiko, daß bei gebremster Weltwirtschaft die hohen Gewinnerwartungen der Anleger enttäuscht werden. So können auch von dieser Seite die Börsen in die Defensive gebracht werden. Aus diesen Gründen scheint eine gewisse Defensivität in der Anlagestrategie - im Gegensatz zur allgemein hohen Risikoneigung - nicht unangebracht zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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