11.06.2009 · Der Ölpreis läuft scheinbar unbeirrbar nach oben. Mit 71,65 Dollar je Fass der Sorte WTI erreicht er am Mittwoch den höchsten Stand seit sieben Monaten. Er wird allerdings eher von Anlegern als von realer Nachfrage getrieben.
Der Ölpreis läuft scheinbar unbeirrbar nach oben. Am Donnerstag erreichte er an der Terminbörse mit 72,18 Dollar je Fass der Sorte WTI im Julikontrakt den höchsten Stand seit Oktober des vergangenen Jahres.
Damals hatte er einen Preisrückgang von rund 50 Prozent hinter sich, nachdem er bis in den Juli des Jahres Preisspitzen von bis zu 147,3 Dollar markiert hatte. Im Moment hat er einen Preiszuwachs von 120 Prozent hinter sich, nachdem er vor einem halben Jahr auf ein Zwischentief von 32,40 Dollar je Barrel gefallen war.
Unabhängig vom tatsächlichen Angebot- und Nachfrageverhältnis am physischen Markt zeigt der Preistrend weiter nach oben. Selbst die Internationale Energie Agentur kann sich den Preisauftrieb angesichts der schwachen Nachfrage und der hohen Lagerbestände nicht erklären. Das dürfte kaum verwundern. Denn viele Indikatoren deuten darauf hin, dass der Preis nach der Übertreibungsphase im vergangenen Jahr wieder von den Finanzanlegern getrieben wird - und nicht von der realen Wirtschaft.
Anleger treiben den Ölpreis mit Käufen nach oben
Analysen von EPFR Global etwa zeigen, dass Anleger angesichts der Emissionsflut an den Rentenmärkten weltweit immer mehr Mittel aus Geldmarktfonds abziehen und sie in Rohstoff- und Schwellenländerfonds investieren, um sich gegen adverse Effekte wie schwache Währungen abzusichern.
Tatsächlich zeigt der Vergleich zwischen der Kursentwicklung des amerikanischen Dollar gegen den Euro mit dem Preisauftrieb von Öl, dass die Korrelation - abgesehen von einer krisenhaften Dollarknappheit zum Jahreswechsel - vergleichsweise hoch ist. Das heißt, Anleger scheinen Rohstoffe, insbesondere jedoch das Öl, als Absicherung gegen die durch die von der amerikanischen Zentralbank verursachten Liquiditätsschwemme zu nutzen. Die Liquidität kommt wegen schwacher Bilanzen nicht bei den Konsumenten und den Unternehmen an, sondern sie fließt direkt oder indirekt in die Finanz- und Rohstoffmärkte.
Das zeigt sich alleine schon an den Mitteln, die in den vergangenen Monaten in die börsengehandelten Ölfonds geflossen sind, die beispielsweise von ETF Securities auch zum Handel in Deutschland angeboten werden. Die verwalteten Mittel alleine dieser Fonds haben sich seit November des vergangenen Jahres knapp verachtfacht, während der Preis sich verdoppelt hat. Ähnliche Fonds gibt es auch in den Vereinigten Staaten. Hedge-Fonds und Investmentbanken sind ebenfalls wieder stark spekulativ engagiert. Allerdings machen sie das geschickter als in der Vergangenheit, als sie entsprechende Kontrakte noch in den eigenen Büchern hatten. Diese zeigten, dass in Spitzenzeiten bis zu 40 Prozent aller Ölterminkontrakte bei einer einzelnen Adresse lagen. Einer jener Adressen, die die aufgedrängten TARP-Mittel nun möglichst schnell wieder los werden möchte, um sich spekulativ zum eigenen Nutzen wieder voll entfalten zu können.
Fundamental dagegen scheint sich der ÖLmarkt im Gleichgewicht zu befinden
Fundamentale Daten dagegen zeigen, dass das Ölangebot im vergangenen Jahr um 0,4 Prozent zugenommen hat, während die Ölnachfrage so stark zurück ging, wie zuletzt im Jahr 1992. Die Ölnachfrage fiel um 0,6 Prozent auf 84,45 Millionen Barrel pro Tag. Im laufenden Jahr 2009 rechnet die Internationale Energy Agency in Paris mit einem weiteren Rückgang der Nachfrage auf 83,2 Millionen Barrel pro Tag. Das heißt, es gibt kaum einen Grund außer spekulativen, wieso der Ölpreis nach oben laufen sollte.
Das Jahr 2008 sei nicht mehr von der Angebotsseite her beschränkt gewesen, erklärt BP-Vorstandssprecher Tony Hayward in einer aktualisierten Statistical Review of World Energy. Die Daten bewiesen, dass es genügend nachgewiesene Reserven an Öl, Gas und Kohle gebe, um die Welt in den kommenden Jahrzehnten ausreichend mit Energie zu versorgen.
Auf dieser Basis werden Anleger dazu tendieren, den Aufwärtstrend bei Öl auszureizen, soweit er trägt. Allerdings dürfte es ratsam sein, sich gegen Rückschläge abzusichern. Denn der hohe Ölpreis dürfte früher oder später auf die Realwirtschaft durchschlagen und die optimistischen Wachstumserwartungen dämpfen können. Angesichts der möglichen Verzerrungen dürften auch regulatorische Eingriffe nicht ausgeschlossen werden können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |