27.08.2009 · Eine Party sieht anders aus: Vor 150 Jahren gelang es Edwin Drake im amerikanischen Ort Titusville zum ersten Mal, Öl zu fördern. Doch die Märkte interessieren sich nur für die Zukunft und so dümpelte der Rohölpreis an seinem Jubiläumstag im Minus bei etwas mehr als 70 Dollar.
Von Judith LembkeEine rauschende Party sieht anders aus: Vor genau 150 Jahren gelang es dem pensionierten Schaffner Edwin Drake im amerikanischen Ort Titusville zum ersten Mal, Öl zu fördern. Doch die Märkte interessieren sich bekanntlich nur für die Zukunft und nicht für die Vergangenheit, und so dümpelte der Rohölpreis an seinem Jubiläumstag im Minus bei etwas mehr als 70 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent und die amerikanische Leichtölsorte WTI.
Für Optimismus gibt es in dieser Woche auch nicht so viel Grund wie am 27. August 1859, als es Drake und seinen Mitstreitern glückte, Öl mit einer Handpumpe an die Oberfläche zu befördern und in einer Badewanne zu sammeln. Im Gegensatz zu früher ist der Rohstoff im Moment nämlich keineswegs knapp: Die Öllager sind heute prall gefüllt, wie die am Mittwoch veröffentlichten Daten des amerikanischen Energieministeriums zeigen. Schon am Dienstag hatte ein Bericht des American Petroleum Institute den Ölpreis unter Druck gesetzt, nachdem es einen Anstieg der Lagerbestände auf 4,3 Millionen Barrel gemeldet hatte. Der WTI-Ölpreis sank daraufhin binnen weniger Stunden um 4 Prozent auf 71,50 Dollar, nachdem er kurz zuvor ein Zehnmonatshoch bei 75 Dollar erreicht hatte.
Zwar fielen die Lagerdaten des Ministeriums einen Tag später dann doch nicht so verheerend aus, wie vom Branchenverband suggeriert – doch die Tatsache, dass sie noch immer weit über dem Fünfjahres-Durchschnitt liegen, reichte aus, um die Kauflaune der Anleger ins Gegenteil zu verkehren.
Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank, ist über die Entwicklung keineswegs erstaunt: „Wir sind mit Blick auf die Rohölpreise sehr negativ eingestellt“, sagt er. Nach seiner Einschätzung fußten die Preissteigerungen der vergangenen Wochen weniger auf der fundamentalen Marktsituation, als auf übertriebenen Erwartungen der Anleger. „Wir sehen hier wieder kleine Übertreibungen, die in den starken Konjunkturhoffnungen der Marktteilnehmer sowie der hohen Liquidität am Markt begründet liegen“, sagt Weinberg. Er vermutet, dass es bald zu einer deutlichen Preiskorrektur kommt – und hat auch schon einen Auslöser identifiziert: die für Herbst avisierte verstärkte Regulierung des Engagements von Finanzinvestoren auf dem Rohölmarkt durch die amerikanische Terminmarktaufsicht CFTC. Als Beleg dafür zieht er die Getreidebörse in Chicago heran, die schon seit einiger Zeit von der Terminmarktaufsicht reguliert wird: „Getreide ist der einzige Rohstoff, der während der Hausse nicht gelaufen ist. Das kann doch kein Zufall sein“, sagt der Analyst.
Sintje Diek, Rohstoffanalystin der HSH Nordbank, mag an die starken negativen Auswirkungen der Regulierung auf den Rohölpreis noch nicht so recht glauben. Positionslimits für Finanzinvestoren könnten den Preisanstieg zwar verlangsamen, aber keineswegs stoppen. Sie rechnet nicht damit, dass die CFTC die Finanzinvestoren aus dem Markt verdrängen, sondern ihr Engagement allenfalls leicht abschwächen könne.
Dabei will auch Diek eine kurzfristige Korrektur nicht ausschließen. „Der Ölpreis könnte in den kommenden Wochen bis auf 60 Dollar je Barrel heruntergehen, wenn die Erwartungen der Anleger enttäuscht werden.“ Denn zunächst stehe dem hohen Angebot eine schwache Nachfrage gegenüber. Diese sollte im kommenden Jahr deutlich steigen, wenn die Konjunktur erst wieder richtig anziehe. Für das Ende dieses Jahres prognostiziert sie einen Preis von 65 Dollar je Barrel, bis Ende 2010 sollte sich der Rohstoff jedoch bis auf 85 Dollar je Barrel verteuern.
Optimistisch zeigen sich auch die Analysten der Credit Suisse, die in den kommenden ein bis zwei Monaten eine durch hohe Volatilität geprägte Konsolidierung des Rohölpreises voraussagen, bevor ein nachhaltiger Aufwärtstrend einsetze. Anleger sollten die Schwächephasen durchstehen, und Preise unter 60 Dollar zum Einstieg nutzen. Dieses Durchhaltevermögen hätte sicher auch Drake gefallen: Schließlich war er praktisch pleite und kurz davor aufzugeben, bis er schließlich doch auf Öl stieß.
Im Gegensatz zu früher ist der Rohstoff im Moment nämlich keineswegs knapp
jürgen fischer (rdeniro)
- 28.08.2009, 03:44 Uhr
Jetzt wieder öl-ernst:
gisbert heimes (gisbert4)
- 28.08.2009, 11:18 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |