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Rohstoffe Rohölpreise im Sinkflug

 ·  Rohöl wird billiger: Der Preis für die Sorte Brent ist inzwischen auf ein 3-Monats-Tief gesunken. Die Vereinigten Staaten haben so große Ölvorräte wie seit 20 Jahren nicht mehr.

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Der wichtigste börsengehandelte Rohstoff wird günstiger: Der Preis für europäisches Rohöl der Sorte Brent ist inzwischen auf ein 3-Monats-Tief gesunken. Am Freitag kostete ein Barrel, das 159 Liter entspricht, rund 112 Dollar. Amerikanisches Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete mit 98 Dollar erstmals seit Februar wieder weniger als 100 Dollar. Zum Vergleich: Anfang März lag der Brent-Preis noch bei 128 Dollar. „Die Entspannung in der Iran-Krise, ein höheres Ölangebot sowie Konjunktursorgen in Europa und Amerika haben dazu geführt, dass die Ölpreise sinken“, sagt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Für Verbraucher sowie die Industrie sind die sinkenden Ölpreise eine Erleichterung. Die steigenden Ölpreise hatten in den vergangenen Monaten nicht nur zu Rekordpreisen an den Tankstellen geführt. Die wachsenden Energiekosten sorgten auch für eine steigende Inflation und bedrohten den wirtschaftlichen Aufschwung.

Schwächere Konjunktur in Amerika und Europa erwartet

Neben einer wachsenden Ölnachfrage in Asien und spekulativ orientierten Anlegern, die auf steigende Preise am Ölmarkt setzten, war die Iran-Krise stets einer der wichtigsten Gründe für die höheren Ölpreise gewesen. Das Land ist nach Saudi-Arabien der zweitwichtigste Anbieter in der Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec). Die Furcht vor massiven Lieferausfällen am Ölmarkt ist mittlerweile aber gewichen, da Länder wie Saudi-Arabien ihre Förderung erheblich ausgeweitet haben. Allerdings gilt ab Anfang Juli auch ein Importstopp der Europäischen Union (EU) für iranisches Öl. Zudem gibt es auch Finanzsanktionen der Vereinigten Staaten gegen Iran, die es dem Land erschweren sollen, das Öl in Regionen wie nach Asien zu verkaufen. Iran exportierte im ersten Halbjahr 2011 im Schnitt 2 Millionen Barrel Rohöl am Tag. Asiatische Länder kauften in diesem Zeitraum 62 Prozent des iranischen Ölangebots, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. China ist der größte Abnehmer iranischen Öls und lehnt ein Embargo ab.

Beigetragen zum Ölpreisrückgang haben in den vergangenen Tagen nicht nur schwächere Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten, sondern auch die Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zur Konjunkturlage im Euroraum. Draghi hatte von höheren Risiken für die Konjunkturentwicklung gesprochen. Laut Rohstoffanlegern deute dies auf einen geringeren Ölverbrauch hin.

Lagerbestände in Vereinigten Staaten auf höchstem Stand

Derweil ist die Verfügbarkeit von Rohöl auf der Welt gut. Auch diese Tatsache drückt die Preise. So sind in den Vereinigten Staaten die Lagerbestände für Öl auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten gestiegen. Das Land ist nicht nur die größte Volkswirtschaft auf der Welt, sondern verbraucht auch das meiste Rohöl. „Es gibt ein Überangebot am Ölmarkt“, sagt Analyst Fritsch, „dies führt zu einem erheblichen Lageraufbau – besonders in den Vereinigten Staaten.“ Amerika hat die heimische Ölförderung stark gesteigert. Dies senkt den Importbedarf.

Die Aussagen der Opec haben die Ölpreise ebenfalls gedrückt: Nach Angaben des Opec-Generalsekretärs Abdullah al Badri fördert das Ölkartell derzeit 2,3 Millionen Barrel am Tag über dem eigentlichen Produktionsziel, um die Preise nach unten zu bringen.

Investoren am Ölmarkt setzen nicht mehr auf steigende Preise

Kein Wunder, dass in diesen Zeiten viele Investoren am Ölmarkt nicht mehr auf steigende Preise setzen wollen: „Die Netto-Long-Positionen am Ölmarkt, also Wetten auf steigende Preise, sind von ihren Höchstständen in den vergangenen Wochen deutlich gesunken“, sagt Fritsch. „Das belegt, dass sich die Finanzanleger am Ölmarkt zurückziehen.“

Eine Bloomberg-Umfrage unter 33 Ölhändlern und Analysten hat ergeben, dass 55 Prozent der Befragten für die kommende Woche mit weiter sinkenden Ölpreisen rechnen. Mit einem Preisrückgang des Brent-Ölpreises unter die Marke von 100 Dollar rechnet Commerzbank-Analyst Fritsch allerdings nicht: „Die Opec-Länder brauchen höhere Preise, um ihre gestiegenen Staatsausgaben zu finanzieren.“

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