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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rohstoffe Rohölpreise geben spürbar nach

 ·  An den Rohstoffbörsen ist Rohöl so günstig wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Schlechte Konjunkturaussichten, die Euro-Krise sowie gut gefüllte Öllager in Amerika drücken die Preise.

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© dapd Innenansicht einer Öl-Pipeline

An den Rohstoffbörsen ist Rohöl so günstig wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Schlechte Konjunkturaussichten sowie die Verschärfung der europäischen Schuldenkrise drücken die Preise. Spekulativ orientierte Finanzanleger, die zuvor stark auf steigende Ölpreise setzten, haben sich zurückgezogen, weil risikoreiche Kapitalanlagen wie in Öl derzeit weniger gefragt sind. Auch der stärkere Dollar drückt die Nachfrage. Öl wird in Dollar gehandelt und wird für Anleger außerhalb Amerikas teurer, wenn der Dollar an Wert gewinnt. Hinzu kommt, dass in den Vereinigten Staaten die Öllager sehr gut gefüllt sind und dort die Möglichkeiten fehlen, das Überangebot an dem Rohstoff zu exportieren.

Der Preis für die europäische Nordseesorte Brent hat im Mai um 13 Prozent nachgegeben, für amerikanisches WTI-Öl ist es ein Rückgang um 16 Prozent. Brent kostete am Donnerstag 103 Dollar, für WTI waren es 88 Dollar pro Barrel, das entspricht 159 Liter. Nachdem die Ölpreise in den vergangenen Monaten im Höhenflug waren (Anfang März kostete Brent-Öl noch 128 Dollar) und die Benzinpreise Rekordwerte erreichten, sind mittlerweile die Kosten für Verbraucher wieder etwas gesunken.

Saudi-Arabien versorgt den Markt

„Der Markt wird von Saudi-Arabien gut versorgt, während gleichzeitig die Ölnachfrage in Südeuropa einbricht und selbst China weniger importiert als erwartet“, sagt Ölfachmann Steffen Bukold von Energycomment. Nach Berechnungen des Analyseunternehmens JBC Energy ist das Angebot der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) im Mai abermals gestiegen und beträgt 31,6 Millionen Barrel Öl am Tag. Das sind 5,3 Prozent mehr als das unterstellte Opec-Produktionsziel in Höhe von 30 Millionen Barrel am Tag. Nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch Angola lieferten zuletzt mehr Öl. Wegen des Atomstreits zwischen dem Westen und Iran beginnt Anfang Juli ein Importstopp der Europäischen Union für iranisches Öl. Da Iran als zweitgrößter Opec-Lieferant bisher Europa in großem Stil mit Öl versorgt hat, haben Länder wie Saudi-Arabien ihre Förderung erheblich erhöht.

© F.A.Z.

Derweil produzieren die Vereinigten Staaten viel Öl im eigenen Land. Neue Fördertechniken haben das Angebot in Bundesstaaten wie North Dakota stark erhöht, auch aus Kanada kommt zusätzliches Öl. Die Bedeutung von Ölimporten aus Ländern wie Nigeria und Saudi-Arabien nimmt ab. Die amerikanischen Rohöllagerbestände sind inzwischen so hoch wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Der wichtigste Umschlagssplatz für amerikanisches Öl ist der Ort Cushing im Bundesstaat Oklahoma, der auch für den WTI-Preis maßgeblich ist.

Geänderte Fließrichtung

Um das Überangebot an Öl in Cushing abzubauen, wurde Mitte Mai sogar die Fließrichtung der wichtigen Seaway-Pipeline geändert. Sie verbindet Cushing mit den Raffinerien an der amerikanischen Golfküste in Texas. Bis Anfang des kommenden Jahres sollen 400.000 Barrel Öl am Tag auf diesem Weg an die Küste fließen. Doch es kommt immer noch so viel neues Öl nach Cushing, dass auch mit der neuen Fließrichtung der Seaway-Pipeline das Überangebot nicht abgebaut werden konnte.

Mit dem großen Angebot in Cushing erklärt sich zudem der relativ niedrige WTI-Preis zu Brent. „Der Brent-Preis zeigt das globale Ölpreisniveau, während WTI nur im Mittleren Westen Amerikas eine Rolle spielt und nicht exportiert wird“, sagt Bukold. Seiner Einschätzung nach gebe es in Europa und in Asien allerdings keine vergleichbare Ölschwemme wie in Amerika.

Bukold argumentiert, dass die Preise trotz des jüngsten Rückgang immer noch auf einem hohen Niveau liegen. Zudem hätte Saudi-Arabien als wichtigster Anbieter in der Opec signalisiert, dass es ein Ölpreisniveau für Brent von 100 Dollar anstrebe. „Die Saudis haben es letztlich in der Hand.“ Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg sagt, dass die Stimmung an den Finanzmärkten die Preise für Rohöl bestimme. „Derzeit ist die Stimmung schlecht, und es ist nicht abzusehen, dass sich die Stimmung dreht. Daher könnten die Ölpreise weiter fallen.“

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