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Rohstoffe Mitten im Metallzyklus

28.08.2006 ·  Die UBS sagt bei Industriemetallen noch bis zu fünf Jahre Angebotsknappheit voraus. „Metalle sind immer noch interessant“, ergänzt die DWS. Anleger sollten trotzdem den Rohstoff-Zyklus im Auge behalten: Was hoch steigt, kann auch schnell wieder fallen.

Von Thomas Schmitt
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Die Preise von Rohstoffen schwanken sehr stark. Läßt man - inflationsbereinigt - die vergangenen hundert Jahre Revue passieren, fallen zwei Grundmuster auf: Lange Baisse-Phasen lösen meist eine rasante Hausse ab (siehe Grafik); für einen Preissprung brauchen die Märkte ein großes Thema, wie einen Weltkrieg oder eine Ölkrise. Derzeit ist es vor allem der Energie- und Rohstoffhunger Chinas und Indiens, aber auch anderer bevölkerungsreicher Schwellenländer.

Die starke Nachfrage aus Asien treibt die Preise vieler Rohstoffe, weil die Unternehmen ihr Angebot nicht rasch und beliebig erhöhen können und wollen. Bleiben wir bei den Metallen. Als die Preise vor 20 Jahren verfielen, investierten die Minengesellschaften nur verhalten. Seit sie steigen, freuten sie sich zunächst über die hohen Gewinne. Die zweite Reaktion ist derzeit: Aktien zurückkaufen und Konkurrenten übernehmen. Damit halten die Bergbauunternehmen ihre Aktionäre bei Laune. Zudem verspricht der Kauf eines Konkurrenten kurzfristig eine höhere Wertsteigerung als eine neue Mine. Schließlich sind fast alle Minengesellschaften immer noch günstig - mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 10. Deshalb hat nicht nur der auf unterbewertete Aktien spezialisierte Fondsmanager Frank Lingohr fast alle schon länger auf seiner Kaufliste. „Die meisten Rohstoffaktien haben noch immer außerordentlich hohes Kurspotential“, sagt er.

„Metalle sind immer noch interessant“

Zwar sind die meisten Metalle auf der Erde reichlich vorhanden. In den nächsten 200 Jahren stelle sich daher die Frage gar nicht, ob Eisen- oder Nichteisenmetalle zur Neige gehen könnten, schreibt die Schweizer Bank UBS in ihrer neuen Studie „Rohstoffe: Knappheit im Überfluß“. Es dauert jedoch mindestens sieben Jahre, manchmal mehr als ein Jahrzehnt, bis eine neue Mine richtig läuft. Die Unternehmen sind vorsichtig: Sie wollen sicher sein, daß sich eine neue Mine auch bei einem stärkeren Preisverfall noch rechnen würde.

Zwar verzeichnen die Rohstoffexperten der UBS weltweit eine „verstärkte“ Investitionstätigkeit. „Doch das dürfte innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre kaum zu einer wesentlichen Verbesserung der Angebotssituation führen“, sagt Christian Hefti, Leiter des deutschen UBS-Vermögensmanagements-Research in Frankfurt. Pierre Martin, Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS, ergänzt: „Metalle sind immer noch interessant: Die Preise sind hoch, die Nachfrage fest.“

„Mitten in einer ausgeprägten zyklischen Hausseperiode“

Fragt sich nur: wie lange? Experten gehen derzeit etwa davon aus, daß die weltweite Nachfrage nach Kupfer bis 2025 von 21,5 auf 25,8 Millionen Tonnen steigt. Bei einem starken Wachstum in den Schwellenländern ergebe sich 2030 aber ein Bedarf von 44 Millionen Tonnen, meinen die UBS-Spezialisten. Die Gründe: das Wachstum der Bevölkerung und das höhere Pro-Kopf-Einkommen in Schwellenländern.

„Rohstoffe befinden sich zur Zeit mitten in einer ausgeprägten zyklischen Hausseperiode“, folgert Hefti. Das werde die Rohstoffpreise über ihre langfristigen Durchschnittswerte treiben. Darin liegt für Anleger sowohl Chance wie Gefahr: Einerseits können sie mit gutem Grund auf weitere Preisanstiege setzen, weil viele Metalle vorerst knapp bleiben. Andererseits sollten sie den Rohstoff-Zyklus im Auge behalten: Was hoch steigt, kann auch schnell wieder fallen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.08.2006, Nr. 34 / Seite 47
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