11.05.2007 · Börsengehandelte Rohstoffe sind als Gruppe noch immer viel zu teuer. Ihre Preise enthielten Ende April im Durchschnitt einen Aufschlag von 27,4 Prozent gegenüber dem, was mit den herrschenden fundamentalen Bedingungen erklärt werden kann.
Börsengehandelte Rohstoffe sind als Gruppe noch immer viel zu teuer. Ihre Preise enthielten Ende April im Durchschnitt einen Aufschlag von 27,4 Prozent gegenüber dem, was mit den herrschenden fundamentalen Bedingungen erklärt werden kann.
Zu diesem Schluss gelangt Richard Bernstein, der für Nordamerika zuständige Chefstratege von Merrill Lynch. Er weist zugleich aber auch darauf hin, dass die Prämie im Herbst vergangenen Jahres noch bei 60 Prozent lag. Trotz dieses deutlichen Rückgangs hält der Stratege den Aufschlag nach allen historischen Maßstäben weiterhin für enorm hoch.
Der natürliche Preis der Rohstoffe
Die Frage, ob Rohstoffe zu einem gegebenen Zeitpunkt zu teuer, zu billig oder im Preis angemessen sind, ist seit Urzeiten Gegenstand heftiger Diskussionen. Die Antworten konnten im Wesentlichen nur auf empirischer Grundlage unter Berücksichtigung der jeweils gegebenen Verhältnisse bei Angebot und Nachfrage erteilt werden. Meist fielen die Ergebnisse unbefriedigend oder kurzlebig aus, ganz abgesehen davon, dass die börsengehandelten Rohstoffe keine homogene Gruppe sind, sondern dass jeder von ihnen seine eigene Geschichte hat.
Bernstein entwickelte schon vor geraumer Zeit eine Methode zu ihrer Bewertung, die vor allem deshalb besticht, weil sie eine Vorstellung von den auf die Preisbildung einwirkenden spekulativen Kräften vermittelt.
Bernsteins Theorie gründet sich auf die These, dass sich die Preise bei den Rohstoffen, die nicht an einer Terminbörse gehandelt werden, nur auf die bei Angebot und Nachfrage herrschenden fundamentalen Faktoren stützen. Bei den börsennotierten Rohstoffen kommen nach seiner Theorie zur jeweils gegebenen fundamentalen Situation noch die spekulativen Einflüsse hinzu, die mal einen Preisauf- und mal einen Preisabschlag entstehen lassen können.
Die Spekulation gehört dazu
Anzumerken bleibt, dass die Spekulation, die in der jüngeren Vergangenheit überwiegend von den inzwischen sehr kapitalstarken Termin- und von Hedge-Fonds repräsentiert wird, unverzichtbarer Bestandteil gut funktionierender Rohstoffmärkte ist. Sie bietet kommerziellen Marktteilnehmern wie Produzenten, Händlern und Verarbeitern die Liquidität, die es ihnen ermöglicht, ihre Preisrisiken abzusichern. Dies und nichts anderes rechtfertigt die Teilnahme der Spekulation an den Terminbörsen.
Gegen Bernsteins Methodik kann eingewandt werden, dass die Preise für nicht börsengehandelte Rohstoffe in hohem Maße intransparent sind. Sie entstehen zu einem großen Teil unter vier Augen, nämlich denen des Käufers und des Verkäufers, und werden nie bekannt.
Die veröffentlichten Preise sind meist nominal. Niemand weiß, ob sie wirklich einmal gezahlt wurden. Damit sind sie in hohem Maße manipulierbar. Zudem ist unbestritten, dass gut informierte oder angeleitete private Kreise auch in nicht börsengehandelten Rohstoffen spekulieren. Die geringe Liquidität dieser Märkte kann schon bei geringem Kapitaleinsatz hohe Preisveränderungen entstehen lassen.
Doch alles, was gegen die Verwendung dieser Rohstoffe als Vergleichsgrundlage angeführt werden kann, verblasst vor der Tatsache, dass zu diesem Zweck nichts Besseres zu finden ist. An den Terminbörsen, allen voran den amerikanischen, herrscht eine nicht nur als maximal, sondern auch als optimal geltende Transparenz.
Eine Korrektur könnte gravierend werden
Bernstein vermutet vor dem Hintergrund seiner Erkenntnisse, vor allem Anleger seien sich anscheinend nicht im Klaren darüber, wie sehr die Dauer einer langjährigen oder säkularen Hausse oder Baisse an den Rohstoffmärkten von Korrekturen abhängt, die immer wieder zyklisch eintreten.
Je länger und stärker solche Korrekturen, die auch die Produktion vorübergehend nicht weiter anregen und die Nachfrage stimulieren, im Rahmen einer Hausse ausfielen, desto länger könne die zugrunde liegende säkulare Bewegung bestehen. Je kürzer und je flacher sie verliefen, desto stärker seien die Anreize für Produktionssteigerungen, die die Nachfrage rasch übersteigen und letztlich nachhaltig fallende Preise auslösen könnten.
Der Stratege stellt für die Gegenwart fest, die so genannte herrschende Meinung glaube an eine langjährige Phase steigender Rohstoffpreise ohne zyklische Korrekturen. Diese Kombination ist seiner Meinung nach nahezu unmöglich zu erreichen. Er selbst teile die These von der langjährigen Hausse, rechne jedoch mit zyklischen Korrekturen, die wegen der überzogenen Erwartungen der herrschenden Meinung gravierender ausfallen könnten, als es sich die meisten heute vorstellen können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |