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Rohstoffe Kalter Winter und stärkere Wirtschaft machen Öl teurer

23.12.2010 ·  Der Heizölpreis befindet sich auf Rekordniveau. Ein Liter Heizöl kostet in der Region Frankfurt derzeit etwa 73 Cent und damit rund 10 Prozent mehr als noch Mitte September. Verantwortlich dafür ist unter anderem die anhaltende Kälte.

Von Alexander Armbruster
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Der Ölpreis ist am Mittwoch auf ein neues Jahreshoch gestiegen. Ein Fass (159 Liter) der europäischen Leichtölsorte Brent kostete im Tagesverlauf bis zu 93,79 Dollar. Noch im Sommer kostete dieselbe Menge des flüssigen Rohstoffs zwischen 75 und 80 Dollar. Und auch der Preis für amerikanischer Leichtöl der Sorte WTI stieg. Ein Fass kostet nun mehr als 90 Dollar. Damit erreichten beide Ölpreise Niveaus, zu denen sie bis in den Sommer des Jahres 2008 hinein gehandelt wurden - vor der Eskalation der Finanzkrise.

Als Ursache für die aktuelle Preisbewegung nennen Marktteilnehmer sowohl das andauernd kalte Wetter als auch sich mehrende Anzeichen dafür, dass sich nun auch die amerikanische Wirtschaft von den Folgen der Krise nachhaltig erholen könnte. Die Rohstoffanalysten der Commerzbank halten einen aktuellen Bericht des American Petroleum Institute für den Auslöser der jüngsten Ölpreisbewegung. Diesem Bericht zufolge sind die Rohöllagerbestände in den Vereinigten Staaten in der Woche bis zum 17. Dezember um 5,8 Millionen Fass gefallen. Sinkende Lagerbestände bestätigte am Mittwochnachmittag auch das amerikanische Energieministerium.

Noch vor wenigen Monaten, als die Marktteilnehmer noch stark darüber diskutierten, ob die größte Volkswirtschaft der Welt abermals in die Rezession zurückfallen könnte, kamen vor allem Nachrichten über volle Öllager in Umlauf, die den Ölpreis drückten. Wenn die Wirtschaftsleistung steigt, also mehr produziert wird, steigt in der Regel auch der Energiebedarf der Unternehmen und damit der Ölverbrauch. Dabei ist Öl nicht nur wichtiger Energieträger, sondern auch Grundstoff für die Herstellung von Kunststoffen.

Heizkosten rund 70 Prozent gestiegen

Daneben sorgt offenbar vor allem das Winterwetter für eine höhere Nachfrage nach Öl und damit für einen höheren Preis. Die Nachfrage nach Heizöl in den Vereinigten Staaten wird nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf den amerikanischen Wetterdienst bezieht, in dieser Woche voraussichtlich um 4,6 Prozent über dem langfristigen Durchschnitt liegen. Auch in Deutschland wird mit weiteren Schneefällen und damit kaltem Wetter gerechnet. Der Heizölpreis ist hierzulande bereits in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich gestiegen und befindet sich aktuell auf dem höchsten Stand in diesem Jahr. Ein Liter Heizöl kostet in der Region Frankfurt beispielsweise derzeit rund 73 Cent, rund 10 Prozent mehr als noch Mitte September. Das ist insofern bedeutsam, als das davon nach wie vor viele Haushalte betroffen sind.

Nach Angaben des Deutschen Mieterbundes werden 35 bis 40 Prozent des deutschen Wohnungsbestands mit Öl beheizt. Auf einen Quadratmeter entfielen derzeit etwas weniger als 6 Euro an Nettokaltmiete und rund 1 Euro Heizkosten. Die Heizkosten für Wohnungen mit einer Ölheizung bewegten sich wieder auf ihr Niveau von vor der Finanzkrise zu, sagt Ulrich Ropertz, der Pressesprecher des Mieterbundes. Im Durchschnitt seien für eine 70 Quadratmeter große Wohnung mit Ölheizung im vergangenen Jahr 620 Euro Heizkosten angefallen. Im Jahr 2008 seien es aufgrund des wesentlich höheren Ölpreises 880 Euro gewesen. In diesem Jahr werde wahrscheinlich ein Niveau von rund 780 Euro erreicht. Dabei schwanken die tatsächlichen Heizkosten je nach Wohnung und Lage mitunter erheblich um den Durchschnitt. Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre seien die Heizkosten insgesamt um rund 70 Prozent gestiegen.

Auch für die Zukunft gehen die Marktbeobachter davon aus, das Energie teurer werden wird. Ob das schon an der Ölpreisentwicklung im kommenden Jahr abgelesen werden kann, ist nicht klar. Die Analysten der Commerzbank prognostizieren, dass im Jahr 2011 jeden Tag 1,4 Millionen Fass Öl mehr verbraucht werden als in diesem Jahr - das wäre ein geringerer Verbrauchsanstieg als in diesem Jahr. „Insbesondere der Ölverbrauch in China dürfte aufgrund der zu erwartenden weiteren Straffung der chinesischen Geldpolitik 2011 nicht mehr ganz so kräftig expandieren wie in den vergangenen beiden Jahren.“ Außerdem seien die freien Förderkapazitäten der in der Opec zusammengeschlossenen Ölförderländer zurzeit groß genug, um eine stärkere Nachfrage oder ein geringeres Angebot andernorts ausgleichen zu können. Die Commerzbank-Analysten halten einen Ölpreis von 80 Dollar je Fass für fundamental angemessen, allerdings könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Preis im kommenden Jahr die Marke von 100 Dollar überspringt. Ein so hoher Ölpreis sei allerdings nicht nachhaltig stabil.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Wirtschaft.

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