10.03.2008 · Nach Monaten drastisch steigender Preise am Rohstoffmarkt kam es in den vergangenen Tagen zu Turbulenzen. Mehrere Handelstage hintereinander wurden die von dem Chicago Board of Trade (CBoT) zulässigen Handelsbeschränkungen erreicht.
Die Kurse an den europäischen Aktienmärkten haben am Montag wieder kräftig nachgegeben. Der Deutsche Aktienindex Dax verlor bis kurz vor Handelsschluss 1,4 Prozent, der M-Dax sogar 3,5 Prozent. Im gleichen Zug mussten Aktien von Minengesellschaften am Montag Preisabschläge von bis zu 5 Prozent verkraften, da die Notierungen für Platin und Kupfer nachgaben. Der Kurs von BHP Billiton stürzte um mehr als 5 Prozent in die Tiefe und der von Rio Tinto um 4,9 Prozent. Auch die Titel von Stahlerzeugern wie Thyssen-Krupp oder Salzgitter wurden mit hohen Kursabschlägen gehandelt.
Nach mehreren Monaten drastisch steigender Preise am Rohstoffmarkt hat eine scharfe Korrektur die Marktteilnehmer überrascht. Vor allem bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen brachen die Preise seit Mitte vergangener Woche zwischenzeitlich so stark ein, dass mehrere Handelstage hintereinander die von dem Chicago Board of Trade (CBoT) zulässigen Handelsbeschränkungen erreicht wurden. Bei Soja, Sojaöl, Baumwolle, Mais, Weizen und Zucker ergriffen Verkaufswellen den Markt, die sich am Montag zunächst ungehindert fortsetzte, bevor es teilweise wieder zu Gegenbewegungen kam.
Turbulenzen an den Terminmärkten für Agrarrohstoffe
An keinem Markt haben Investoren in diesen turbulenten Zeiten so hohe Gewinne einfahren können wie am Markt für Rohstoffe, vor allem für landwirtschaftliche Produkte. Seit August 2007 ist der globale Rohstoffindex S&P GSCI um mehr als 28 Prozent gestiegen. Nachdem bereits im vergangenen Jahr 178 Milliarden Dollar (116 Milliarden Euro) in den Markt gepumpt wurden, schleusten Anlagefonds in diesem Jahr nochmals 40 Milliarden Dollar in den Rohstoffsektor. Dies führte zu drastischen Preissprüngen. Allein seit Januar zogen die Preise der meisten Agrarprodukte um weitere 20 bis fast 40 Prozent an.
Steigende Nachfrage aus Asien, begrenzte Anbauflächen, Ernteausfälle und eine Absicherung gegen Inflation und damit Flucht in Sachwerte erklärte die Attraktivität des Bereichs. „Angesichts der Rezessionsängste der Marktakteure und der Schwäche am Aktienmarkt hat sich jetzt allerdings die Risikobereitschaft der Anleger reduziert", warnt Michael Lewis, Chefanalyst für Rohstoffe bei der Deutschen Bank. „Zudem realisieren zahlreiche Investoren ihre hohen Gewinne im Rohstoffsektor, um Verluste am Aktienmarkt auszugleichen", erklärt Lewis die Korrektur. Er glaubt, dass die Preise im Laufe 2008 neue Höchststände erreichen und Agrarprodukte insgesamt die volatile Zeit relativ gut überstehen werden.
In den vergangenen Tagen nahmen Marktteilnehmer jedes erdenkliche Argument zum Anlass, am Rohstoffmarkt Kasse zu machen: Die Ankündigung einer Rekordernte von Soja in Südamerika oder Spekulationen, China werde mit dem Verkauf von Sojaprodukten aus seinen Lagerbeständen beginnen, ließen den Preis für Sojabohnen um 12 Prozent einbrechen. Nachrichten, China werde mehr Agrarflächen bereitstellen und Australien werde nach zwei Jahren Dürre diesen Sommer eine reichere Weizenernte verbuchen, lasten auf dem Markt. Der Preis für Baumwolle ist allein seit Mitte vergangener Woche um 17 Prozent gefallen, der Preis für Zucker um fast 10 Prozent. Spekulationen, die amerikanische Regierung werde die Produktion von Ethanol aus Agrarprodukten mit Blick auf die steigende Inflation nicht mehr unterstützen, verpassten dem Markt ebenfalls einen Dämpfer.
Erreichen die Rohstoffpreise wieder ihre „alten“ Rekorde auf Basis realer Vergleiche?
Die jüngste Umfrage unter den größten institutionellen Investoren von Barclays Capital jedoch zeigt, dass 70 Prozent der Investoren bisher nur maximal 5 Prozent ihres Portfolios in Rohstoffen angelegt haben, 65 Prozent der Investoren in den kommenden drei Jahren aber 5 bis mehr als 10 Prozent ihres Portfolios in dem Bereich investiert haben wollen. 65 Prozent der interessierten Investoren meinen allerdings, dass das derzeitige Preisniveau für einen Einstieg in den Markt möglicherweise zu hoch sei. Mehr als die Hälfte der Investoren will jedoch vor allem in den Agrarsektor investieren, weil dieser billiger und weniger rezessionsanfällig ist als der Markt von Basismetallen.
Lewis glaubt, dass alle Produkte im Rohstoffsektor früher oder später auf ihren realen Rekordpreis steigen werden, der für die meisten Produkte in den siebziger Jahren während der Ölpreiskrise erreicht wurde. Im Gegensatz zum Ölpreis, der seinen realen Rekord bereits erreicht hat, ist dies bei den Agrarprodukten, die im Rohstoffsektor immer noch der billigsten Markt sind, nicht der Fall.
Die Preise von Agrarprodukten sind noch 50 bis 93 Prozent entfernt von ihren realen Rekordpreisen der siebziger Jahre. Neben Agrarprodukten setzt Lewis angesichts weiterer Zinssenkungen der Federal Reserve und einer anhaltenden Dollarschwäche zudem auf Edelmetalle.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |