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Rohstoffe Gold - bei Zentralbanken nicht sonderlich begehrt

21.06.2006 ·  Nach einem Boom hat der Goldpreis nachgegeben. Technisch scheint die Korrektur noch nicht abgeschlossen zu sein. Langfristig dürfte die weitere Entwicklung des Goldpreises vom Vertrauen in die Geldpolitik der Zentralbanken abhängen.

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Die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten in den vergangenen Monaten war vor der jüngsten Korrektur schon phänomenal. Das zeigte sich unter anderem an der Entwicklung des Goldpreises.

Hatte er im April des Jahres 2001 noch bei 255 Dollar je Feinunze gelegen, so etablierte er danach eine immer dynamischer werdende Aufwärtsbewegung, die Mitte Mai des laufenden Jahres nach einem Kursgewinn von 180 Prozent auf ein 26-Jahreshoch von 715 Dollar je Feinunze kulminierte.

Korrektur technisch noch nicht abgeschlossen?

Die Korrektur in den vergangenen Tagen hat zu einem Preisrückgang um 20 Prozent auf zuletzt 576,75 Dollar geführt. Glaubt man der technischen Analyse von BNP Paribas, so dürfte sie noch nicht vollständig abgeschlossen sein. Nach einer Zwischenrally liege das längerfristige Kursziel knapp unter 500 Dollar.

Ob das so kommt, wird sich noch zeigen müssen. Denn war der Preis während der Aufwärtsbewegung vor allem von spekulativen Anlegern oder von jenen getrieben worden, die ihre Portfoliocharakteristik verbessern wollen, so könnte diese Bewegung jederzeit wieder aufleben. Vor allem dann, wenn die Investoren den Eindruck erhalten sollten, die Zentralbanken gingen nicht entschieden genug gegen inflationäre Tendenzen vor.

Viele blicken dabei nicht auf die offiziellen Preisindizes, sondern blicken auf die Entwicklung der Geldmengen im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum. Sie argumentieren, die Preisentwicklung an den Vermögenswerten sei nicht nur auf die fundamentale Nachfrage zurückzuführen, sondern ein monetäres Phänomen. Kritisch wäre in diesem Zusammenhang insbesondere eine zunehmende Geldumlaufgeschwindigkeit. Sie würde unmißverständlich zunehmendes Mißtrauen in die Preisstabilität signalisieren.

Goldinteressenten interessieren sich aber auch für die Aktivitäten der Zentralbanken. Immerhin zeigten sie in den vergangenen Jahren die Tendenz, ihre Goldbestände als Anteil an den Währungsreserven zu reduzieren. Eine Analyse von Macquarie Research zeigt, daß sich insbesondere die Notenbanken verschiedener Industriestaaten in den vergangenen Jahrzehnten auf der Verkäuferseite befanden. Dagegen haben die Schwellenländer eher aufgestockt.

Für diese Entwicklung dürften zwei Effekte verantwortlich sein. Erstens gab es lange Jahre nur geringe Reize, Gold zu halten. Denn es ist nicht nur ertragslos im Sinne einer fehlenden Dividende oder eines Kupons, sondern lange Jahre fiel auch der Preis im Trend. Gleichzeitig gab und gibt es für Industriestaaten kaum Gründe, ihre Währungsreserven zu vergrößern.

Goldanteil an Währungsreserven zu gering oder sind die Währungsreserven mancher Staaten zu hoch?

Im Gegensatz zu den Schwellenländern. Sie scheinen Währungsreserven zu akkumulieren, um im Falle von Währungsturbulenzen Manövriermasse für Interventionen zu haben oder um ihre Wechselkurse künstlich tief zu halten, wie zum Beispiel in China oder auch Japan.

Oft wird argumentiert, der Anteil von Gold an den Währungsreserven Asiens sei zu gering. Sollten sie aus Diversifikationsgründen aufstocken, so würde das den Preis weiter nach oben treiben. Allerdings sollte bei solchen Argumenten berücksichtigt werden, daß schon ein kleiner Anteil von etwa drei Prozent ausreicht, um diesen Effekt zu erzielen. Möglicherweise ist jedoch nicht der Goldanteil zu gering, sondern die Währungsreserven an sich sind in ihrer Summe viel zu groß und damit fragwürdig. Das dürfte insbesondere für Staaten wie China, Südkorea, Malaysia und andere gelten. Sinnvoll wäre ein Abbau der Währungsreserven, statt den Goldanteil zu erhöhen. Insgesamt dürften Diversifikationsüberlegungen der Zentralbanken unter normalen Umständen eher ein schwacher Grund sein, um auf einen steigenden Goldpreis zu setzen.

Aber auch das könnte sich rasch ändern, sofern das Vertrauen in bestimmte Papierwährungen fallen sollte. Dabei richtet sich der Blick vor allem auf den Dollar und die amerikanische Zentralbank. Längerfristig könnte aber auch der Yen ins Blickfeld geraten. Immerhin war die japanische Geldpolitik in den vergangenen Jahrzehnten extrem expansiv, das Land ist stark verschuldet und die Bevölkerung altert rasch.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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