18.07.2006 · Kaum ein Analyst scheut sich noch, Preise von 85 bis 90 Dollar je Barrel Öl in Aussicht zu stellen. Nicht nur die Krise im Nahen Osten, auch die Wirbelsturm-Gefahr treibt die Preise in bisher nicht gekannte Höhen.
„Willkommen in der Welt des 80-Dollar-Öls.“ Mit diesem Gruß wartet Raymond James, ein auch in Deutschland vertretenes amerikanisches Brokerhaus, in einer Lagebetrachtung auf. Ganz so weit hat es der Preis für die in New York gehandelte Sorte West Texas Intermediate (WTI) zwar noch nicht gebracht, doch bewegten sich die Notierungen am Freitag in der Spitze immerhin auf dem Rekordhoch von 78,40 Dollar je Barrel (rund 159 Liter), bevor sie am Montag auf bis zu 76,55 Dollar zurückfielen.
Kaum jemand scheut sich nach dem jüngsten Aufschwung und angesichts der krisenhaften Entwicklung im Nahen Osten inzwischen noch, Preise von 85 bis 90 Dollar je Barrel in Aussicht zu stellen. Selbst Analysten, die wegen des Konflikts in Nahost nach dem gegenwärtigen Stand keine greifbaren Gefahren für die Ölversorgung sehen, argwöhnen, daß dem Markt im weiteren Verlauf des Sommers noch einiges bevorsteht.
Wirbelstürme im Südatlantik befürchtet
Dabei beziehen sie sich vor allem auf Prognosen von Meteorologen, die für die nächsten drei bis vier Wochen eine ganze Reihe von Wirbelstürmen im Südatlantik befürchten, die in den Golf von Mexiko ziehen könnten. Die meeresklimatischen Bedingungen und die großräumige Entwicklung der Windströme hätten sich so verändert, daß die Wahrscheinlichkeit von Hurrikan-Ereignissen deutlich zunehme. Damit wären die Förderstätten von Öl und Erdgas im Golf von Mexiko sowie die Raffinerien an dessen amerikanischer Küste bedroht.
So wären Produktionsausfälle zu befürchten, von denen niemand weiß, ob sie durch vermehrte Förderung in anderen Regionen der Welt ausgeglichen werden könnten. Betroffen wären vor allem schwefelarme, leicht raffinierbare Öle, deren Angebot wegen der Lieferausfälle in Nigeria ohnehin bereits begrenzt ist. Schwefelhaltigere Öle vor allem aus dem Kreis der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sind hingegen so reichlich vorhanden, daß die Anbieter mitunter Schwierigkeiten haben, es zu akzeptablen Preisen abzusetzen. Dennoch bleibt festzuhalten, daß der offizielle Opec-Preis für einen Korb eigener Ölsorten inzwischen die Marke von 70 Dollar überschritten und damit ebenfalls Rekordniveau erreicht hat.
Erforderliche Investitionen sehr hoch
Aber noch ist Öl nicht knapp. Goldman Sachs führt dies wesentlich darauf zurück, daß Ölvorkommen in allen Teilen der Welt inzwischen entgegen der bisherigen Übung bis zum letzten ausgebeutet werden. Der hohe Erlös rechtfertige die überproportional hohen Kosten des völligen Ausschöpfens der Quellen, das übrigens wiederum einen großen Energieaufwand erfordert. Die Investmentbank bezeichnet dies als kurzfristiges Phänomen, dem auf mittlere Sicht eine Anspannung der Versorgungslage folgen könne.
Alles hänge jetzt davon ab, daß neue Vorkommen rasch erschlossen und zur Förderreife gebracht werden, um vorgezeichneten Engpässen rechtzeitig zu begegnen. Die dafür erforderlichen Investitionen seien aber sehr hoch. Bei den Entscheidungen der Produzenten spiele der Umstand eine große Rolle, daß ihnen die Kosten davonliefen. Wegen dieser Kosten zögen sie seit geraumer Zeit nur noch geringen Nutzen aus dem realen Anstieg des Ölpreises.
Engpässe im Netz der russischen Ölleitungen
Raymond James geht näher auf die Lage in Rußland ein, dem mit täglich rund 9,5 Millionen Barrel nach Saudi-Arabien zweitgrößten Produzenten und bedeutenden Öllieferanten Westeuropas. Der Broker stellt fest, daß das Wachstum der Förderung von Öl, darunter zu einem großen Teil leichte Öle, seit September 2004 im wesentlichen stillsteht. Es gebe keine Hinweise darauf, daß sich dieser Zustand 2007 und danach bessere.
Dies sei Schätzungen über die Zahl der betriebenen Bohrtürme zu entnehmen, die allerdings nicht zuverlässig seien, da die Angaben hierzu offenbar wie ein Staatsgeheimnis behandelt würden. Hinzu kämen Engpässe im Netz der russischen Ölleitungen, die über die vergangenen drei Jahre hinweg zu einem bedeutenden Problem geworden seien. Die dem Export dienenden Ölleitungen befänden sich bereits am Rande ihrer Kapazitäten, so daß Rußland selbst im Falle wieder zunehmender Förderung seine Ausfuhren nicht steigern könnte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |