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Rohstoffe & Edelmetalle Von der Immobilien - zur Rohstoffblase?

21.02.2008 ·  Die Rohstoffpreise tendieren schon länger nach oben. Was sich jedoch seit einigen Wochen an den Rohstoffmärkten abspielt, läßt sich mit einer normalen Nachfrageentwicklung auf Basis des industriellen Bedarfs kaum noch erklären.

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Man mag sich nach dem Platzen der Immobilien- und Kreditblase zunächst gefragt haben, wo der nächste Boom entstehen werde. Nun wird immer klarer: Die Folgen der lockeren amerikanischen Geldpolitik und der anhaltenden Ungleichgewichte im Welthandel in Form massiv zunehmender Währungsreserven zeigen sich im Rohstoffbereich.

Die Preise von Gütern wie Soja, Öl sowie der Edelmetalle haben einen gewaltigen Auftrieb. Die Notierungen an den Terminbörsen eilen von Rekord zu Rekord.

Nimmt bei Rohstoffen mit steigendem Preis die Nachfrage zu?

Die Nachfrage nach den Gütern mag aus strukturellen Gründen längerfristig zunehmen. Was sich allerdings seit einigen Wochen abspielt, dürfte sich mit einer normalen Nachfrageentwicklung kaum noch erklären lassen.

Normalerweise geht die Nachfrage nach einem Produkt zurück, wenn der Preis steigt. Die Preis-Nachfrage-Reaktion liefe folgendermaßen ab: Da der Preis steigt, versucht der Käufer den Verbrauch einzuschränken oder er sucht nach Alternativen. Aus diesem Grund würde die Nachfrage nachlassen, was den Preisauftrieb dämpfen würde.

Vieles deutet im Moment auf das Gegenteil hin. Die Nachfrage steigt um so stärker, je rascher der Preis nach oben läuft. Dafür sind einerseits so genannte Trend-Folgesysteme verantwortlich, die auf bestehende Trends aufspringen - unabhängig davon, in welche Richtung sie führen und aus welchen Gründen sie entstanden sein mögen. Auf der anderen Seite kommt die Nachfrage von Exchange Traded Commodity Funds, die die Preisentwicklung einzelner Rohstoffe oder von Rohstoffgruppen nachbilden.

Die Konsequenzen zeigen sich am Beispiel des Platins: In den vergangenen Wochen haben die Bestände in den Lagern dieser Fonds rasch zugenommen (siehe Chart). Auf diese Weise wird die in den Minen geförderte Menge Platin, die aufgrund der Energieknappheit und einer reduzierten Minenproduktion in Südafrika schon vermindert werden mag, noch rascher aufgesogen, als von industrieller Seite alleine. Letztlich wird so das physische Angebot auf dem Markt künstlich verknappt und der Preis nach oben getrieben.

Steigt der Preis, weil die Nachfrage da ist - oder nimmt die Nachfrage zu, weil der Preis durch die Decke geht?

Waren die Gebrüder Hunt vor Jahren verurteilt worden, nachdem sie den Silbermarkt mit umfangreichen Käufen „gecornert“ beziehungsweise monopolisiert hatten, so sind die Käufe der Rohstoff-Fonds völlig legal, obwohl sie den Markt beeinflussen. Wer sollte Anleger davon abhalten, sich Platin oder andere Edelmetalle und Rohstoffe zumindest indirekt ins Depot zu legen?

Gegenwärtig tendieren neben den Preisen physisch knapper Bodenschätze auch die der Agrargüter nach oben. Die Lagerbestände seien gering, die Nachfrage nehme zu und die Produktionsmöglichkeiten seien begrenzt, heißt es auch hier. Das führe zu einem länger anhaltenden Preisauftrieb. Solche Argumente mögen kurzfristig zutreffen. Mittel- und längerfristig ist jedoch der technologische Fortschritt nicht zu unterschätzen. Er trug schon in den vergangenen Jahrzehnten dazu bei, dass Malthus und der Club of Rome mit ihren Weltuntergangs- und Knappheitsthesen widerlegt wurden: Zumindest bisher konnte die Nahrungsmittelproduktion bei abnehmender Fläche gesteigert werden.

Fakt ist allerdings, dass Rohstoffe und Energie die Grundlage für viele Produktions- und Dienstleistungsunternehmen sind. Steigen ihre Preise, treiben sie die Produktionskosten nach oben. Diese müssen früher oder später weitergegeben werden. Auf diese Weise werden hohe Rohstoffkosten früher oder später beim Konsumenten ankommen. In diesem Sinne sind sie die Folge einer zu hohen Liquidität und können als Alternative zu herkömmlichen Inflationskennzahlen dienen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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