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Rohstoffe Edelmetalle am Scheideweg

04.09.2006 ·  Spekulanten sind auf den Edelmetallmärkten nach wie vor stark engagiert. Vorsicht ist angebracht: Gold, Silber, Platin und Palladium erholen sich derzeit zwar leicht, doch nur Platin gilt als solide abgesichert. Deutliche Preisrückgänge drohen.

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Die Preise für Edelmetalle treten seit Wochen auf der Stelle. Diese Erkenntnis ist aber nur ein Teil der Wirklichkeit. Der andere und vielleicht wesentlich bedeutsamere lautet, daß sie sich dicht vor einem charttechnischen Abgrund herumhangeln.

Eine Ausnahme unter den börsengehandelten Edelmetallen bildet Palladium, das sich leicht nach oben bewegt. Gegenwärtig herrschen zwar auch bei Gold, Silber und Platin leichte Erholungstendenzen, doch verfolgen die Analysten das Verhalten dieser Märkte mit großer Spannung und Vorsicht.

Netto-Kaufpositionen „bis zum Anschlag“

Als Lösung des gegebenen Zustands bietet sich ihrer Ansicht nach nur eine fortschreitende Stabilisierung mit einem möglichen Anstieg oder aber ein weitreichender Einbruch an. Um auszuloten, nach welcher Seite sich die Waage neigen könnte, greifen die Analysten unter anderem auf die amtlichen Statistiken an den amerikanischen Terminmärkten für die Edelmetalle zurück. Hier stellen sie fest, daß sich die vier börsengehandelten Edelmetalle bei großen Spekulanten seit geraumer Zeit herausragender Beliebtheit erfreuen.

Phasenweise verfügten sie in allen Fällen „bis zum Anschlag“ über Netto-Kaufpositionen. Nach dem Stand vom 22. August hielten sie bei Platin 52 Prozent aller offenen Positionen, bei Palladium 40 Prozent, bei Gold 31 Prozent und bei Silber 26 Prozent. Die in der Vergangenheit verzeichneten höchsten Anteile lagen, in der genannten Reihenfolge, bei 73, 60, 49 beziehungsweise 57 Prozent. Die zuletzt bei Platin und bei Palladium ermittelten Anteile sind die höchsten unter allen börsengehandelten Terminkontrakten, Kaffee und schlachtreife Schweine eingeschlossen.

Kaum Neues auf der fundamentalen Seite

Die für die Edelmetalle geltenden Werte lassen aus technischer Sicht nur einen Schluß zu: Diese Märkte stehen unverändert hoch in der Gunst der Haussiers und müssen als von diesen „übervölkert“ betrachtet werden. Platin am stärksten, Silber am wenigsten, doch immerhin noch beachtlich stark. Es bleibt aus technischer Sicht die Erkenntnis, daß mit den gehaltenen spekulativen Kaufengagements ein enorm hohes Verkaufspotential bei den Edelmetallen besteht. Kaufpositionen an den Terminbörsen werden fast ausschließlich durch Gegengeschäfte (Verkäufe), nicht aber durch Andienung physischer Ware aufgelöst.

Die Beurteilung der technischen Bedingungen bei den Edelmetallen ist in der gegenwärtigen Phase von herausragender Bedeutung, weil auf der fundamentalen Seite keine besonderen Aspekte Einfluß auf die Preisbildung nehmen. Dieser Mangel an Anregungen kann seinerseits schon als Faktor angesehen werden, der mit fortschreitender Zeit das bei der Großspekulation ruhende Verkaufspotential freizusetzen droht. Nach Darstellung von Händlern ist es im wesentlichen bei dem seit Monaten herrschenden Zustand geblieben, daß die Edelmetallpreise an den jeweiligen Terminbörsen gemacht werden und daß die einschlägigen physischen Märkte unter meist sehr geringen Umsätzen nur folgen.

Platinmarkt 2007 wieder im Gleichgewicht?

Unter fundamentalen Gesichtspunkten gilt Platin seit langem als das am solidesten untermauerte Edelmetall. Eine lange Serie jährlicher Produktionsdefizite hat die verfügbaren Vorräte auf ein extrem niedriges Niveau sinken lassen. Die Hauptverwendungsbereiche sind die Herstellung abgasentgiftender Katalysatoren und die Schmuckproduktion. Doch spätestens seit 2005 ist festzustellen, daß der hohe Platinpreis die Nachfrage in beiden Sektoren dämpft. Die Verarbeiter weichen zunehmend auf das billigere Palladium aus. Es ist reichlich vorhanden. Hier führt Rußland die kleine Riege der Produzenten an, während bei Platin Südafrika das bedeutendste Förderland ist.

Manche Fachleute halten es für möglich, daß am Platinmarkt 2007 erstmals seit fast zehn Jahren wieder ein Gleichgewicht zwischen Bergbauproduktion und Bedarf entsteht. Andere halten dies für zu optimistisch. Zu Silber heißt es in Fachkreisen, die zurückliegenden zyklischen Höchstpreise hätten hier wie auch bei Gold umfangreiche Verkäufe aus Horten und von silberhaltigen Gegenständen zum Einschmelzen bewirkt. Dieses zusätzliche Angebot müsse der Markt erst noch ganz verkraften. Zudem wird darauf hingewiesen, daß die Gewinnung von Kupfer, aber auch von Blei und Zink deutlich zunimmt. Dabei fällt Silber als Nebenprodukt an. Nicht zuletzt wächst die Produktion aus reinen Silberbergwerken.

Nachfrage nach Goldschmuck rückläufig

Zur Lage am Goldmarkt erklären Analysten, sein Preis müsse wohl noch deutlich weiter sinken, um die physische Nachfrage wieder richtig aufleben zu lassen. Häufig ist in Marktbetrachtungen der Hinweis zu finden, zu dieser Jahreszeit nehme der Bedarf der Schmuckhersteller für das Weihnachtsgeschäft merklich zu.

Dies erweckt den Eindruck, als müßte man nur kaufen, um es den Schmuckherstellern wenig später zu höheren Preise weiterverkaufen zu können. In Wirklichkeit deckt die Schmuckindustrie große Teile ihres Goldbedarfs im Rahmen längerfristiger Verträge. An den freien Markt tritt sie nur heran, um Bedarfsspitzen zu decken. Daß solche Spitzen in den nächsten Wochen überhaupt entstehen, wird vielerorts bezweifelt, denn die Nachfrage nach Goldschmuck ist wegen des noch immer vergleichsweise sehr hohen Preises schon seit fast zwölf Monaten rückläufig.

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