18.02.2010 · Bei Rohstoffen setzen Analysten 2010 im Schnitt auf weiter steigende Preise. Doch Direktinvestments sind für Privatanlegern schwierig. Rohstoffaktien scheinen oft die bessere Alternative zu sein.
Nach der scharfen Preiskorrektur im Zuge der Kreditkrise ging es 2009 mit den meisten Rohstoffpreisen wieder nach oben. Geholfen hat unter anderem die Nachfrage aus China. So stand das Reich der Mitte für 11,8 Millionen des weltweit insgesamt 28,7 Millionen Tonnen betragenden Aluminiumverbrauchs. Bei Nickel stieg der Anteil an der globalen Nickelnachfrage von knapp 24 Prozent auf 43 Prozent.
Am besten schnitten auf der Preisseite Kupfer mit einem Plus von 140 Prozent und Blei mit einem Plus von 143 Prozent ab. Der Zuckerpreis explodierte im Jahresverlauf sogar um 170 Prozent. Der Reuters/Jefferies-CRB-Rohstoffindex verzeichnete einen Anstieg von 24 Prozent. Unter dem Strich bedeutet das für den Rohstoffsektor das beste Jahr seit 1974.
Analysten setzen 2010 auf weiter steigende Preise
Wenn es nach den Analysten geht, soll es 2010 noch besser laufen. Die Preise für Öl, Mais, Gold und Palladium sollen in diesem Jahr um bis zu 17 Prozent steigen. Für den S&P GSCI Enhanced Total Return Index, der sich aus 24 Rohstoffen zusammensetzt, prognostiziert die amerikanische Bank Goldman Sachs ein Plus von 17,5 Prozent. Das übertrifft den erwarteten Anstieg von 11 Prozent für das Börsenbarometer Standard & Poor's 500 ebenso wie den prognostizierten Ertrag zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen, der sich den Prognosen zufolge auf 2,8 Prozent belaufen soll. Damit würden Rohstoffe erstmals seit drei Jahren höhere Erträge als Aktien bringen.
Die Zuversicht basiert unter anderem auf dem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) auf 3,1 Prozent veranschlagten Wachstum für die Weltwirtschaft. Auch der IWF selbst geht in diesem Jahr, aber auch langfristig von weiter steigenden Preisen aus. Grund sei die zunehmende Industrialisierung der Schwellenländer, die zu einer stärkeren Nachfrage führe. Um den wachsenden Bedarf zu decken, sei bei vielen Rohstoffen ein Ausbau der Produktion notwendig, was wiederum mit höheren Förderkosten verbunden sein werde. Bei einigen Rohstoffen - etwa Kupfer und Aluminium - hat sich der Anteil von Schwellenländern am globalen Verbrauch seit 1993 von rund einem Drittel auf nunmehr rund 60 Prozent annähernd verdoppelt.
Häufige Rollverluste sind ein echtes Manko
Trotz dieser fundamentalen Pluspunkte ist davon auszugehen, dass die jüngsten Preissteigerungen vielfach von den Käufen von Finanzinvestoren ausgelöst wurden. Die Analysten von Barclays Capital gehen davon aus, dass diese Mittelzuflüsse 2010 ein neues Rekordniveau erreichen werden. Im abgelaufenen Jahr hatten sie mit rund 60 Milliarden Dollar einen Höchstwert erreicht.
Allerdings haben diese Investments nicht ausgereicht, um den Rohstoffen im Schnitt eine bessere Wertentwicklung als Aktien zu bescheren. Erst recht gilt das, wenn man noch die erlittenen Rollverluste berücksichtigt. So reichte es beim DJ-UBS-Rohstoffindex im Vorjahr unter dem Strich nur zu einem Kursgewinn von rund 13 Prozent, was über 20 Prozentpunkte unter dem Brutto-Wertzuwachs liegt.
Das ist eine Auswirkung der sogenannten Rolleffekte. Diese entstehen, wenn ein Terminkontrakt auf einen Rohstoff ausläuft. Bei Verlängerung ist der neue Kontrakt meist teurer. Das kostet den Anleger Geld, zumal Lager- und Finanzierungskosten sowie Versicherungsprämien vom Käufer bezahlt werden müssen. Analysten zufolge werden die Rollverluste beim DJ-UBS-Rohstoffindex 2010 von rund 7,5 Prozent betragen. Eine geringere Rolle spiele dieser negative Effekt derzeit dagegen bei Soja, Kupfer, Nickel, Gold und Silber. Beim Zucker winkten sogar Rollgewinne.
Rohstoffaktien die bessere Alternative
Zu beachten sind auch die teilweise hohen Lagerbestände. Echte Knappheiten sind derzeit in den seltensten Fällen zu beobachten. Lagerbestände und Terminkurven signalisieren für viele Rohstoffen vielmehr immer noch einen überversorgten Markt. Deshalb wird es darauf ankommen, ob die Konjunkturdaten die Hoffnungen erfüllen, die schon in den Rohstoffpreisen enthalten sind. Ansonsten kann es auch zu Enttäuschungen kommen.
Diese Situation und die Rollproblematik machen das Investieren in physische Rohstoffe speziell in diesem Jahr für Privatanleger nicht leicht. Zwar gibt es vereinzelt Produkte, bei denen Rollverluste angeblich nicht auftreten. Aber diese haben dann in der Regel anderswo höhere Kosten. Oft sind diese Produkte auch nicht leicht zu verstehen. Wer den Rohstoffsektor spielen will, fährt deshalb als Privatanleger mit ausgewählten Rohstoffaktien oft besser.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58 % |
| Silber | 33,48 $ | +0,90 % |
| Platin | 1.637,00 $ | +1,55 % |
| Palladium | 695,00 $ | +2,36 % |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08 % |
| Gas | 0,57 £ | −1,39 % |
| Kaffee | 2,00 $ | +0,03 % |
| Zucker | 0,25 $ | +0,53 % |
| Orangensaft | 1,88 $ | +1,79 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |