An den Rohölmärkten geben die Preise weiter nach: Gemessen an den Höchstständen im März dieses Jahres sind die Preise mittlerweile um 30 Prozent gesunken. Das macht Tanken für Autofahrer wieder etwas günstiger. Im Frühjahr mussten sie hierzulande an den Tankstellen noch Rekordpreise zahlen.
Nach Angaben des Automobilclubs ADAC haben die Tankstellenpreise am Donnerstag gegenüber dem Mittwoch allerdings wieder zugelegt: So kostete am Donnerstag ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt 1,546 Euro, für einen Liter Diesel waren es 1,40 Euro. Kritiker der Mineralölindustrie bemängeln, dass Ölpreissenkungen stets erst mit einer Verzögerung an die Tankstellenkunden weitergegeben werden. Ölpreisanstiege hingegen führten umgehend zu höheren Spritpreisen.
Vieles spricht für einen sinkenden Ölverbrauch in Europa
Wegen der gesunkenen Preise für Heizöl entscheiden sich nun viele Kunden, ihre Tanks wieder zu füllen. Etwa ein Drittel aller Haushalte in Deutschland nutzt Heizöl. Die hohe Nachfrage führe allerdings in manchen Regionen zu längeren Lieferzeiten von bis zu vier Wochen, berichtet Klaus Bergmann vom Internetanbieter Esyoil. „Besonders in Bayern wird das Heizöl knapp - wegen der hohen Nachfrage, aber auch wegen der Insolvenzproblematik und Minimalproduktion einer Raffinerie in Ingolstadt.“ In anderen Teilen Deutschlands sei die Heizölversorgung deutlich besser, niedrigere Preise inklusive: „Viele Haushalte kaufen wieder größere Mengen an Heizöl, wegen des warmen Wetters sind die längeren Lieferzeiten kein Problem.“
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Für den Ölpreisrückgang gibt es mehrere Gründe: Zum einen deuten negative Konjunkturaussichten auf einen geringeren Ölverbrauch auf der Welt hin. Außerdem ist das Ölangebot gestiegen. Ebenso hat das Interesse der spekulativ orientierten Finanzanleger nachgelassen, an den Rohstoffbörsen auf steigende Ölpreise zu setzen. Am Donnerstag kostete Nordseeöl der Sorte Brent zeitweise nur 91 Dollar je Barrel (das entspricht 159 Liter). Zum Vergleich: Anfang März war der Brent-Ölpreis noch auf bis zu 128 Dollar geklettert. Nun liegen die Brent-Preise so niedrig wie seit 18 Monaten nicht mehr. Auch amerikanisches Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) ist deutlich günstiger geworden. Der Preis fiel am Donnerstag unter die Marke von 80 Dollar je Barrel und pendelte am Abend um die 80-Dollar-Marke.
Der Preisrückgang für Rohöl verstärkte sich am Donnerstag, nachdem am Vortag die amerikanische Notenbank Federal Reserve einen skeptischen Bericht über die Konjunkturlage und den Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten geliefert und weitere geldpolitische Hilfen ankündigt hatte. Amerika ist der größte Ölverbraucher der Welt. Derweil sind die Öllagerbestände in den Vereinigten Staaten auf den höchsten Stand seit 22 Jahren gestiegen. Die Ölförderung im eigenen Land ist stark ausgeweitet worden, das zusätzliche Angebot drückt die Preise. Zudem kamen aus China - nach Amerika ist das Land der zweitgrößte Ölverbraucher der Welt - zuletzt Konjunkturdaten, die ein Nachlassen der Wirtschaftsdynamik des asiatischen Landes anzeigen. Derweil verschärft sich in Europa die Schuldenkrise. Vieles spricht für einen sinkenden Ölverbrauch in Europa, der allerdings schon seit Jahren in Westeuropa rückläufig ist.
Seit Anfang Juli Importstopp für iranisches Öl in der EU
In den ersten Monaten dieses Jahres trieben besonders die Iran-Krise, eine hohe Ölnachfrage in Asien und das Anlegerinteresse die Ölpreise. Zu einer größeren Lieferunterbrechung ist es allerdings nicht gekommen. Iran ist nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Ölanbieter in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Wegen des Atomstreits zwischen dem Westen und Iran gilt von Anfang Juli an ein Importstopp für iranisches Öl in der Europäischen Union.
Opec-Anbieter wie Saudi-Arabien hatten in den vergangenen Monaten ihre Förderung deutlich erhöht und damit für ein steigendes Ölangebot gesorgt. Die Opec, die für 40 Prozent des Ölangebots auf der Welt sorgt, hatte auf ihrem Treffen in Wien in der vergangenen Woche entschieden, die Fördermenge unverändert bei 30 Millionen Barrel je Tag zu belassen. Allerdings liegt die Opec über dieser Marke und fördert derzeit knapp 32 Millionen Barrel Öl am Tag.
Euro
Peter Hausberger (compert)
- 22.06.2012, 15:31 Uhr
Wollte da nicht die BReg. aktiv werden?
Claus Behrens (chipin)
- 22.06.2012, 15:02 Uhr
Da wird doch der gemeine Verbraucher weiterhin über den Tisch gezogen
Closed via SSO (KarlMariaNapp)
- 22.06.2012, 14:14 Uhr