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Baufinanzierung

Rohstoffe Die neue Welt des Rohöls

Die Vereinigten Staaten werden in wenigen Jahren Saudi-Arabien als den größten Ölproduzenten abgelöst haben. Dies hat Auswirkungen für Anleger.

© dapd Vergrößern Mit der Fracking-Technologie holen Förderanlagen in den Vereinigten Staaten immer mehr Rohöl aus dem Boden.

Das Geschäft läuft gut im Bakken-Ölfeld im amerikanischen Bundesstaat North Dakota. Auch im Eagle-Ford-Feld im Süden von Texas sind die Ölarbeiter besonders fleißig und holen mit der Fracking-Technologie immer mehr Rohöl aus dem Boden. So kletterte die Ölproduktion im Eagle-Ford-Ölfeld innerhalb von drei Jahren von beinahe null auf rund 310.000 Barrel (je 159 Liter) am Tag in diesem Sommer.

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Mit Fracking - dem Einpressen eines Gemisches aus Sand, Wasser und Chemikalien in den Boden - gelingt es den Vereinigten Staaten innerhalb der kommenden Jahre, Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten abzulösen. Das hat jedenfalls kürzlich die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert. Spätestens 2017 werde Amerika dank dieser Fördertechnik die bisherigen Spitzenreiter übertrumpfen.

Wandel am Rohstoffmarkt

Ob die IEA, die führende Industrieländer in Energiefragen berät, mit ihrer Einschätzung richtigliegt, wird sich noch zeigen. Sicher ist: Am Rohstoffmarkt findet ein Wandel statt. Das hat weitreichende Implikationen für die globale Politik, den Handel mit Rohöl sowie das Agieren der Anleger an den Finanzmärkten. „Es ist ein großer Umbruch“, sagt Norbert Rücker, Leiter der Rohstoffabteilung der Schweizer Bank Julius Bär.

Infografik / Ölmacht Amerika © F.A.Z. Vergrößern 2011 wurden in den Vereinigten Staaten bereits 10,1 Millionen Barrel Öl am Tag gefördert

Zum einen werden sich die Vereinigten Staaten unabhängiger von Ölimporten machen. Das bedeutet, dass führende Öllieferanten wie Saudi-Arabien Einfluss auf dem amerikanischen Energiemarkt einbüßen. Die Vereinigten Staaten sind und bleiben das Land mit dem größten Ölverbrauch auf der Welt, auch wenn Chinas Ölbedarf stetig wächst. Wegen des Überangebots an Öl in den Vereinigten Staaten sind dort die Preise stärker unter Druck geraten als zum Beispiel in Europa. Amerikanisches Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostet rund 86 Dollar je Barrel. Für die europäische Sorte Brent sind es 109 Dollar je Barrel.

„Die Idee, dass Öl ständig knapper und teurer werden muss, ist aus der Mode geraten“

Analyst Rücker geht davon aus, dass sich nicht nur der hohe Preisabstand zwischen Brent und WTI bis Mitte 2013 wieder auflösen sollte. Er erwartet sinkende Ölpreise wegen des höheren Angebots sowie der Konjunkturschwäche. Für Anleger hätte dies Konsequenzen. Denn viele Investoren am Rohstoffmarkt setzen auf langfristig steigende Ölpreise. „Die Idee, dass Öl ständig knapper und damit teurer werden muss, ist aus der Mode geraten“, sagt Analyst Rücker. Seiner Einschätzung nach schwächt sich „die strukturelle Aufwärtsphase zunehmend ab, und in Zukunft sollten Rohstoffe wieder von kurzfristigeren, zyklischen Preisschwankungen geprägt sein“. Investoren sollten sich auf dieses neue Marktumfeld einstellen. Banken wie Julius Bär prognostizieren bis Ende 2013 einen Ölpreis für die Sorte Brent in Höhe von 100 Dollar und für WTI von 95 per Fass.

Nicht nur Banken und Hedgefonds legen Geld am Rohstoffmarkt an. Auch Privatanleger können über börsennotierte Wertpapiere in Rohstoffe wie Öl investieren. Es gibt zudem Zertifikate, die den Ölpreis abbilden. Dabei sind solche Rohstoffanlagen deutlich riskanter als zum Beispiel die Geldanlage am Aktienmarkt, weil die Preise für Rohstoffe in der Regel viel stärker schwanken.

Wenn Öl billiger wird, können Unternehmen günstiger produzieren

Wenn nun allen voran die amerikanischen Ölkonzerne mehr Öl produzieren und verkaufen werden, sollte dies ihre Geschäfte verbessern und damit auch die Aktionäre erfreuen, argumentiert Rücker. „Doch die Zeit der Supergewinne in der Branche der Ölkonzerne scheint vorüber.“ Sollte der Ölpreis weiter sinken, verschlechtern sich die Gewinnaussichten der Anbieter. Ohnehin leiden die westlichen Ölkonzerne schon länger darunter, dass es immer schwieriger wird, neue Ölquellen außerhalb Amerikas zu erschließen. Staatlich kontrollierte Ölkonzerne bauen derweil ihren Einfluss rund um die Welt aus. Rohstoff-Nationalismus liegt im Trend.

Die günstigere Energieversorgung in den Vereinigten Staaten wirkt allerdings stimulierend für viele andere Branchen. Unternehmen können günstiger produzieren als in Europa, wo Öl und Gas deutlich teurer sind. So hat etwa die Chemiebranche in Amerika Vorteile. „Auch die Raffinerien in vielen Regionen der Vereinigten Staaten stellen sich besser“, sagt Ölfachmann Steffen Bukold von dem Beratungsbüro Energycomment. Die Raffinerien könnten ihre Produkte weltweit zu niedrigeren Kosten herstellen. Für Europa sind die Aussichten weniger gut: Nicht nur, dass die Unternehmen hier höhere Energiekosten zu tragen haben - auch mit einer höheren Ölförderung zum Beispiel in der Nordsee ist nicht zu rechnen. Die Felder liefern schon seit Jahren stetig weniger Öl.

Fachleute sind allerdings skeptisch, ob Amerikas Ölboom langfristig anhält. Die Obama-Regierung könnte die Umweltauflagen verschärfen. Auch ist nicht ausgemacht, ob der Spritverbrauch in dem Land stark sinken und damit weniger Öl nötig werden wird. Zu niedrig dürften die Ölpreise nicht sinken, sonst lohnt die aufwendige Fracking-Technik nicht mehr. Allerdings: Geben die Ölpreise auf der Welt deutlich nach, könnte die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) ihr Angebot kürzen und die Preise stabilisieren. „Richtig ist, dass die Ölförderung in den Vereinigten Staaten einen Boom erlebt“, sagt Bukold, „er ebbt aber schon im nächsten Jahrzehnt wieder ab.“ Die IEA hatte ebenfalls in ihrer Prognose darauf hingewiesen, dass die Vereinigten Staaten lediglich für einige Jahre Saudi-Arabien übertrumpfen könnten. Ab dem Jahr 2020 sei aber wohl wieder damit zu rechnen, dass die alte Machtverteilung gelte und Saudi-Arabien abermals der führende Produzent sei.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 16.11.2012, 16:10 Uhr


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