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Rohstoffe Die Charts mahnen beim Ölpreis jetzt zur Vorsicht

25.09.2009 ·  Der Ölpreis hat wegen hoher Lagerbestände und Konjunkturzweifel deutlich an Boden verloren. Optimisten wie die Analysten von Goldman Sachs glauben trotzdem an wieder steigende Preise. Doch der verletzte charttechnische Aufwärtstrend spricht dagegen.

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Der Ölpreis hat am Freitag nach Veröffentlichung negativer amerikanischer Wirtschaftsdaten weiter nachgegeben. Die Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter waren im August deutlich gefallen. Analysten hatten dagegen mit einem leichten Anstieg gerechnet. Daraufhin setzten die Öl-Futures ihren Abwärtstrend des Vortags fort, erholten sich aber im Handelsverlauf wieder, wozu auch ein unerwartet deutlicher Anstieg des amerikanischen Verbrauchervertrauens beitrug. Außerdem erwies sich die Aussage des amerikanischen Präsidenten Barack Obama als Preisstütze, wonach der Iran seit Jahren heimlich an einer weiteren Nuklearanlage zur Anreicherung von Uran arbeite, die kurz vor der Fertigstellung sei.

Gegen 17.00 Uhr sank der führende Novemberkontrakt für Rohöl der Sorte Brent an der ICE in London leicht um 0,07 Dollar auf 64,75 USD/Barrel. Ein Barrel (159 Liter) US-Öl WTI kostete 65,55 Dollar. Gasöl zur Lieferung im November fiel um 5,25 Dollar auf 542,3 Dollar je Tonne. Am Donnerstag hatte der Rohölpreis einen starken Abschlag verzeichnet. Verantwortlich dafür waren die schwachen Daten zu den amerikanischen Hausverkäufen sowie die hohen Lagerbestände für Benzin und Rohöl, welche Zweifel an einer möglichen Erholung der Treibstoffnachfrage aufkommen ließen. Ohne Hoffnung auf sinkende Lagerbestände gebe es wenig, was den Ölpreis von einem Fall auf etwa 60 Dollar je Barrel hindern könnte, sagte ein Händler.

Verletzter charttechnischer Aufwärtstrend

Dagegen erwarten Analysten von Goldman Sachs, dass sich der Ölpreis aufgrund der steigenden Nachfrage bei gleichzeitig sinkenden Produktionsmengen wieder erholen wird. Sie halten an ihrer Prognose fest, dass der Ölpreis bis zum Jahresende auf 85 Dollar steigen und im kommenden Jahr durchschnittlich bei 90 Dollar liegen werde. Auch nach Ansicht der Investmentbank Barclays Capital wird die Erholung der Weltkonjunktur die Nachfrage nach Rohstoffen weiter ankurbeln. Deshalb raten die dortigen Analysten unter anderem zu Investments in Rohöl.

Auch sonst gibt es einige Marktteilnehmer, die eher mit wieder steigenden Preisen rechnen. Doch charttechnisch betrachtet hat sich die Ausgangslage für den Ölpreis nach dem jüngsten Kursrutsch deutlich verschlechtert. Durch den zwischenzeitlich erreichten tiefsten Stand seit acht Wochen haben wie Chartexperte Wieland Staud von Staud Research erläutert, die Bären nach dem Bruch des seit Januar bestehenden Aufwärtstrends jetzt wieder das Zepter übernommen. Die nächste nennenswerte Unterstützung sei erst im Bereich von 55 Dollar zu finden und es sei auch zu erwarten, dass sich die Preise nun erst einmal in diese Richtung orientierten. Gebannt sich die jüngst generierten Chartgefahren dagegen erst bei einem Wiederanstieg auf über 87 Dollar. Zur Erinnerung: Der Ölpreis pendelt seit Monaten zwischen 65 und 75 Dollar. Im Juli 2008 lag der Preis noch bei einem Rekord von 147 Dollar, ehe die Finanzkrise zu einem Einbruch auf 32 Dollar im Dezember führte.

Tauziehen zwischen Bullen und Bären

Doch nicht nur Charttechniker wie Staud mahnen zu einer gewissen Vorsicht, auch fundamental orientierte Analysten sehen teilweise Risiken. So dürfte sich nach Ansicht der Commerzbank der jüngste Preisrückgang fortsetzen. Zur Begründung wird auf die außerhalb Chinas nach wie vor schwache Nachfrage verwiesen. Gleichzeitig nehme aber das Angebot zu. Wie die Beratungsfirma Oil Movements berichtet habe, seien die OPEC-Lieferungen in den vier Wochen zum 10. Oktober um 160 Tausend Barrel pro Tag oder um 0,7 Prozent im Vergleich zu den vorherigen vier Wochen gestiegen. Die freien Kapazitäten und die hohen Preise verleiteten die OPEC-Mitglieder offensichtlich dazu, mehr Öl zu fördern als vereinbart.

Die Ausgangslage ist wegen der geschilderten Meinungsvielfalt unter den Branchenexperten derzeit sehr spannend. Charttechnisch gesehen spricht derzeit dabei mehr für fallende Preise, doch negative Entwicklungen in Sachen des mit dem Iran ausgefochtenen Atomstreits könnten auch schnell wieder für steigende Notierungen sorgen. Aber für Privatanleger ist es ohnehin wegen der vielen unsicheren Variablen und der Problematik von Rollverlusten bei der Verlängerung der zu Grunde liegenden Terminkontrakte ohnehin nicht ratsam, sich in Öl-Zertifikaten zu engagieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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