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Rohstoffe Diamanten verlieren an Glanz

20.02.2009 ·  Die Preise für die edlen Steine fallen, die Nachfrage sinkt. Nun will der weltweite Marktführer De Beers aus Südafrika die Produktion drastisch drosseln. In den Preisen wird sich dies jedoch frühestens im nächsten Jahr niederschlagen.

Von Claudia Bröll, Johannesburg
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Für Heiratswillige mag es eine gute Nachricht sein, für die Industrie kommt es einer Hiobsbotschaft gleich. Diamanten werden in diesem Jahr deutlich billiger. Marktkenner wie Chaim Even-Zohar von der israelischen Tacy Consultants rechnen mit einem Rückgang der Preise für Rohdiamanten um bis zu 60 Prozent. In der zweiten Hälfte vergangenen Jahres sanken die Preise bereits um 15 bis 20 Prozent und erreichten damit wieder das Niveau vom Jahresanfang. Die Branche setzt im Jahr knapp 14 Milliarden Dollar um.

Anders als den Goldschürfern setzt der Diamantenbranche die internationale Wirtschaftskrise schwer zu. Diamanten werden im Gegensatz zu Gold kaum zu Investitions- oder Hedgingzwecken gekauft, sondern sind Luxusartikel, für die sich in Rezessionszeiten verständlicherweise nur noch wenige begeistern.

Dies spiegelt sich beispielsweise in den Aktienkursen börsennotierter Minenhäuser wie Rockwell Diamonds, BRC Diamond oder Trans Hex, die innerhalb eines Jahres um 80 bis 100 Prozent eingebrochen sind. Marktführer De Beers ist nicht börsennotiert. Mit einer schnellen Erholung wird nicht gerechnet. Obwohl De Beers die Produktion drastisch drosseln will, erwartet der Konzern erst an Weihnachten 2010 wieder steigende Preise.

Die Krise kam überraschend

„Diese Krise hat uns völlig überraschend getroffen. Im September noch konnten wir die Diamanten nicht schnell genug aus der Erde holen, um die Nachfrage zu decken“, sagte Marketingdirektor von De Beers, Stephen Lussier, vor kurzem auf einer Branchenkonferenz in Kapstadt. Bei der ersten Verkaufsveranstaltung von De Beers in diesem Jahr - einer der zehnmal im Jahr stattfindenden „Sights“ für einen kleinen, ausgewählten Kundenkreis - lag der Umsatz Schätzungen nach so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Traditionell signalisiert der Verkaufserfolg des ersten „Sight“ die Tendenz für die kommenden sechs Monate. Vor allem in den Vereinigten Staaten, wo knapp die Hälfte aller Diamanten auf der Welt abgesetzt werden, in Europa und Japan machen sich die wirtschaftlichen Nöte bemerkbar. Tiffany's meldete einen Rückgang der Weihnachtsverkäufe in Amerika in diesem Jahr um 35 Prozent.

Lagerbestände von 50 Milliarden Dollar

Even-Zohar schätzt, dass sich zwischen Produzenten und Endkonsumenten mittlerweile Lagerbestände in einem Wert von 50 Milliarden Dollar aufgebaut hätten. In der Folge reduzierten die Bergwerksunternehmen drastisch die Produktion. Kleinere Unternehmen legten den Betrieb in den Minen vorübergehend ganz still. De Beers kündigte einen deutlich geringeren Ausstoß an, ohne Zahlen zu nennen.

Zu Minenschließungen soll es jedoch nicht kommen. Ein Drittel der Belegschaft in Südafrika wird voraussichtlich entlassen, auch in den Minen in Botswana, Namibia, Kanada und in der Londoner Unternehmenszentrale steht Personalabbau bevor. „Anders als in der Bekleidungsindustrie, wo die Preise gesenkt werden müssen, um die Bestände abzubauen, haben wir den Vorteil, dass wir die Steine einfach in der Erde lassen können“, sagte Lussier.

Nachfrage wird weiter sinken

Aus Sicht der Marktexperten von RBC Capital Markets wird diese Verknappung des Angebots aber wohl erst Ende 2010 wieder zu einer Erholung der Preise führen, wenn der Nachfragerückgang gestoppt sei. Angesichts der schwierigen Marktlage erwägt De Beers sogar leichte Änderungen an seiner strikten, von vielen für unantastbar gehaltenen Verkaufsstrategie. Die Vermarktung über nur wenige ausgesuchte Händler, die sogenannten „sightholder“, zu bestimmten Zeitpunkten wurde in einer Zeit entwickelt, in der die Nachfrage das Angebot nach Diamanten bei weitem überstieg.

Der einstige Monopolist konnte so erheblichen Einfluss auf die Preise ausüben. Da sich die Marktlage jetzt grundlegend geändert hat, schließt es De Beers nicht mehr aus, auch einen weiteren Kundenkreis anzusprechen. „Die Vermarktungsorganisation untersucht Möglichkeiten, wie der Angebotsüberschuss auf den Markt gebracht werden kann, nachdem die Nachfrage der ,sightholder' befriedigt wurde“, hieß es auf der Konferenz.

Sollte es irgendwo auf dem Markt Liquidität geben, wolle man diese für Verkäufe nutzen. Für den Marktführer, der ungern die Kontrolle über den Markt verliert, ist dies ein großer Schritt. Er zeigt, in welcher Verfassung sich die Diamantenbranche derzeit befindet. „Wenn man durch die Hölle geht, muss man weitergehen“, erklärte De-Beers-Chairman Nicky Oppenheimer in Anlehnung an ein Zitat von Winston Churchill.

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