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Rohstoffe Deutschland ist größter Markt für Goldbarren

22.05.2009 ·  Nirgendwo auf der Welt waren Goldbarren und -münzen im ersten Quartal des Jahres so begehrt wie in Deutschland. Die Nachfrage der Anleger stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 400 Prozent auf 59 Tonnen. Inflationsangst treibt die Käufer an.

Von Judith Lembke
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Nirgendwo auf der Welt waren Goldbarren und -münzen im ersten Quartal des Jahres so begehrt wie in Deutschland. Die Nachfrage der Anleger stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 400 Prozent auf 59 Tonnen, teilte das World Gold Council, die Interessenvertretung der großen Minengesellschaften, am Mittwoch mit. Als Grund für die Käufe gab der Verband vor allem Inflationsängste an. Der zweitgrößte Goldbarren- und -münzenmarkt in den ersten drei Monaten des Jahres war die Schweiz, die im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs um 437 Prozent auf 39 Tonnen verzeichnete. An dritter Stelle folgen die Vereinigten Staaten, wo die Nachfrage um 216 Prozent auf 27,4 Tonnen stieg.

Weltweit wuchs die Goldnachfrage im ersten Quartal auf 1016 Tonnen, das sind 38 Prozent mehr als im Vorjahr und entspricht in Werten ausgedrückt einem Anstieg um 36 Prozent auf knapp 30 Milliarden Dollar. Nach Daten des World Gold Council ist das Quartalswachstum neben der erhöhten Nachfrage nach Barren und Münzen vor allem auf vermehrte Anlage in Exchange Traded Funds (ETFs) zurückzuführen. Dabei handelt es sich um börsennotierte Schuldverschreibungen, die mit dem gelben Edelmetall hinterlegt sind.

Starker Rückgang in Indien

Die Goldnachfrage aus der Industrie ging im ersten Quartal hingegen deutlich um 31 Prozent zurück, was in erster Linie auf die nachlassenden Bestellungen aus der Elektronikindustrie zurückgeführt wird. Besonders stark war der Rückgang in Indien, dem traditionell größten Goldmarkt der Welt. Gegenüber dem Vorjahr brach die Nachfrage um 83 Prozent auf nur noch 17,7 Tonnen ein.

Unterdessen kletterte der Goldpreis am Donnerstag auf mehr als 940 Dollar je Unze, den höchsten Stand seit Mitte März, nachdem er am Dienstag auf fast 915 Dollar gefallen war. "Die Stärke des Goldpreises ist beachtlich", sagte Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Seiner Ansicht nach ist der Anstieg vor allem auf eine relative Schwäche des Dollar zurückzuführen. Wolfgang Wrzesniok-Roßbach vom Edelmetallhändler Heraeus führt die Kursgewinne vor allem auf Käufe von Händlern und spekulativ orientierten Anlegern zurück. Er leitet seine Annahme daraus ab, dass es nur kleine Zuwächse beim SPDR Gold Trust gab. Die Goldbestände des größten Gold-ETF der Welt verharren seit einer Woche bei etwa 1106 Tonnen. Auch das Interesse an Barren und Münzen sei weitaus weniger stark gewesen als noch im ersten Quartal.

Auch die Rohstoffanalysten der Credit Suisse haben beobachtet, dass der positivere Konjunkturausblick der vergangenen Wochen die Goldnachfrage der Schmuckindustrie unterstützen konnte, während sich die Investitionsnachfrage etwas abgeschwächt hat. Sie halten an ihrem optimistischen mittelfristigen Ausblick für den Goldpreis fest, da wichtige Faktoren positiv bleiben beziehungsweise ins Positive drehen sollten.

Silberpreis legt ebenfalls zu

Die gute Entwicklung des Goldpreises hat auch den Silberpreis beflügelt. Der Kurs des weißen Edelmetalls stieg bis auf 14,27 Dollar je Unze, den höchsten Stand seit Mitte Februar. Neben dem schwächeren Dollar und dem steigenden Ölpreis waren vor allem positive Konjunktursignale aus den Vereinigten Staaten für den Preisanstieg verantwortlich. Aus Meldungen über einen weniger rasanten Arbeitsplatzabbau in Amerika schlossen Händler, dass eine Trendwende bei den industriell genutzten Metallen schon bald bevorstehen könnte.

Nach Ansicht von Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank, ist Silber gerade wegen seiner Zwitterrolle attraktiv, die industriemetallische (der Anteil der Industrienachfrage beträgt 64 Prozent) und edelmetallische Eigenschaften (Funktion als "sicherer Hafen") in sich vereinigt. Der Anleger könne mit einem Silber-Engagement einerseits von der Erholung der Industriemetalle profitieren, genieße andererseits jedoch den Schutz eines Edelmetalls im Falle einer weiteren Zuspitzung der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Auch die Platinmetalle könnten sich nach Ansicht von Experten weiter verteuern. Ein Indiz dafür liefert der Jahresbericht der Raffineriegesellschaft Johnson Matthey. Dort steht, dass sich das Marktdefizit bei Platin im vergangenen Jahr um 80 000 Unzen auf 375 000 Unzen ausgeweitet haben soll, weil das Angebot stärker zurückgegangen ist als die Nachfrage. Für die kommenden sechs Monate rechnet das Unternehmen mit einem Platinpreis von bis zu 1350 Dollar je Unze. Am Donnerstag notierte das Edelmetall bei 1150 Dollar, nachdem es vor einer Woche noch 50 Dollar weniger gekostet hatte.

Palladium-Angebot geht zurück

Noch stärker war 2008 der Angebotsrückgang bei Palladium. Während die Nachfrage mit einem Plus von 0,2 Prozent praktisch konstant blieb, fiel das Angebot um 15 Prozent. Dadurch verringerte sich der Marktüberschuss um 73 Prozent auf 460 000 Unzen. Wegen einer relativen Unterbewertung hält Johnson Matthey in den kommenden Monaten einen Preisanstieg von aktuell 236 Dollar auf 280 Dollar je Unze für möglich. Sollte die Investmentnachfrage jedoch einbrechen, könnte der Preis auch auf 180 Dollar sinken.

Die Rohstoffanalysten der Société Générale sind überzeugt, dass sich Palladium im Aufwind befindet. Für ein neues Hoch würde sprechen, dass die Kurse in den vergangenen Monaten einen klaren Aufwärtstrend signalisiert hätten. Da die Entwicklung des Edelmetalls jedoch sehr stark von der Automobilindustrie abhinge, könnten die aktuell eher durchwachsenen Wirtschaftsnachrichten allerdings einem weiteren Anstieg entgegenstehen.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft.

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