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Rohstoffe Der Blick auf die Rohstoffe scheint nüchterner zu werden

16.05.2006 ·  Kannten die Rohstoffpreise bis vor kurzem nur eine Richtung, so ist seit ein paar Tagen eine Korrektur im Gange. Ökonomen erwarten, daß es zu einem allmählichen Rückgang der Preise kommen wird. Manche reden von einer Blase.

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„Wer zuletzt kauft, bleibt im Regen stehen. “ So formulierte vor wenigen Tagen Murdo Murchison als Fondsmanager des Templeton Growth Fund seine Erwartungen und auch Befürchtungen mit Blick auf die jüngste Entwicklung an den Rohstoffmärkten und Börsen.

Er stellte sich damit gegen die weit verbreitete Stimmung, nach der es in diesen Bereichen trotz der zum Teil dramatisch gestiegenen Preise nur weiter nach oben gehen könne. Sie hatte in den vergangenen Tagen die Preise bei Industrie- und Edelmetallen beinahe täglich auf neue Mehrjahreshochs getrieben.

Zumindest kurzfristig sind Korrekturbewegungen im Gange

Inzwischen scheint sich allerdings das Blatt zumindest kurzfristig etwas gewendet zu haben. So haben die Preise in den vergangenen Tagen wieder nachgegeben. Hintergrund scheinen einerseits Bedenken zu sein, sie seien zu stark nach oben gelaufen. Immerhin sind sie charttechnisch zum Teil in die Vertikale übergegangen - und das läßt sich langfristig nie durchhalten. Denn erstens dämpfen schnell und stark steigende Preise die Nachfrage. Zweitens reizen sie zum Abbau von Lagerbeständen und zu einer verstärkten Produktion an.

Aus diesen Gründen kam es zumindest in der Vergangenheit nach deutlichen Preiszuwächse regelmäßig zu entsprechenden Korrekturen. Es gibt zwar inzwischen infolge der aufgekommenen Euphorie viele, die von einer „neuen Ära“ und von einem „Super-Rohstoff-Zyklus“ reden. Aber solche Aussagen dürften sehr langfristig gedacht sein und sehr wahrscheinlich deutliche Preisbewegungen in der Zwischenzeit einkalkulieren.

Ökonomen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Europa erwarten, daß es im kommenden Jahr zu einem allmählichen Rückgang der Rohstoffpreise kommen wird. „Angesichts einer schwächeren Zunahme der Nachfrage und zusätzlicher Produktionskapazitäten, die nach und nach an den Markt kommen, nachdem die langanhaltende Investitionszurückhaltung im Rohstoffsektor weitgehend aufgegeben worden ist, dürften die Rohstoffpreise im Prognosezeitraum zunehmend zur Schwäche neigen“, erklärten die Ökonomen. Dabei bestehe bei Rohstoffen, deren Preise sich deutlich von ihren fundamentalen Bestimmungsfaktoren gelöst hätten, auch das Risiko einer sehr ausgeprägten Korrektur.

Die Ölpreise würden hingegen im weiteren Verlauf dieses Jahres und im nächsten Jahr „nicht deutlich zurückgehen“. Erwartet werde 2007 ein rund zweiprozentiger Rückgang. Zwar habe sich der Nachfrageanstieg für Öl abgeschwächt, und die Vorräte seien weiter deutlich erhöht worden. Gleichzeitig hätten aber die Zuspitzung des Konflikts um das iranische Atomprogramm, Unruhen in Nigeria und verschlechterte Aussichten auf eine baldige Erholung der irakischen Ölexporte angesichts weiterhin extrem geringer Reservekapazitäten bei Ölförderung wie -verarbeitung „offenbar für einen Anstieg der Risikoprämie“ gesorgt. “In diesem Umfeld dürften die Preise im Grundsatz hoch bleiben“, sagten die AIECE-Volkswirte voraus.

Manche reden von einer Preisblase im Rohstoffbereich

Andere Stimmen formulieren ihre Einschätzung noch deutlicher. „An den weltweiten Rohstoffmärkten hat sich eine Preisblase gebildet, die zu platzen droht“, sagt beispielsweise Stephen Roach, der Chef-Volkswirt von Morgan Stanley. Der überzogene Preisanstieg sei von falschen Annahmen zur Entwicklung Chinas und der chinesischen Nachfrage angetrieben worden.

Die Preise vieler Rohstoffe hätten Rekordniveaus erreicht, da Anleger aus der Industrialisierung der Schwellenländer ein zunehmend knappes Angebot ableiteten. Eine weitere Verteuerung setze voraus, daß Chinas Wirtschaft weiter so stark wächst wie in den vergangenen 27 Jahren - doch das sei unwahrscheinlich. Zudem dürfte die Energienutzung im Reich der Mitte effizienter werden, erläutert Roach weiter.

China generierte im vergangenen Jahr vier Prozent der globalen Wirtschaftsleistung, hatte aber gleichzeitig einen Anteil von neun Prozent am weltweiten Ölverbrauch, von 20 Prozent bei Aluminium und von 30 bis 35 Prozent bei Stahl, Eisenerz und Kohle. In den kommenden Jahren werde China die Effizienz seiner Wirtschaft jedoch steigern. Der Ökonom verweist dabei auf den aktuellen Fünf-Jahresplan, der eine Senkung des Energieaufwands pro BIP-Einheit um 20 Prozent vorsieht.

„Die Chinesen brauchen keine neuen Technologien zu entwickeln, um die Effizienz des Rohstoffeinsatzes zu verbessern - sie müssen einfach die kopieren, die es anderswo auf der Welt schon gibt“, erklärt Roach. „Der Appetit Chinas nach Industriegrundstoffen dürfte in den kommenden Jahren schwinden.“ Dies würde die Fundamentalsituation am Rohstoff-Weltmarkt erheblich ändern und die Preise unter Druck bringen. Kombiniert man dies mit der Erwartung, das amerikanische Wirtschaftswachstum könnte sich aufgrund der Notwendigkeit, mehr zu sparen, abschwächen, dürfte das den Blick der Anleger auf Rohstoffe und die Gewinnentwicklung der Branche vorsichtig werden lassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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