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Rohstoffe Baumwolle so teuer wie noch nie

 ·  Baumwolle wird immer teurer. Der Preis erreichte an der Terminbörse im Laufe dieser Woche den höchsten Stand aller Zeiten. Dafür sind Spekulationen ebenso verantwortlich, wie eine gewisse Knappheit aufgrund von Exportrestriktionen Indiens.

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Baumwolle wird immer teurer. Der Preis erreichte an der Terminbörse Intercontinental Exchange in New York im Laufe dieser Woche Höchststände von bis zu 1,2959 Dollar je Pfund oder umgerechnet 2,066 Euro je Kilogramm. Das war der höchste Stand der jemals erreicht wurde. Alleine seit Juli ist der Preis um bis zu 70 Prozent gestiegen. Am Donnerstag liegt der Preis zwar leicht darunter, aber immer noch auf im historischen Vergleich sehr, sehr hohem Niveau.

Für die Preisentwicklung gibt es verschiedene Gründe. Der grundlegende ist die Tatsache, dass die Baumwollpreise in den vergangenen Jahren lange Zeit vergleichsweise tief gewesen waren. Das hatte für einige Jahre die Investitionen in diesem Bereich, die verwendeten Anbauflächen und letztlich auch die Produktion zurückgehen lassen, erklärt Allen A. Terhaar vom Cotton Council International in Washington.

Eine Kombination mehrer Faktoren führt zum Preisauftrieb

Während der Finanzkrise ging die Nachfrage zurück und alle verringerten ihre Lagerbestände. Als die Weltwirtschaft schließlich aufgrund der Stimuli aus der Krise herauskam, das war in Asien besonders früh der Fall, zog die Nachfrage nach Baumwollprodukten an und rasch wollten alle Hersteller ihre Produktionspipelines füllen. Das hat den Markt zumindest im Frühling und Sommer bewegt. Jüngst kamen dazu Meldungen, nach welchen das Wetter in China, der größten Anbauregion der Welt, ungewöhnlich kühl sei und die Ernte beeinträchtigen könne. Im amerikanischen Bundesstaat Texas, der größten Anbauregion des Landes, kam es zu Hagelschlag.

Solche Meldungen träfen am Markt in einem Umfeld auf besondere Resonanz, das durch einen schwachen Dollar und die starke Rohstoffnachfrage von spekulativer Seite gekennzeichnet sei, erklärt Terhaar weiter. Jede Neuigkeit, die auch nur in Ansätzen die Entwicklung begründen könnte, sorgt dann für weiteren Preisauftrieb. Insgesamt sei aufgrund der Konstellation vor der Finanz- und Wirtschaftskrise vorauszusehen gewesen, dass der Baumwollpreis steigen müsse. Niemand jedoch dachte, dass er so schnell so stark zulegen werde, so Terhaar.

Ob der inzwischen erreichte Preis gerechtfertigt ist oder gehalten werden kann ist eine andere Frage. Denn er bringe Konsequenzen mit sich, erklärt Terhaar. So werde die Nachfrage nach Naturfasern zumindest in jenen Regionen gedämpft, in welchen Naturfasern weniger beständig gefragt seien wie in den Industriestaaten. Das könne zu einer gewissen Substitution von Baumwoll- durch Kunstfasern führen. Zum anderen verleite der hohe Preis zu einer stärkeren Produktion. Im Moment sei der Baumwollpreis wettbewerbsfähig im Vergleich mit anderen Agrarprodukten. Allerdings brauche die Produktionssteigerung Zeit, da sie nur im Rahmen der normalen landwirtschaftlichen Zyklen stattfinden könne.

Kurzfristig sind weitere Turbulenzen denkbar - längerfristig wäre eine Korrektur normal

Terhaar hält das gegenwärtige Preisniveau zumindest kurzfristig für gerechtfertigt, da China seine Lagerbestände stark strapaziert habe und da Indien - zweitgrößte Baumwollanbaunation weltweit - unberechenbar in Bezug auf Lieferungen geworden sei. Amerikanische, europäische, türkische und mexikanische Textilunternehmen protestieren gegen „illegale Exportrestriktionen“ Indiens, die den Baumwollpreis für nichtindische Hersteller dramatisch erhöht hätten, obwohl Indien selbst eine Rekordbaumwollernte eingefahren habe. Amerikanische Baumwollverarbeiter fürchten sogar, ihnen werde der Rohstoff ausgehen.

Auf der anderen Seite hält Terhaar Sorgen über steigende Textilpreise für überzogen. Denn letztlich sei der Baumwollanteil in den Endprodukten wertmäßig vergleichsweise gering. Möglicherweise seien Verarbeitungs- und Handelsunternehmen genötigt, Kostensteigerungen von dieser Seite zumindest zum Teil aufzufangen. Grundsätzlich seien die Einzelhändler wenig geneigt, angesichts der schwachen finanziellen Verfassung vieler Konsumenten die Preise zu erhöhen. Auf der andern Seite seien sie kurzfristig eher darüber besorgt, überhaupt Produkte zu erhalten, als über Preisfragen nachdenken zu müssen.

Insgesamt mag der Baumwollpreis im Rahmen der kurzfristigen Konstellation und der aggressiven spekulativen Euphorie verrückt spielen und unter Umständen stark schwanken. Mittel- und längerfristig jedoch dürfte er allerdings das gegenwärtige Niveau nicht halten könnten und zurückfallen. Die Cotton Corporation of India zumindest rechnet angesichts guter Ernten in Amerika und Indien in den kommenden Monaten mit einer Korrektur. Viel wird jedoch davon abhängen, ob die angelsächsischen und japanischen Zentralbanken das Spekulationsfieber noch einmal von neuem anheizen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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