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Rohstoffe Anleger wetten auf den Maispreis

 ·  Anhaltend hohe Preise für konventionelle Energieträger sorgen zusammen mit anderen Effekten bei Agrarrohstoffen zu einer gewissen Preisphantasie. Im relativen Vergleich scheinen sie zudem günstig zu sein.

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Während die Preise für Öl und Metalle in den vergangenen Jahren förmlich durch die Decke gegangen sind, fiel die Preisentwicklung bei den so genannten „Soft-Commodities“ und Agrarrohstoffen unterschiedlich aus.

Während der Orangensaft im Mai des Jahres 2004 einen Aufwärtstrend etablieren und aufgrund von Sonderfaktoren inzwischen 213 Prozent zulegen konnte, befindet sich der Preis für Mais nominal betrachtet schon seit Jahren in einer Seitwärtsbewegung, während die Preise für Weizen und Sojaöl seit dem Jahr 2000 wenigstens im Trend nach oben laufen.

Dafür dürfte es verschiedene Gründe geben. So wird beispielsweise das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage immer enger und die Lagerbestände gehen im Trend zurück. Sie reichen im Durchschnitt nur noch wenige Monate, um im Falle einem ausbleibenden Angebot die Nachfrage befriedigen zu können.

Direkte und indirekte Effekte bei der Preisentwicklung von Agrarrohstoffen

Dazu kommen inzwischen jedoch weitere Effekte. Sie werden indirekt ausgelöst durch die anhaltend hohen Energiepreise in Verbindung mit der Förderung alternativer Energiequellen. Sie lassen nicht nur die Wind- oder Sonnenenergiebranchen aufblühen, sondern auch die Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen. Dabei gerät der Zuckermarkt über die zunehmende Verarbeitung zu Ethanol ebenso in den Blick, wie der Reis-, Soja-, Weizen- und Maismarkt aufgrund des Aufkommens von Bioreaktoren.

Denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung lassen die sich mit organischen Abfällen in Form von Speiseresten oder Gülle nicht voll auslasten, sondern sie benötigen substanzhaltiges „Futter“. Das führt dazu, daß der Ertrag landwirtschaftlicher Flächen immer öfter auf diese Weise verwertet wird, statt als Futter für Nutztiere. So kommt es auch auf diesen Märkten zu einer Veränderung der Angebots-Nachfrageverhältnisse, die sich über Substitutionsmöglichkeiten weiter ausbreiten und zu entsprechenden Preisbewegungen führen.

Das ist jedoch nicht alles. Denn dazu kommen spekulative Elemente. „Wer sein Anlagekapital verdoppeln will, dürfte mit Investitionen in Mais gut beraten sein“, heißt es beispielsweise von Vermögensverwaltern wie der Allianz-Tochter Pimco und Ospraie Management. Sie gehen sogar davon aus, daß der Preis für Getreide in den nächsten zwei Jahren 100 Prozent zulegen wird.

Künftig würden sich die Kraftstoffproduzenten und die Nahrungs-und Futtermittelindustrie um den Mais schlagen müssen, heißt es. Bis ins Jahr 2008 werde sich der Maispreis stärker entwickeln als die Preise von Öl, Kupfer, Gold, Aktien und Anleihen, sagte Fondsmanager Christopher Wyke von Schroders der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Sie sind relativ betrachtet günstig

Dazu kommt die relative Bewertung. Und im Vergleich mit Öl, Gold oder anderen Commodities liegen die Preise für Mais oder Weizen sehr tief. Der Brennwert von Weizen ausgedrückt in Geldeinheiten ist höher als der von Öl. Wäre es in Deutschland nicht verboten, ließe sich die Wohnung mit dem Verbrennen von Weizen günstiger heizen, als mit Öl.

Der größte Schub für den Maispreis dürfte die Ethanolherstellung bringen. Denn die amerikanische Regierung fördert die Kraftstoffbeimischung von Ethanol, um das Benzinangebot in den Vereinigten Staaten auszuweiten. Angesichts der steigenden Benzinpreise kletterte die amerikanische Ethanolproduktion im April im Jahresvergleich um 21 Prozent auf 12,1 Millionen Gallonen pro Tag. In den kommenden zwei Jahren sollen in Amerika 32 neue Ethanolproduktionsanlagen entstehen und sechs bestehende erweitert werden.

Der weltweite Maisverbrauch dürfte die Produktionsmenge im Jahr 2006 zum sechsten Mal in Folge übertreffen, heißt es aus dem amerikanischen Landwirtschaftsministerium. Die Lagerbestände der Länder werden insgesamt auf das niedrigste Niveau seit 1984 absinken. In China ist sogar zu erwarten, daß die Mais-Lagerbestände ein 30-Jahrestief erreichen. Neben dem zunehmenden Energiebedarf verändern steigende Einkommen in den Schwellenländern die Ernährungsgewohnheiten. Der wachsende Fleischkonsum treibt den Bedarf an Viehfutter in die Höhe, so daß auch von dieser Seite immer mehr Mais benötigt wird.

Insgesamt scheinen damit die Aussichten für steigende Preise bei den verschiedenen Getreidearten nicht schlecht zu sein. Allerdings gibt es eine Grundbedingung an der vieles hängt: Der Preis für konventionelle Energieträger muß hoch bleiben.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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