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Rohstoffe Abkehr von Südafrikas Goldminen

 ·  Der zweitgrößte Förderer Gold Fields gliedert einheimische Bergwerke in ein neues Unternehmen aus. Weitere Konzerne sollen folgen.

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Wenige Wochen nach dem Ende der verheerenden Arbeitskämpfe in Südafrikas Bergwerken hat der zweitgrößte Goldförderer des Landes jetzt bekannt gegeben, sich - mit einer Ausnahme - von seinen einheimischen Minen zu trennen. Die Minen sollen in ein neu gegründetes Unternehmen namens Sibanye Gold ausgegliedert werden, das im Februar kommenden Jahres an den Börsen in Johannesburg und New York notiert werden soll.

Der Aktienkurs reagierte auf die Mitteilung mit kräftigen Gewinnen, auch die Kurse der anderen Goldförderer profitierten. Mit seiner Entscheidung hat Gold Fields als erstes Unternehmen den lange andauernden Klagen über den Niedergang des Goldbergbaus in Südafrika Taten folgen lassen. „Wir befinden uns näher am Abgrund als vor einigen Jahren“, hatte Gold-Fields-Chef Nick Holland zuvor gesagt, „wir müssen die Dinge anders angehen“. Marktexperten erwarten, dass sich auch der größere Konkurrent Anglo Gold Ashanti und womöglich der drittgrößte südafrikanische Produzent, Harmony, demnächst von lokalen Bergwerken trennen. Ebenso wird im südafrikanisch-britischen Rohstoffkonzern Anglo American seit langem über eine Trennung des Südafrika-Geschäfts von den übrigen Aktivitäten spekuliert. Anglo American schürft kein Gold mehr in Südafrika, baut aber dort Platin und Diamanten ab.

Bergbau in Südafrika bisher nach traditionellen Methoden

“Das bringt frischen Wind in die Branche“, sagte Peter Major, Analyst des Finanzdienstleisters Cadiz Corporate Solutions in Johannesburg, „die anderen Förderer können sich daran ein Beispiel nehmen“. Auch eine Zusammenführung der bisherigen südafrikanischen Minen von Gold Fields und Anglo Gold gilt nicht als ausgeschlossen. Gold Fields schürft auch in anderen afrikanischen Ländern, in Australien und in Südamerika. Anglo Gold erzielt schon jetzt zwei Drittel seiner Förderung außerhalb Südafrikas. Harmony betreibt ein Bergwerk in Papua-Neuguinea.

Gold-Fields-Chef Nick Holland bestritt, dass die Spaltung mit den monatelangen Streiks in Zusammenhang stehe. Die Pläne seien schon lange zuvor im Gespräch gewesen. Es dürfte aber kein Zufall sein, dass die südafrikanische South-Deep-Mine bei Gold Fields bleibt. Das Bergwerk ist nach Milliardeninvestitionen eines der modernsten in Südafrika, in dem verstärkt mechanisierte Fördermethoden zum Einsatz kommen. Diese Methoden sind in Kanada und Australien längst gang und gäbe.

In Südafrika hat man sich nicht nur wegen des drohenden Verlusts von Hunderttausenden Arbeitsplätzen bisher auf die traditionellen Methoden beschränkt. Viele der Bergwerke sind fast hundert Jahre alt und können nur zu immens hohen Kosten umgebaut werden. Nur 10 Prozent der südafrikanischen Belegschaft von Gold Fields arbeitet in der South-Deep-Mine. Ihr Ausstoß je Arbeiter gerechnet war in diesem Jahr fast doppelt so hoch wie derjenige der anderen beiden Minen.

Südafrikanische Goldproduzenten profitierten kaum vom hohen Goldpreis

Die Arbeitskämpfe in der Bergbaubranche haben nicht nur das Ansehen Südafrikas im Ausland schwer beschädigt, sondern auch die Unternehmen viel Geld gekostet. Mehr als 50 Menschen kamen in den gewaltsamen Protesten ums Leben, 34 wurden von Polizisten in einem Massaker bei der Platinmine Marikana erschossen. Ratingagenturen haben in der Folge nicht nur das Rating von Gold Fields, sondern auch die Bonitätsnote für südafrikanische Staatsanleihen gesenkt. Südafrikas Goldproduzenten konnten auch wegen der Streiks kaum vom hohen Goldpreis profitieren. Der Kurs von Gold Fields liegt um 20 Prozent unter Vorjahresniveau, der Kurs von Anglo Gold um 29 Prozent und der Kurs von Harmony um 40 Prozent.

Die neue Gesellschaft Sibanye Gold, die vom Branchenveteran Neal Froneman geführt werden soll, wäre der größte Produzent von südafrikanischem Gold. Die beiden ausgegliederten Bergwerke Kloof-Driefontein Complex (KDC) and Beatrix hatten 2011 einen Ausstoß von 1,4 Millionen Feinunzen Gold. Dies entspricht zwei Drittel des Ausstoßes der bei Gold Fields verbleibenden Minen. Da sie seit mehr als 70 Jahren in Betrieb sind, liefern sie allerdings immer weniger Gold bei steigenden Kosten.

Aus Sicht von Gold-Fields-Chef Holland könnte Sibanye Gold für Investoren trotzdem interessant sein, weil sie sich auf ein Förderland konzentrieren können. „Die Anleger wollen Alternativen und wenn wir ihnen diese nicht liefern, laufen wir Gefahr, dass sie das Interesse am gesamten Unternehmen verlieren“, sagte er. Südafrikas Goldsektor sei an der Börse in Ungnade gefallen. „Aber wenn diese Vermögenswerte richtig geführt werden, gibt es keinen Grund, Südafrika weiter zu verschmähen, vor allem nicht bei einem so hohen Goldpreis.“

Die Goldschätze gehen zur Neige

“Wenn wir so weitermachen, werden wir in fünf Jahren keine Goldbranche mehr in Südafrika haben“, warnte Gold-Fields-Chef Nick Holland in dieser Woche. Südafrikas Wirtschaft ist seit dem Goldrausch 1886 mit dem geben Edelmetall verbunden. Einst war das Land der größte Goldlieferant der Welt. In der Spitze brachte es 1970 rund 1000 Tonnen des gelben Edelmetalls zu Tage, heute sind es 190 Tonnen jährlich. Südafrika rangiert damit nur noch an fünfter Stelle, hinter China, Australien, den Vereinigten Staaten und Russland. Der Bedeutungsverlust hat viele Gründe. Weil die Goldschätze zur Neige gehen, müssen die Minenkonzerne immer tiefer graben. Das ist teuer und gefährlich.

In jüngerer Zeit haben sich außerdem die Rahmenbedingungen verschlechtert: Steigende Strompreise, hohe Arbeitskosten und eine im Vergleich dazu niedrige Produktivität. Hinzu kommen kostspielige Auflagen der Regierung wie diejenige, auch bei kleineren Unfällen die gesamte Mine teils tagelang zu schließen. Auch wird die Forderung nach einer Verstaatlichung der Minenbranche immer wieder laut. Die Unternehmen haben es versäumt, die Interessen einer immer frustrierteren Arbeiterschaft zu berücksichtigen, wie sich jüngst in den Arbeitskämpfen gezeigt hat. „Wir müssen Wege finden, unsere Mitarbeiter stärker einzubeziehen“, sagte Holland. Wohl nicht zufällig heißt Sibanye übersetzt „wir sind eins“.

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