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Rohstoff-Förderung Kampf um das Great Barrier Riff

 ·  Die Rohstoffindustrie will im Nordosten Australiens Kohle und Gas in großem Stil abbauen. Dies könnte das Weltnaturerbe gefährden.

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Das Great Barrier-Riff vor der Ostküste Australiens ist ein Ort der Ruhe - zumindest für Taucher unter Wasser. Im Ferienort Cairns, an den Stränden, auf den Booten tummeln sich Touristen. Sie konnten dem Naturwunder bislang nichts anhaben, förderten aber Australiens Wachstum. Das sollen auch die Megaprojekte der Rohstoffindustrie, die nun an der Küste Gestalt annehmen: Gasterminals, Kohlehäfen, Bergwerke. Sie allerdings bedrohen das Riff.

Dies zumindest sagt die Unesco, die Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen. Sie lässt den Australiern nur acht Monate Zeit, dass Riff stärker zu schützen. Seit 1981 steht es auf der Liste der Weltnaturerben.

Das Riff soll auf die Liste der gefährdeten Naturerbe kommen

Ungezügelter Tourismus, vor allem aber der Ausbau des Geschäftes mit den Rohstoffen, drohte das Naturwunder für immer zu schädigen. Wenn Australien die Entwicklung rund um das Riff Ende Januar nächsten Jahres nicht genauer beobachtet und reguliert, will die Unesco das Barrier-Riff auf die Liste der gefährdeten Naturerbe setzen. Dies wäre ein enormer Gesichtsverlust für die Bundes- und Landesregierung und würde den Tourismus belasten.

Damit ist der Bericht der Unesco für die wachsende Umweltbewegung an der Küste entlang des Riffs frische, scharfe Munition. Ihre Lobbyarbeit führte dazu, dass die Unesco sich der Zukunft des Riffs widmete. Für die Bodenschatzindustrie ist das strenge Urteil dagegen ein weiterer Tiefschlag: Seit Jahren wächst der Widerstand der Landbevölkerung gegen die oft milliardenschweren Investitionen. Australiens Regierung versucht unterdessen, den Rahm der hohen Unternehmensgewinne über Steuern abzuschöpfen. Zeitgleich verlangen Arbeiter und Aktionäre nach höheren Beteiligungen, und die Rohstoffvorkommen sind schwieriger auszubeuten, was die Kosten steigen lässt. Deshalb reagiert die Branche dünnhäutig.

Das Riff wird zum Symbol um das Tauziehen der Rohstoffriesen

Das Barrier-Riff dürfte zum Symbol für das Tauziehen um die Rechte der Rohstoffriesen werden. Auf der einen Seite der mit gut 2000 Kilometern längste Streifen von Korallenriffen der Welt, der 20.000 Quadratkilometer bedeckt. Hier leben mehr als 1500 Arten von Meerestieren und 360 Korallenarten. Die Unesco bezeichnet das Ökosystem als „spektakulärste Meereslandschaft der Welt“. Die australische Regierung schätzt, das Riff steuere mehr als 5 Milliarden Australische Dollar zur Volkswirtschaft des Fünften Kontinents bei, denn es zieht im Jahresschnitt gut 1,6 Millionen Gäste an. Dadurch sind auch mehr als 63.000 Arbeitsplätze geschaffen worden.

Die Rohstoffindustrie will mehr Geld verdienen als der Tourismus

Auf der anderen Seite steht die Rohstoffindustrie. Sie will entlang der Küste des Bundesstaates Queensland bald ein viel größeres Rad drehen, als es der Tourismus bewegt. Wie sensibel die Politiker und Unternehmer auf Kritik reagieren, zeigte Campbell Newman, der neue Ministerpräsident des Bundeslandes Queensland: „Wir werden die Umwelt schützen. Aber wir werden nicht zulassen, dass die wirtschaftliche Zukunft von Queensland beerdigt wird“, polterte er nach Veröffentlichung des Berichts.

„Wir sind im Kohlegeschäft. Wenn wir gute Krankenhäuser und Schulen wollen und Polizisten auf Streife, dann müssen das alle verstehen.“ Am Hafen Gladstone auf Curtis Island bauen Royal Dutch Shell und Petro China mit einer Investitionssumme von 50 Milliarden Australischen Dollar einen Verarbeitungs- und Verladestandort für Flüssiggas. Gladstone ist das Vorzeige-Projekt Queenslands im Bodenschatz-Sektor; es soll jährlich allein 850 Millionen Dollar in die Kasse des Landes spülen. Schon heute ist Gladstone ein wichtiger Kohlehafen.

Kohlefrachter und Gastanker könnten die Fische schädigen

Die Fischer vor Ort führen die schlechte Wasserqualität und ein Sterben von Fischen vor Gladstone auf das Ausgraben der Schifffahrtswege zurück. Die Unesco warnt davor, dass Kohlefrachter und Gastanker zusammen das Meeresleben für immer schädigen könnten. „Es liegen 35 Anträge für große Entwicklungsprojekte für die nächsten eineinhalb Jahre vor, die das Riff beeinflussen würden“, heißt es bei den Grünen in Australien. „Auch wenn wir nur der Hälfte der geplanten Versechsfachung der Kohleexport-Kapazität zustimmten, können wir uns wohl von dem Riff verabschieden.“

Zu den geplanten Bauvorhaben zählt das Alpha-Projekt von GVK/Hancock, dessen Kernstück der Bau eines Kohlehafens für 4,6 Milliarden Dollar im Galilee Basin werden soll. „Nach den hohen Raten der Genehmigungen in den vergangenen zwölf Jahren könnte die beispiellose Eile der Entwicklung das Riff berühren und zu ernsten Bedenken in Bezug auf dessen Erhalt auf lange Sicht führen“, heißt es bei der Unesco. Weder Bundes- noch Landesregierung hätten genug getan, um die Einflüsse überhaupt zu prüfen. „Die rasch fortschreitende Entwicklung der Küste, einschließlich der Hafeninfrastruktur bereiten uns große Sorge. Dem Barrier-Riff fehlt ein übergreifender Plan für eine nachhaltige Entwicklung.“

Teils werden Ausbaupläne zurückgefahren

Allerdings haben die Bundes- und Landesregierung von Queensland im August vergangenen Jahres eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die die Auswirkungen beschreiben soll. Zudem wurde der für 9 Milliarden Dollar geplante Ausbau des Hafens Abbott Point zum Kohlehafen im Norden Queensland von der Landesregierung zurückgefahren. Zwei Tage nach Vorlage des Berichts klang Newman schon konzilianter: „Wir stimmen mit der UN dahingehend überein, dass wir eine ordentliche Entwicklung der Hafeninfrastruktur in Queensland brauchen. Dazu verpflichten wir uns genauso wie zum Schutz der Umwelt.“ Dann allerdings schränkte er ein, dass neue Regeln nur für künftige Projekte gelten würden - nicht für jene, die schon genehmigt seien.

Die Industrie spricht eine deutlichere Sprache. Sie nutzt die Chance, die von ihr aufgrund der Einführung höherer Steuern abgelehnte Bundesregierung weiter in Verruf zu bringen. Micheal Roche, der Vorsitzende der Lobby-Gruppe Bodenschatz-Rat in Queensland wirft der Regierung vor, deren Fehlinformationen hätten den Bericht erst ermöglicht.

So habe die Regierung erklärt, der Kohleexport aus Queensland werde in einer Dekade von 250 Millionen Tonnen auf 953 Millionen Tonnen pro Jahr hochschnellen. „750 Millionen Tonnen in nur zehn Jahren hinzuzurechnen - ohne darauf zu achten, ob es realistisch ist, dass all diese Projekte vorangetrieben werden - ist absoluter Unfug.“ Er kritisierte: „Ein großer Teil der von der Regierung genannten 45 Projekte sind keine Bodenschatzprojekte. Zwei Drittel von ihnen liegen nicht einmal in der Gegend des Barrier Riffs.“

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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