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Rohöl Warum steigen die Preise?

 ·  Derzeit steigt der Ölpreis wieder. Wie weit noch? 70, 80, 100 Dollar? Jeder darf raten - denn die fundamentalen Begründungen sind eher schwach. Lange war nicht mehr so viel Rohöl auf Lager oder schwamm ungenutzt auf den Weltmeeren.

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Beim Blick auf die Entwicklung der Ölpreise überkommt viele ein Déjà-vu-Gefühl. Haben wir nicht erst einen mehrjährigen Ölpreisanstieg hinter uns, der weniger auf Fundamentaldaten, sondern vor allem auf Spekulanten zurückging, die den Barrelpreis am Ende auf 147 Dollar getrieben hatten, nur um ihn anschließend auf 32 Dollar einbrechen zu sehen?

Angesichts dieses starken Rückgangs scheint im jüngsten Aufholen auf ein Sechs-Monats-Hoch von 60 Dollar je Fass noch Spielraum nach oben zu sein. Wie viel, ist schwer zu sagen. Vor kurzem nannte ein erfahrener Ölanalyst in einem privaten Gespräch eine Preisspanne von 5 bis 10 Dollar.

Fundamentales Pro & Contra

Hier die Fakten zur Preisblase: Die Rohöllagerbestände sind auf ein 19-Jahres-Hoch gestiegen. Laut Mark Williams von Associated Press hätten allein die Vereinigten Staaten eine Milliarde Barrel Rohöl gebunkert. Die Ölnachfrage werde nach Schätzungen der amerikanischen Energieinformationsbehörde auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren fallen.

Doch die gegenteilige Argumentation läuft wie folgt: der Markt preist im Zuge der weltweiten schuldenfinanzierten Ausgabenprogramme einen Inflationsanstieg ein; in China ist derweil eine Beschleunigung der Investitionsausgaben eingetreten. Nach Ansicht von Phil Flynn von Alaron Trading sind dies auch „echte Fundamentaldaten“.

Liquiditätshausse

Ungeachtet dessen scheinen stets Gründe bemüht zu werden, um das Vertrauen in einen Preisanstieg zu rechtfertigen. Robert Shiller zufolge würden die Märkte letztlich hauptsächlich von Emotionen getrieben. Doch es gibt auch noch nüchterne Stimmen. In meinen Augen bringt es Chris Flood von der Financial Times auf den Punkt: Die Preise steigen aufgrund verschiedener spekulativer Spielereien. Flood zitiert Mike Wittner, einen leitenden Ölanalysten der Société Générale mit den Worten: „Die jüngste Preisstärke geht nicht auf Fundamentaldaten, sondern auf Finanzströme zurück.“

Laut Rune Likvern von der Internetplattform The Oil Drum werden täglich bis zu 3 Millionen Fass Rohöl allein zu Lagerzwecken gekauft, wozu auch die Lagerung auf See (in Supertankern) zähle. Nach seinen Prognosen dürften diese zur Preissteigerung beitragenden spekulativen Käufe nach und nach zurückgehen, da Lagerkapazitäten zusehends knapper würden. Wenn dies eintrete, werde es zu deutlichen Preisrückgängen kommen.

Mit der Prognose von Ölpreisen kann man gehörig daneben liegen. Viele Leute, insbesondere Spekulanten, lassen sich davon natürlich nicht abhalten.

Steve LeVine ist Auslandsredakteur der Business Week.

Quelle: Business Week Online
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