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Rohöl Steht der Ölpreis vor einer Korrektur?

26.05.2009 ·  Wie weit läuft der Ölpreis noch? 70, 80, 100 Dollar? Jeder darf raten - doch die fundamentalen Begründungen sind eher schwach. Lange war nicht mehr so viel Rohöl auf Lager oder schwamm ungenutzt auf den Weltmeeren.

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Der allgemeine Optimismus hat die Finanz- und Rohstoffmärkte im Griff. Trotz grottenschlechter Konjunktur- und Unternehmensdaten laufen schon seit Wochen die Börsen nach oben, während sich Energie- und viele Rohstoffpreise im Trend nach oben bewegten. Der Preis für leichtes amerikanisches Leichtöl der Sorte WTI erreichte in den vergangenen Tagen sogar ein Siebenmonatshoch von etwas mehr als 63 Dollar.

Die Hoffnungen und Erwartungen der Marktteilnehmer leiten sich aus extrem lockeren Geld- und intensiven Ausgabepolitiken beinahe weltweit ab. Solche Maßnahmen würden die Wirtschaft weltweit ihren Boden finden und bald wieder deutlich wachsen lassen können, heißt es hoffnungsvoll. Man leitet solche Erfahrungen aus der Vergangenheit ab. Immerhin ist es den Zentralbanken in den vergangenen 20 Jahren immer wieder gelungen, mit tiefen Zinsen und hohen Geldmengen die konjunkturelle Dynamik nach Rückschlägen rasch wieder zu beleben.

Ölnachfrage ist stärker gefallen als das Angebot - hohe Lagerbestände

Skeptiker stellen allerdings die Frage, ob es auch diesmal wieder gelingen kann. Denn im Unterschied zu früher haben viele Unternehmen und Privathaushalte aufgrund der starken Verschuldung keinen Spielraum mehr, ihren Konsum oder ihre Investitionen bei steigender Arbeitslosigkeit, sinkenden Realeinkommen und geringer Kapazitätsauslastung über Kredite auf hohem Niveau zu halten. Sie müssen über Zurückhaltung erst einmal ihre Bilanzen sanieren. Genau das macht sich auf der Nachfrageseite bemerkbar und dämpft die Wachstumsaussichten.

So ist beispielsweise die Ölnachfrage in den vergangenen Monaten deutlicher zurückgegangen, als die Ölanbieter ihr Angebot reduzieren konnten. Aus diesem Grund sind die Lager weltweit stark gefüllt. Die amerikanischen Lagerbestände befinden sich beispielsweise auf dem höchsten Stand seit 19 Jahren. Und auf den Weltmeeren schwimmen einige Tanker herum, die als zusätzliche Lager von spekulativen Marktteilnehmern in Erwartung steigender Preise und aufgrund einer steilen Terminmarktkurve zwecks Lagerung angemietet worden sind. Die Anleger konnten das Öl günstig einkaufen und es gleichzeitig per Termin teurer verkaufen. In Tankern vor der Küste lagert genug Öl, um die Vereinigten Staaten eine Woche lang komplett versorgen zu können.

Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Strategie aufgehen wird. Denn erstens laufen die Lagerkosten davon. Zweitens dürften Verkäufe zur Verlustbegrenzung einsetzen, sollte die Ölnachfrage künftig aufgrund der verhaltenden wirtschaftlichen Entwicklung schwächer ausfallen als von den optimistischen Marktteilnehmern angenommen wurde. Tatsächlich scheinen sich einige Marktteilnehmer gegen ein solches Szenario abgesichert zu haben.

Kritischer Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung

Denn am Optionsmarkt der New York Merkantile Exchange ist die Anzahl offener Verkaufskontrakte mit Ausübungspreisen von 50 und 40 Dollar deutlich größer, als solche, die auf steigende Preise wetten. Bei 50-Dollar-Verkaufskontrakten sind knapp 25.000 Positionen offen, bei 45-Dollar-Verkaufskontrakten sind es knapp 20.000 Positionen und bei 40-Dollar-Verkaufskontrakten sind es 23.254 Positionen. Allerdings sollte man solche Zahlen nicht überbewerten. Denn jedem Putkäufer steht auch ein entsprechender Verkäufer gegenüber. Diese gehen davon aus, dass der Ölpreis nicht stark fällt. In diesem Sinne sind Positionierungen dieser Art nur bedingt aussagekräftig.

Faktisch sind die Öllagerbestände jedoch hoch und die Ölnachfrage sinkt so schnell wie seit 1981 nicht mehr, wie die Internationale Energieagentur erklärt. Aus diesem Grund dürfte eine deutliche Preiskorrektur kaum überraschen, sollten sich optimistische Wachstumserwartungen in Luft auflösen und auf spekulativer Seite zu einer Ernüchterung führen.

Die amerikanische Konsumnachfrage ist schwach, die Kapazitätsauslastung der Industrie des Landes befindet sich auf dem tiefsten Stand seit mindestens 50 Jahren, die Arbeitslosigkeit hat in den vergangenen Monaten massiv zugenommen und die Hauspreise fallen weiter. Die Wirtschaftskraft Japans ist im ersten Quartal so stark gesunken wie noch nie, während die Wirtschaftsleistung Europas so stark schrumpfte wie seit 13 Jahren nicht mehr. Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman sieht für Europa und die Vereinigten Staaten eine zehnjährige Periode der Stagnation mit steigender Arbeitslosigkeit und ohne nennenswertes Wachstum voraus und die Weltbank hält Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung in China für „verfrüht“. So gibt es genügend Gründe, um die Ölpreisentwicklung skeptisch zu betrachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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