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Rohöl Kampf gegen Spekulanten könnte Ölpreis belasten

21.08.2009 ·  Mit einem neuen Jahreshoch sendet der Ölpreis gerade ein neues charttechnisches Kaufsignal. Doch die Analysten der Commerzbank sehen die Notiz bis Jahresende deutlich fallen. Auch deshalb, weil mit Maßnahmen gegen die Spekulation gerechnet wird.

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Der Ölpreis ist am Freitag mit 73,88 Dollar je Barrel im Tageshandel ein neues Jahreshoch gestiegen. Flankiert wird diese Entwicklung von wieder steigenden Aktienkursen, besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten und den zuletzt deutlich gefallenen Rohöllagerbeständen in Amerika.

Charttechnisch gesehen spricht somit jetzt vieles für weiter steigende Notierungen. Doch die Analysten bei der Commerzbank sind trotzdem skeptisch. Sie rechnen mit einem Rückgang der Ölpreise bis zum Jahresende auf 50 Dollar je Barrel. Diese Einschätzung hat deshalb Gewicht, weil die Experten für sich reklamieren, im Vorjahr den Ölpreisanstieg auf 150 Dollar sowie den anschließenden massiven Preisverfall und die diesjährige Erholung auf 70 bis 75 Dollar je Barrel richtig vorausgesagt zu haben.

Einfluss der Spekulanten stark gestiegen

Die Treffsicherheit ihrer Prognosen führen sie darauf zurück, dass sie den gewachsenen Einfluss der Finanzanleger auf den Ölpreis berücksichtigt haben und sich nicht nur auf die fundamentalen Faktoren fokussiert haben. Nach Informationen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist der Nominalwert der OTC-Geschäfte auf Rohstoffe (ohne Gold) zwischen 2000 und 2008 von 500 Milliarden auf mehr als 13 Billionen Dollar gestiegen. Davon entfällt ein Großteil auf Öl-Kontrakte. Dazu kommt noch das stark gestiegene Volumen an Rohstoff-Zertifikaten.

Die skeptischere Haltung der Commerzbank zur weiteren Entwicklung des Ölpreises rührt auch daher, dass der Einfluss der Spekulanten künftig wieder abnehmen dürfte. Zumindest habe die amerikanische Aufsichtsbehörde angekündigt, deren Einfluss auf die Preisentwicklung bei Energieträgern begrenzen zu wollen. Und weil die Finanzmarkteilnehmer laut Commerzbank primär auf der Kaufseite engagiert seien, dürfte dies den Preis stark belasten.

Das vermehrte Mitwirken der Finanzanleger hat aus Sicht der Commerzbank eine spekulative Blase bei Rohstoffen und insbesondere am Ölmarkt sowie übertriebene Preisausschläge nach oben und nach unten verursacht. Das sei auch deshalb anzunehmen, weil die Warenterminbörsen nicht geeignet seien, die milliardenschweren Investments aufzunehmen. Denn die Relationen zwischen dem physischen Markt und dem virtuellen Börsenhandel stimmen nicht mehr. So hat sich in den Jahren 2003 bis 2008 nicht nur der WTI-Ölpreis, sondern auch die Anzahl der ausstehenden Kontrakte an der NYMEX fast versechsfacht.

Preisprognose für 2010 nach unten korrigiert

Auch den deutlichen Ölpreisanstieg in der ersten Hälfte dieses Jahres führen die Commerzbank zu einem beträchtlichen Teil auf wieder zunehmende Investitionen von Finanzanlegern zurück. „Wird deren Einfluss durch die Aktionen der Aufsichtsbehörde und die zurückkehrende Vernunft sinken, werden die Ölpreise fallen. Wir erwarten, dass einige dieser Maßnahmen recht bald beschlossen werden, zumal der politische Druck und der Wille, eine übermäßige Spekulation an den Rohstoffmärkten, insbesondere bei Energieträgern zu bekämpfen, nicht nur in Amerika, sondern auch in den Regierungen in Europa stark wächst. Da die meisten Anleger auf höhere Preise setzen, würde ihr Ausscheiden die Preise sicherlich tendenziell belasten“, erläutert Rohstoff-Analyst Eugen-Weinberg.

Konkret rechnet die Commerzbank mit einem Rückgang der WTI-Ölpreise auf 50 statt wie bisher 70 Dollar je Barrel zum vierten Quartal 2009. Zudem wurde die Prognose für den durchschnittlichen WTI-Ölpreis im Jahr 2010 von 75 Dollar auf 55 Dollar je Barrel reduziert. Neben dem geringeren Beitrag der Finanzmarktteilnehmer sprechen dafür laut Weinberg vor allem die Fundamentaldaten. So gebe es reichlich freie Produktionskapazitäten und in Abwesenheit geopolitischer Störungen bestehe in absehbarer Zukunft keine Knappheitsgefahr am Ölmarkt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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